Neustadt „Für Pendler ist das eine Zumutung“
Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Speyer will die Landesstraße 499 in der Ortsdurchfahrt Frankeneck während der Sommerferien sechs Wochen lang komplett sperren. In dieser Zeit soll die L 499 zwischen der Einmündung K 23 und der Abzweigung Buchental neu ausgebaut werden. Dagegen wehren sich die Verbandsgemeinde Lambrecht sowie Elmstein und Esthal.
Die Erneuerung der L 499 in der Ortsdurchfahrt Frankeneck sei im Straßenbauprogramm des Landes vorgesehen, und es sei Aufgabe des LBM, dieses Programm abzuarbeiten, nennt dessen Leiter, Kurt Ertel, als Grund dafür, warum das Straßenstück komplett neu ausgebaut werden soll. In den Sommerferien solle dabei der erste Abschnitt der Ortsdurchfahrt angegangen werden, in den Sommerferien 2017 der zweite Abschnitt. Rund 500.000 Euro kostet nach Angaben Ertels die Erneuerung des jetzt geplanten Teilstücks zwischen der Einmündung K 23 und der Abzweigung Buchental. Der LBM will für die sechs Wochen, die die Arbeiten in diesem Sommer voraussichtlich dauern werden, die Ortsdurchfahrt komplett sperren. Eine Vollsperrung sei bei Arbeiten dieser Art erforderlich, so Ertel. Derzeit würden dazu noch „Abstimmungsgespräche“ mit der Verbandsgemeindeverwaltung Lambrecht und den Ortsgemeinden geführt. Elmstein und Esthal seien zu diesen Gesprächen nicht eingeladen worden, obwohl beide Gemeinden durch eine Vollsperrung der L 499 stark beeinträchtigt wären, bedauern der Elmsteiner Bürgermeister Stefan Herter (SWG) und sein Esthaler Kollege Gernot Kuhn (CDU). Vor einigen Tagen habe es erstmals ein gemeinsames Gespräch gegeben. Eine sechs Wochen dauernde komplette Sperrung wäre „dramatisch“, denn die beiden Orte wären von der Vorderpfalz fast abgeschnitten, sagt Herter. „Eine komplette Sperrung geht nicht“, meint auch Kuhn. Mögliche Umleitungen seien mit großen Umwegen verbunden und von Lastwagen nicht befahrbar. Für große Fahrzeuge gebe es aus Richtung Neustadt keine Zufahrtsmöglichkeit, wenn die L 499 gesperrt ist. Für die Betriebe und Geschäfte im Ort wäre das verheerend, moniert Herter. Die Fahrtstrecke von Esthal nach Lambrecht beträgt knapp zehn Kilometer. Bei einer Sperrung der Ortsdurchfahrt Frankeneck müssten die Esthaler erst nach Elmstein fahren, dann am Forsthaus Schwarzsohl vorbei nach Weidentahl und von dort nach Lambrecht, so Kuhn. Das sind rund 40 Kilometer und ein Teil der Strecke zwischen Elmstein und Weidenthal kann von Lastwagen nicht befahren werden. Auch die Busverbindungen nach Esthal wären durch eine Sperrung der Ortsdurchfahrt Frankeneck betroffen. Kuhn plädiert stattdessen dafür, die Ortsdurchfahrt Frankeneck nur halbseitig zu sperren und den Verkehr mit einer Ampel zu regeln. Auch Herter hält das für die beste Lösung. Die Umleitungen aus Richtung Elmstein seien ebenfalls mit Umwegen von etwa 30 Kilometer verbunden und für Großfahrzeuge streckenweise nicht befahrbar. Die Gastronomie blute aus, denn während der Sommerzeit würden normalerweise Touristen kommen, so Herter. Auch für den neu eröffneten Zipline-Park wäre eine Sperrung von Nachteil. Und für Pendler sei es eine Zumutung, täglich einen Umweg von 60 Kilometern fahren zu müssen. Ertel habe mitgeteilt, dass Arbeiten, wie sie in Frankeneck geplant sind, nur noch bei Vollsperrung ausgeführt werden dürften. Das sei durch die 2014 geänderten Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen vorgegeben. „Eine Vollsperrung ist billiger, es geht schneller und der Straßenbelag ist haltbarer“, vermutet Herter als Gründe für die Forderung des LBM nach einer Vollsperrung. Doch die Nachteile für die betroffenen Orte seien enorm. „Es werden sehr konträre Diskussionen geführt“, verrät der Lambrechter Verbandsbürgermeister Manfred Kirr. „Unser Ziel muss es sein, die Situation für alle so verträglich wie möglich zu machen“, so Kirr. Als eine Möglichkeit nennt er eine innerörtliche Umleitung in Frankeneck durch die Schützlerbergstraße. Die wäre allerdings für Lastwagen nicht geeignet. Aufgrund der steilen und engen Situation in Frankeneck könnte auch nicht der gesamte Verkehr über diese Umleitung geführt werden. Kirr plädiert dafür, dass eine innerörtliche Umleitung für die Frankenecker, Esthaler und Elmsteiner ermöglich wird. Nicht wirklich begeistert von diesem Vorschlag ist der Frankenecker Bürgermeister Jürgen Schlupp (SPD). Er lehne eine innerörtliche Umleitung zwar nicht generell ab, „aber es müssten klare Regelungen getroffen werden, damit die Belastungen für Frankeneck und seine Bürger auf das geringstmögliche Maß reduziert werden“, betont Schlupp. (ann)