Neustadt Fernsehen hilft bei Ahnensuche

Fund aus Leistadt: Drehzahlmesser.
Fund aus Leistadt: Drehzahlmesser.

Leistadt im kanadischen Fernsehen. Auf einer kleinen Landkarte sitzt mitten in der Pfalz ein roter Punkt für das knapp 1000 Einwohner zählende Dorf. Nachthimmel, ein trudelnder Bomber, alte Bilder eines kanadischen Soldaten, ein Facetime-Interview mit einem Mann aus dem pfälzischen Waldsee. Kaum war an jenem Mittwoch der rund zwei Minuten lange Beitrag auf dem kanadischen Sender CTV Winnipeg vorbei, da meldete sich schon bald Calvin Andersen beim Sender und später in Waldsee. Froh war er, jetzt Genaueres zu wissen über die Todesumstände seines Onkels. Dank der Ausstrahlung weiß er, wo und wann sein Onkel Nels Peter Andersen aus der kanadischen Provinz Manitoba gestorben ist: am 21. Februar 1945 im Wald bei Leistadt. Deutsche Nachtjäger hatten auf den Bomber der Alliierten vom Typ Halifax NP711 geschossen, der um 17.14 Uhr aus dem englischen Linton on Ouse gestartet war und in dem der damals junge Mann mit den blonden Haaren und den blauen Augen zusammen mit fünf Landsmännern und einem Engländer saß. Ihre Bombenfracht sollte die Maschine bei Worms abwerfen, dazu kam es offenbar nicht mehr. Beim Aufprall im Leistadter Wald gab es eine heftige Explosion, eine große Fläche brannte. „You have brought us closer to some closure for an Uncle that was always referred to as lost at war“, sagte Neffe Calvon Andersen jetzt dem kanadischen Sender. Das Fernsehen hat dem Kanadier also geholfen, eine (Wissens)-Lücke zu schließen über einen Onkel, von dem man nur wusste, dass er im Krieg verschollen war. Aber auch Hobbyforscher Erik Wieman hat damit ein weiteres Puzzleteil seines Rätsels gefunden. Der Holländer, der seit vielen Jahren in Waldsee bei Speyer lebt und zusammen mit Peter Berkel unter der Interessengemeinschaft Heimatforschung firmiert, sucht akribisch nach Absturzstellen von Flugzeugen in der ganzen Pfalz. Das Ziel: ein Gedenkstein für die Toten. Bei Limburgerhof und bald auch bei Lachen-Speyerdorf stehen schon Steine. Immer reisen Angehörige von weither an, um im Acker, im Wald oder auf der Wiese ihrer Verstorbenen zu gedenken. Im Fall Leistadt hat Wieman schon von sechs der sieben Flugzeuginsassen die Familien in England, Kanada und den USA gefunden. Alle wollen, so sagt er, auch in den Dürkheimer Ortsteil kommen. Noch ist es aber nicht so weit. Erst muss Wieman die letzte Familie finden. Eine heiße Spur gebe es aber schon, verriet er. Zeitzeugen, die meist unerkannt bleiben wollen, ausländische Medien, Datenbanken und die große Leidenschaft der Amerikaner und Kanadier zur Ahnenforschung helfen dem Mann aus Waldsee dabei, die Nachfahren ausfindig zu machen. Wie zuletzt am 17. Oktober 2017 berichtet, hatte sich ein Zeitzeuge aus Leistadt nach einem Aufruf in der RHEINPFALZ an die Explosion in der Februarnacht 1945 erinnert und dem 49-jährigen Wieman die genaue Absturzstelle in Leistadt gezeigt. Anschließend hatten er und Berkel mit bloßem Auge den Waldboden abgesucht. Sie fanden zahlreiche Metall- und Kunststoffteile: Reste des Wracks, sogar Teile einer Atemmaske. „Wir sind aber keine Schatzsucher“, betont Wieman immer wieder, auch die Darstellung im kanadischen Fernsehen, das Metalldetektoren zeigt, sei falsch. „Wir arbeiten mit dem Denkmalamt Speyer zusammen und immer nur mit Genehmigung.“ Zurzeit wartet er auf eine Nachforschungsgenehmigung für das Stück im hiesigen Wald – er will dort auch im Boden nach Überbleibseln suchen. Die Absturzstelle ist zugleich Grabstätte. Laut Wieman sind damals wenige Überreste gefunden worden – zu stark war die Zerstörungskraft der Bomben. Ihre letzte Ruhe hatten die Toten nach dem Krieg zunächst in Leistadt gefunden, bevor sie dann exhumiert und im norddeutschen Rheinberg – einem von Engländern versorgten Friedhof – beigesetzt wurden. Wiemann, hauptberuflich beim BASF-Werkschutz, hat sich „schon immer für Geschichte interessiert“. Angefangen hat es mit Kelten und Römern. „Eine Münze zu finden, ist eine tolle Sache“, meint der 49-Jährige, „aber Familien zu helfen, eine ganz andere“. Es sei bewegend, wenn Menschen die Spur ihrer Vorfahren nachvollziehen könnten – am besten vor Ort. So wie bald in Leistadt... Info Kontakt zur IG Heimatforschung über Erik Wieman, Telefonnummer 06236/55152. Der Link zur kanadischen Fernsehsendung: https://winnipeg.ctvnews.ca/you-have-brought-us-closer-to-some-closure- nephew-of-manitoba-pilot-killed-in- second-world-war-1.3823503

Ein Flieger vom Typ Halifax.
Ein Flieger vom Typ Halifax.
Nels Peter Andersen.
Nels Peter Andersen.
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