Neustadt Fest für die Fantasie

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Deidesheim. Tosenden Beifall ernteten am Samstagabend in der Stadthalle die Kolpingkapelle und ihr Jugendblasorchester für ihr facettenreiches Frühjahrskonzert mit einer Bandbreite von Swing, Pop, Jazz bis Klassik. Und sie hatten wunderbare Überraschungsgäste mitgebracht: das New Life Barbershop Quartett und den jungen Deidesheimer Sänger Christopher Gans.

Locker und beschwingt stimmt das Jugendblasorchester unter der Leitung von Florian Groß mit der abwechslungsreichen „Stone Creek Episode“ von Ed Huckeby auf den „Sound of America“ ein. Unter diesem Motto steht das Konzert. „One Moment in Time“ von Albert Hammond und John Bettis bietet anschließend ein wenig Muße zum Verschnaufen, bevor die jungen Musiker den „Cup of Life“ von Robi Rosa und Desmond Child kredenzen. Von Lampenfieber ist dem musikalischen Nachwuchs nicht viel anzumerken. Sicher und selbstbewusst schrauben sie damit als Vorband die Erwartungen an die „Großen“ in die Höhe. Die heizen dem Publikum unter der Leitung von Rainer Hartwig mit Gershwins „Strike up the Band“ ein. Stilvoll, präzise und von ansteckender Begeisterung. Wer so sicher ist, kann sich auch an Literatur wie Bernsteins „The Wrong Note“ wagen, ein wundervoll schräges Stück, das beim Üben viel Mühe und Taktgefühl gekostet haben dürfte, damit es bei der Aufführung so klingt, wie es der Komponist sich vorgestellt hat. Da ist das Verkehrschaos in einer amerikanischen Stadt zu hören, mit ungeduldig hupenden Fahrer und den Trillerpfeifen der Polizisten, der Zuhörer kann sich Stepptänzer vorstellen, Fred Astaire und Charly Chaplin. Chapeau. Ein Fest für die Fantasie ist de Haans „Oregon“. Weitere Höhepunkte sind „The Washington Post“ von John Philip Sousa, ein beeindruckender Marsch für Orchester und Quartett aus tiefem Blech mit Steffen Schlehuber (Tenorhorn), Roman Klein (Baritonhorn), Susanne Christensen (F-Tuba) und Franz Welsch (B-Tuba). Aufhorchen ist auch beim „Largo“, dem zweiten Satz aus Dvoraks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ angesagt. In diesem majestätischen Stück präsentiert sich Julia Hacke mit dem Englischhorn, einer Variante der Oboe, als sehr sichere und sensible Solistin. Mit einer gelungenen Überraschung geht es nach der Pause weiter, dem New Life Barbershop Quartett. Dem gehören mit Rainer Hartwig und Susanne Christensen zwei Mitglieder der Kolpingkapelle an (dazu kommen John Warner und seine Frau Marci). Das Publikum hört sich strahlend die „New Ashmolean Marching Society and Students Conservatory Band“ an. Ein kurzes Innehalten, dann donnernder Applaus, ebenso für „Always“, ein Liebeslied von Irving Berlin, der „White Christmas“ geschrieben hat. Dass er sich auch auf kräftigen Jazz versteht, beweist das anschließende „Puttin’ on the Ritz“. Mit Ausschnitten aus dem musikalischen Werk Duke Ellingtons und Michael Jacksons steuert das Konzert auf den Schluss zu; aber nicht ohne einen weiteren Überraschungsgast, der vor allem die Augen der Frauen zum Strahlen bringt: Christopher Gans. Er interpretiert „Perhaps, perhaps, perhaps“ des kubanischen Komponisten Osvaldo Farres und gibt den Zuhörern mit der englischen Version von „La mer“ des Chansonniers Charles Trenet einen angenehmen Ohrwurm mit auf den Heimweg.

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