Neustadt Fasziniert von der Vielfalt der Kulturen
Deidesheim. Den Pfälzer Dialekt hat er bewahrt. Und auch ein gutes Gläschen hiesigen Weins hin und wieder gehört für ihn zu den lieben Erinnerungen an die Heimat. „Ich freue mich immer, wenn ich wieder in die Pfalz komme“, sagt der in Deidesheim aufgewachsene Volker Eid – so wie am vergangenen Wochenende, als der katholische Moraltheologe, der seit Jahrzehnten in Bamberg lebt, gleich bei zwei recht unterschiedlichen Veranstaltungen als Referent im Neustadter Herz-Jesu-Kloster zu Gast war.
Die eine beschäftigte sich mit der neuen Enzyklika „Laudato si’“, in der Papst Franziskus die Themen Umweltschutz und globale Armutsbekämpfung in einem Appell für eine „globale Ökologie“ zusammenfasst. Die andere behandelte in der Seminarreihe „Alte Kulturen im Umfeld der Bibel und des frühen Christentums“ das eisenzeitliche Königreich der Urartäer, das sein Zentrum in der heutigen Osttürkei hatte. Schon diese beiden Themen zeigen, dass der 75 Jahre alte emeritierte Theologie-Professor der Otto-Friedrich Universität Bamberg ein vielseitiger Mann ist. Geboren wurde Eid 1940 in Kirchheimbolanden, doch seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Deidesheim. Im Alter von fünf Jahren zog er mit seinen Eltern hierher. Seine Erinnerungen an die Weinbaugemeinde sind nicht verblasst. „Auch wenn ich keine Verwandtschaft mehr in Deidesheim habe, spüre ich doch immer wieder heimatliche Gefühle, wenn ich mehrmals im Jahr ins Herz-Jesu-Kloster komme“, erzählt Eid. Er blieb auch nach seinem altersbedingten Ausscheiden und der Schließung der Fakultät seiner oberfränkischen Wahlheimat treu und leistet in einer kleinen katholischen Pfarrei immer noch Aushilfsdienste als Priester. Auch einen Zweitwohnsitz in Istanbul hatte er eine Zeitlang. Eine Rückkehr in die Pfalz schließt er somit aus. Dennoch sagt er augenzwinkernd: „einmal Pfälzer, immer Pfälzer“. Man spürt im Gespräch den Humor des 75-Jährigen. Dabei befasste sich Eid über viele Jahre als Professor für Moraltheologe mit oft schwierigen Themen der Gesellschaft und scheute auch die kritische Auseinandersetzung nicht. Seine Priesterweihe erhielt er 1968 in Freising, seine erste Professur folgte 1972 an der Universität Köln, von wo er aber noch im gleichen Jahr nach Bamberg wechselte. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Hochschulalltag 2006 war er dort zugleich Dekan und Vizepräsident. Auch nach seiner Emeritierung blieb er seinem Fachgebiet verbunden. So lobt der Theologe ausdrücklich die Botschaft von Papst Franziskus: „Seine Tatkraft, komplexe Zusammenhänge anzupacken, ähnelt dem Handeln von Johannes XXIII.“, findet Eid. „Diese Art, auf Menschen zuzugehen, die wahren Probleme der Gesellschaft anzusprechen, macht ihn so sympathisch. Das ist keine Augenwischerei, es ist seine Art.“ Dass dies derzeit direkter und „politischer“ ausfällt, sieht Eid auch in der aktuellen Flüchtlingskrise begründet. Dabei betont er ausdrücklich, dass die Probleme der Umwelt und die Krisen in der Gesellschaft nur zusammen gesehen werden könnten. „Es gibt nicht zwei Krisen, sondern eine einzige, sehr komplexe sozio-ökologische Krise“, erklärt Eid im Gespräch. Für ihn als Moraltheologen sind solche Analysen nicht neu. Neu sei aber die direkte Art, wie hier ein Papst die ungerechte Verteilung des Wohlstands in der Welt und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen anprangere. „Es dürfen keine Machtinteressen mehr gelten“, lautet für Eid die Schlussfolgerung. Die Forderungen des Papstes seien dabei keineswegs unrealistisch, sondern ein seriöses Plädoyer für sittliches Handeln auf Grundlage des Glaubens. Dabei interessiert sich Eid auch in besonderem Maße für die historische Dimension aktueller Konflikte, und ein Land, das ihn dabei ganz besonders fasziniert, ist die Türkei. Seit vielen Jahren reist Eid immer wieder in das Land an der Schnittstelle zwischen Asien und Europa, hat Reiseführer geschrieben – unter anderem in der Reihe DuMont-Kunstführer – und etliche Jahre selbst am Bosporus gelebt. Mit Reisegruppen des Neustadter Herz-Jesu-Klosters war er schon mehrfach als Reiseführer in der Region unterwegs, und in der Alte-Kulturen-Seminarreihe im Kloster ist er „Dauerreferent“, wie ihn deren Leiter Pater Hans-Ulrich Vivell anerkennend nennt. Dabei ist der Orient-Spezialist geografisch nicht auf ein Land festgelegt: In den letzten Jahren leitete er unter anderem auch Seminare zu Georgien, Armenien, Nordirak, Libanon und den Norden Algeriens. Auch thematisch angelegte Veranstaltungen etwa zum Mithras-Kult oder zur Kirchenbaukunst der Ostkirchen stehen auf seiner Liste. Am Vorderen Orient fasziniert Eid besonders die Vielfalt der Kulturen, die dort ihre Spuren hinterlassen haben. Umso unglücklicher ist er, dass diese derzeit in der Region auf breiter Front ausgelöscht werden.