Neustadt
Fitnesssport: Neustadter Bernd Himpel entwickelt Renngürtel
Als Strategiecoach weiß der 49-jährige Neustadter Bernd Himpel, dass er sein Leben aus dem Koffer gut planen muss. Rund 40.000 Autobahnkilometer und viele Seminare fordern ihn nicht nur mental, sondern auch körperlich. Stehend und sitzend verbringt er also seine Arbeitstage. Ein Abonnement mit einem örtlichen Sportstudio würde ihm wenig helfen, wenn er viele Kilometer von zu Hause entfernt im Hotel übernachtet.
„Die Herbergen haben meist nur kleine muffige Räume für Fitnesssport. Aber ich brauche am Feierabend frische Luft“, erzählt er. Doch Joggen alleine hat ihm nicht mehr gereicht. So begann er zu experimentieren. Zunächst mit einem Klettergurt, Schlaufen und Gummiseilen, um während des Laufens die Arme und die Rumpfmuskulatur zu trainieren. Cynthia Ruthrapathy, eine Freundin seiner Familie, ausgebildete Sport- und Fitnesskauffrau sowie Personaltrainerin, fand die Idee spannend. Die 25-Jährige aus Maikammer sorgte für die notwendige fachliche Beratung. Stückweise verbesserte das Duo die Idee.
Als Patent registriert
Seit einem Jahr ist der „Renngürtel“, Corerunning-Belt genannt, bereits als Patent registriert. Himpel fand in der Pirmasenser Firma „Footwear Innovation Lab“ den idealen Partner zur Weiterentwicklung. Dabei spielte ein interessanter Zufall eine Rolle. Himpel, der die Neustadter Jugend-forscht-Gruppe von Sergej Buragin unterstützt, kam über die Corona-Krise mit dem Westpfälzer Unternehmen in Kontakt. „Sie unterstützten uns 2020 bei der Herstellung der Gesichtsvisiere als Virusschutz. So kam ich also mit dem Sportentwickler zusammen“, verrät er. Zahlreiche Selbstversuche, eine Analyse am Institut für funktionelle Diagnostik in Köln und schadstofffreie Materialien, „alles made in Rheinland-Pfalz“, bringen das Projekt nach rund drei Jahren Entwicklung zur Serienreife. Die Prototypen wurden Stück für Stück verbessert.
Himpel denkt bei seinem Fitnessgürtel nicht nur an Jogger. „Walken oder Spazieren reicht auch schon aus, um den Oberkörper mit dem Anwenden des Gürtels zu stärken“, sagt er. Und er freut sich über Menschen, die seine Erfindung testen wollen.
Serienproduktion geplant
Bernd Himpel plant die Serienproduktion für das erste Quartal 2022, noch fehlt auch das Tüv-Zertifikat. Der rund 800 Gramm schwere Gürtel aus hochwertigem Material, den es in den drei Größen „S“, „M“ und „L“ geben soll, hat seinen Preis. Himpel kalkuliert mit rund 200 Euro. „So viel kosten ein hochwertiges Paar Laufschuhe“, sagt er. Der Vertrieb soll dann online erfolgen.
Der Neustadter ist überzeugt: „Wer den Gürtel ausprobiert, wird es merken. Man fühlt sich fit und gestärkt. Die Rückenschmerzen verschwinden.“ Ganz nach seinem Motto „lebe aufrecht“.
Kontakt
im Internet unter www.corunning-world.com.
Auch Bauch-, Brust- und Schultermuskeln sind gefordert
Der Fitnessgürtel wird ähnlich wie ein Klettergürtel getragen. Der Bauchgurt mit der stabilen, aber weichen Rückenpolsterung wird ergänzt von zwei Beinschlaufen mit Magnetverschluss. An die Arme kommen rechts und links zwei gepolsterte Zugelemente, die über Schlaufen mit dem Gurt verbunden werden. Durch den Gürtel wird der Gummizug an den Handgriffen befestigt. Diesen gibt es in drei verschiedenen Stärken, also in drei unterschiedlichen Zugwiderständen. Jetzt geht es einfach los.
Ähnlich wie beim Walken zieht die rechte Hand nach vorne, wenn der linke Fuß vorgeht. Und umgekehrt. Der Gummizug bewirkt einen leichten Widerstand und somit den Trainingseffekt.
Drei Phasen
Cynthia Ruthrapathy erklärt die Wirkweise: „Durch die Züge werden vorne Brust- und Schultermuskeln gefordert. Gleichzeitig muss der Bauch dagegen halten, also werden auch die Bauchmuskeln trainiert.“ Die Messungen am Institut für funktionelle Diagnostik ergaben, dass die Rückenstrecker und Trapezmuskel (auch Kapuzenmuskel genannt) ebenfalls bewegt werden. Ruthrapathy: „Man richtet sich also automatisch auf, der komplette Oberkörper wird bewegt.“ Sie empfiehlt, beim Training drei Phasen durchzuführen. Neben dem Training mit dem Armzug beim normalen Laufen oder Gehen sollten auch einige Minuten lang gezielt die Knie angehoben werden und die Bewegung des rechten Armes zum linken Knie führen, die des linken Arms zum rechten Knie.
Die dritte Phase erfolgt dann ohne Handzug, nur mit den weiter noch eingehängten Armschlaufen, die dafür sorgen, dass beim Laufen die Arme korrekt am Körper anliegen. Ruthrapathy: „Ganz wichtig ist am Schluss der Trainingseinheit oder des Laufs das ganz normale Dehnen. Sinnvoll ist das Training zwei- bis dreimal in der Woche. Die Muskeln sollten nach dem Training immer einen Ruhetag bekommen.“ Die Maikammererin betont, das Training diene nicht etwa einem großen Muskelaufbau, sondern sei eine sanfte Stärkung mit einem angenehmen Gefühl. Und Bernd Himpel, ganz strategisch denkend, ergänzt: „Der Gürtel bewirkt rund 20 Prozent mehr Kalorienverbrauch. Die höhere Effizienz beim Training bewirkt Zeitersparnis.“