Neustadt „Für ein Menschenleben“

Samira Baumann (links) erklärt Jessica Geib, wie die Speichelprobe funktioniert.
Samira Baumann (links) erklärt Jessica Geib, wie die Speichelprobe funktioniert.

415 Schüler der Berufsbildenden Schule (BBS) und der Oberstufe des Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums ließen sich am Freitag bei einer Aktion der Deutsche Knochenmarkspender Datei (DKMS) erfassen. Sie gaben neben ihren persönlichen Angaben auch eine Speichelprobe ab, damit sie in der Datenbank als potenzielle Stammzellenspender registriert werden können.

Anlass für die breit angelegte Informationsveranstaltung für rund 800 Schüler war eine Erkrankung einer Schülerin der BBS. Die 17-jährige Michelle aus Deidesheim leidet an einer schweren Erkrankung des blutbildenden Systems und nimmt bereits seit rund zehn Jahren Medikamente, um den Zustand stabil zu halten. Jetzt allerdings rufen die Medikamente starke Nebenwirkungen hervor. „Ich bin schlapp, müde, bekomme Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Hämatome, und die Medikamente wirken nicht mehr richtig. Früher habe ich gerne Sport gemacht, das ist jetzt unmöglich“, erklärt sie. Eine Stammzellenbehandlung muss bei ihr jetzt möglichst schnell erfolgen, doch noch ist kein passender Spender gefunden. „Es ist eine ganz schreckliche Situation. Ich warte nur noch auf den Moment, bis die Meldung kommt, dass es einen passenden Spender gibt“, betont sie. Das Schicksal der Schülerin beschäftigte vor den Sommerferien das Lehrerkollegium der BBS. Ein Lehrerteam mit Simone Siegler, Brigitte von Lonski und Andreas Durek leitete innerhalb weniger Wochen die Kooperation mit der DKMS ein und organisierte die Veranstaltung. Die interessierten Schüler wurden zunächst in einem Vortrag über die medizinischen Auswirkungen und das Verfahren der Stammzellenspende aufgeklärt. Für die DKMS ist Nathlie Mauz ehrenamtlich unterwegs. Während sie spricht, wird es ganz still in der Aula. Sie muss im Anschluss viele Fragen der Schüler beantworten. Viele wollen helfen, können es aber doch nicht, weil sie selbst wegen chronischer oder neurologischer Erkrankungen keine Stammzellen weitergeben dürfen. Bei einigen Schülern kommt es auf die genaue Situation an. Da aber die Erstregistrierung mit der Speichelprobe erst bei einer Übereinstimmung mit einem Patienten weitere Untersuchungen nach sich zieht, können auch sie ihre Probe abgeben. Doch schon die Typisierung und Registrierung kostet 40 Euro. Daher freut sich die BBS auch, dass eine Drogerie die Aktion mit einer Spende von über 4000 Euro unterstützt. „Wir unterrichten allein von diesem Unternehmen 105 Schüler, und das Unternehmen übernimmt 40 Euro pro Auszubildender“, informiert BBS-Schulleiter Manfred Bug. Die Stammzellenspende kann über zwei Wege erfolgen. Der Landauer Maximilian Reichert hat bereits zweimal über eine Stammzellenentnahme, einer Art Blutwäsche, Stammzellen gespendet und schildert den Schülern das genaue Verfahren. Diese Entnahme kann ambulant erfolgen. Nur in 20 Prozent der Fälle kommt es zu einer Entnahme des Knochenmarks und einem dreitägigen stationären Aufenthalt. Die Schüler, die sich vor zwei Schulsälen geduldig aufreihen, haben auch erfahren, dass es bei ungefähr zehn Prozent aller Registrierungen zu einem Treffer führen. Bei einem Prozent stimmen die Parameter dann genau mit dem Erkrankten überein und es kommt daher zu einer Stammzellenspende. Die Registrierung übernehmen rund 30 Schüler der BBS. So zeigt Samira Baumann ihrer Mitschülerin Jessica Geib, wie sie die zwei Wattestäbchen handhaben muss, um eine korrekte Probe abzugeben. „Das ist für ein Menschenleben. Wenn man selbst Patient wäre, wäre man froh, wenn man einen Spender bekommt“, begründen beide ihr Engagement. Und der 20-jährige Egzon Hoti betont: „Es gibt viele Beweggründe zu helfen, aber vor allem wollen wir das für Michelle machen. Sie ist noch so jung und hat noch so viele Pläne.“

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