Bad Dürkheim
Filmfrühling: „Meine persönlichen Lieblingsfilme“
Der erste Termin widmete sich dem französischen Drama „Die Farben der Zeit“. „Das ist der Preis für Open-Air-Kino“, gesteht Michael Kötz, der Leiter des Festivals, als das Wetter nicht mitspielt. Es regnet, und das nicht zu knapp, als die Besucher eingelassen werden. Manche suchen Schutz unter den Bäumen im Kurpark, aber erstaunlich wenige lassen sich von ihrem Kinobesuch abhalten. Sie sind vorausschauend in Regenbekleidung gekommen oder haben die Regenschirme aufgespannt, die wegen Sichtbehinderung freilich wieder geschlossen werden müssen, sobald der Film startet. Um nicht in Pfützen zu sitzen, wird das Regenwasser, das sich auf den Stühlen gesammelt hat und weiter sammelt, von jedem Einzelnen mit Taschentüchern, den Händen oder dem eigenen Hintern beseitigt. Nur Routiniers haben eigens Handtücher dabei. Bald nach Filmbeginn lässt der Regen glücklicherweise nach und hört schließlich ganz auf.
Im Gastronomiezelt sind zwei Zettel mit der Ankündigung „Filmkunst im Gespräch“ eher klein geraten und werden leicht übersehen. Im Programmheft ist dem unentgeltlichen Angebot immerhin eine ganze Seite gewidmet, die, gerade bei dem Wetter, nur eine kleine, überschaubare Anzahl interessierter Kinobesucher lockt. „Wir wussten nicht, ob hier 400 Leute ein Gespräch führen wollen oder nur vier“, erklärt Michael Kötz unter einer Pergola vor einigen besetzten und einigen leeren regenfeuchten Korbstühlen. An seiner Seite seine Ehefrau Daniela Kötz, ebenfalls vom Leitungsteam des Festivals, sowie Lucia Cornelius-Horstmann vom Vorstand des Dürkheimer Kunstvereins, der die Gespräche gemeinsam mit dem Filmfrühling anberaumt hat.
Die persönlichen Lieblingsfilme
„Ich habe einfach frech meine persönlichen Lieblingsfilme genommen und gesagt, über die reden wir“, erläutert Kötz seine Themenwahl. „Die Farben der Zeit“, das Musical „Nur für einen Tag“ und „Sentimental Value“, unter anderem mit dem Oscar als „Bester internationaler Film“ ausgezeichnet, seien derart gelungen und sehenswert, dass sie es nicht alleine verdienten, dass man über sie redet. „Alle drei“, bekräftigt er, werden ebenfalls bei „seinem“ Ludwigshafener Festival des deutschen Films (ab 19. August) wieder zu sehen sein. Gerade Frankreich, das Produktionsland von „Die Farben der Zeit“ und „Nur für einen Tag“, beneide er um den besonderen Stellenwert, den dort das Kino besitze, und den großen Respekt, der ihm entgegengebracht werde. Das habe zur Folge, dass auch das Spektrum französischer Filme größer und reicher sei als das deutsche.
„Selten so einen tollen Film gesehen!“ sagt er über die anregende Zeitreiseerfahrung „Die Farben der Zeit“, der in die gegenwärtige Normandie und in das alte Paris führt, an die Anfänge des Impressionismus und in die Frühzeit der Fotografie. Zu Paul Nadar, Sarah Bernhardt oder Claude Monet. „Arthouse, aber sehr gefällig gemacht“, wie der Festivalleiter feststellt, „eine geschickte Komposition aus Tiefe und Unterhaltung“, wie sie eigentlich nur in Frankreich zustande komme.
Vorbereitungen für Festival in Ludwigshafen
Seine Begleiterinnen kommen kaum zu Wort, einige andere Gesprächsbeteiligte schon, die sich etwa wünschen, dass französische Filme denn auch auf Französisch gezeigt würden. „Ich gebe zu, dass ich ihn schon fast wieder vergessen habe“, räumt Kötz auf eine inhaltliche Frage hin ein. „Wir bauen gerade das Programm für die Parkinsel zusammen“, berichtet er, für das Festival des deutschen Films. So viele Produktionen hat er seither schon wieder gesehen, dass „Die Farben der Zeit“ allmählich verblassen. 66 Filme, exakt dreimal so viele wie in Bad Dürkheim, werden dort im Sommer nicht nur unter freiem, bisweilen verregnetem Himmel, auch in großen Kinozelten, zu sehen sein. „Bad Dürkheim ist ein heimlicher Vorort von Ludwigshafen“, meint Michael Kötz. „Nein“, entgegnet Lucia Cornelius-Horstmann: „Ludwigshafen ist ein Hinterort von Bad Dürkheim.“
Termin
Filmkunst im Gespräch“ findet wieder statt am Freitag, 12. Juni, gegen 19 Uhr („Nur für einen Tag“) sowie am Samstag, 20. Juni, gegen 20.30 Uhr („Sentimental Value“)