Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Förster zu Stadtwald: „Bislang nur leichtes blaues Auge“

Die Amerikanische Kermesbeere bereitet Revierförster Jens Bramenkamp Sorgen.
Die Amerikanische Kermesbeere bereitet Revierförster Jens Bramenkamp Sorgen.

Wie sieht es in Zeiten des Klimawandels aktuell im Neustadter Wald aus? Und wie kann der größte Stadtwald von Rheinland-Pfalz für die Zukunft aufgestellt werden? Eine Tour im Vorderwald Richtung Hellerhütte gab am Samstag Vertretern aus Politik, Naturschutz und Landwirtschaft Aufschluss.

„Auch der Letzte sollte jetzt verstanden haben, dass es einen Klimawandel gibt“, sagt Neustadts Umweltdezernentin Waltraud Blarr eingangs der Wanderung. Die Stadtförster Jens Bramenkamp und Klaus Burkart, unterstützt von Forstamtsleiterin Ulrike Abel, führten Oberbürgermeister Marc Weigel, Ortsvorsteher und -beiräte, Stadtratsmitglieder sowie Vertreter aus Naturschutz, Forst- und Landwirtschaft durch den Vorderwald. „Momentan haben wir ein ganz leichtes blaues Auge, das größer werden wird. Bald kommt ein zweites dazu“, beschreibt Jens Bramenkamp, Revierleiter Hohe Loog, die aktuelle Situation.

„Von der Fichte müssen wir uns mittelfristig verabschieden“, erklärt er, als die 25-köpfige Gruppe vor einem 45 Jahre alten Douglasien-Bestand am ersten von sechs Waldbildern Halt macht. Während des Umbaus zu einem klimastabilen Wald könnte künftig dieser nordamerikanische Nadelbaum eine Schwerpunktbaumart im Neustadter Stadtwald sein, so Bramenkamp. Um den Wald breit aufzustellen und zu einem Mischwald umzubauen, soll auch der Anteil der dominierenden Kiefer verringert werden.

Sorge wegen Amerikanischer Kermesbeere

Das dritte Waldbild zeigt einen von Bäumen nahezu entblößten Hang. An den 100 Jahren alten Fichten und Kiefern hat sich nicht nur der Buchdrucker aus der Unterfamilie der Borkenkäfer, sondern auch Orkantief „Friederike“ (2018) und Sturm „Eberhard„ (2019) weidlich ausgetobt. Weide, Rotbuche, Douglasie, Zitterpappel und Schwarzer Holunder bilden hier jetzt einen Pionierwald. Um eine ungestörte Entwicklung dieser Fläche zu beobachten, wurde das Stück mit einem Wildschutzzaun umgeben. Sorge bereitet dem Forst die invasive Amerikanische Kermesbeere, die durch Vogelfraß verbreitet wird, erläutert Bramenkamp und führt eine ausgerupfte Pflanze mit ihren dicken Wurzeln vor.

Spannend wird es im nächsten Waldbild, das neben Kiefer, Lärche und Rotbuche einen hohen Anteil an Fichten aufweist. Angelegt wurden zwei Pflanzflächen von 15 auf 15 Meter, auf denen probeweise 60 kleine Weißtannen als Zukunftsbäume gesetzt wurden. “Interessant für die nächste Generation“, sagt Bramenkamp. Zur Unterstützung dieses Pflanzprojekts karrt die Neustadter Feuerwehr Wasser heran. Für eine Wasserzuführung könnten auch stillgelegte Trinkwasserbrunnen verwendet werden, bringt OB Weigel die Stadt ins Spiel.

Bewusstsein noch nicht da

„Die Bevölkerung hat noch nicht das Bewusstsein, wie es um den Klimawandel bestellt ist“, bedauert Claudia Albrecht, Ortsvorsteherin von Gimmeldingen. „Ich nehme hier viele Impulse mit, werde das als Multiplikator weitertragen – auch an Stammtische“, versichert Amtskollege Claus Schick aus Lachen-Speyerdorf.

Wie der Neustadter Wald in 50 Jahren aussehen wird, ob er trotz des dann herrschenden Klimas noch im grünen Bereich liegt, das wird von den Teilnehmern wohl nur Ella erfahren: Als einziges Kind ist die Neunjährige bei der gut dreistündigen Tour dabei.

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