Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel ESC-Sieger aus der Karibik: Was Dave Benton mit der Pfalz verbindet

Von der Insel Aruba nach Estland: Dave Benton hat 1975 den Eurovision Song Contest gewonnen. Was verbindet ihn mit der Pfalz?
Von der Insel Aruba nach Estland: Dave Benton hat 1975 den Eurovision Song Contest gewonnen. Was verbindet ihn mit der Pfalz?

Ein Weltstar aus Estland, karibisches Flair und eine Mannheimer Stimme, die unter die Haut geht: Ein ungewöhnliches Konzert im Hambacher Weingut Schäffer wurde gefeiert.

Musik und Freundschaft, zwei Dinge, die das Leben erst lebenswert machen. Und wenn Musik und Freundschaft, wie am Donnerstag im Hambacher Weingut Schäffer geschehen, zu einer Einheit verschmelzen, kann daraus eigentlich nur Außergewöhnliches entstehen. Frank Schäffer, Pianist und Bruder des Weingutbetreibers, hatte seinen langjährigen Buddy, den in Estland lebenden Sänger Dave Benton, zu sich in die Pfalz eingeladen. Logisch, dass da ein gemeinsames Konzert mit auf der Urlaubs-To-do-Liste stand, die die beiden zusammen abarbeiten wollen. Benton stammt von der Insel Aruba, die in der südlichen Karibik vor Venezuela liegt, und hat Schäffer an der Musikhochschule in Rotterdam kennengelernt, wo dieser als Schüler eingetragen war. Benton genießt in seiner neuen Heimat Estland längst Superstar-Status , denn er hat 2001 für Estland zusammen mit Tanel Padar und der Gruppe 2XL den Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen. Trotzdem hat der inzwischen 74-Jährige stets Kontakt in die Pfalz gehalten.

Schäffer, in der hiesigen Szene hervorragend vernetzt, lud noch Sängerin Jeanette Friedrich und den Schlagzeuger Rainer Dettling zum Mitmachen ein, und sein Bruder Andreas stellte seine geräumige Vinothek als Konzertsaal zur Verfügung. Die gute Gelegenheit, einen ESC-Sieger aus so unmittelbarer Nähe erleben zu dürfen, bietet sich nicht alle Tage. Und so war es kein Wunder, dass die Eintrittskarten weggingen wie warme Semmeln.

Doch zuvor kündigte der Gastgeber Jeanette Friedrich als „Musicalqueen aus Mannheim“ an, unter anderem bekannt als Ensemblemitglied im Mannheimer Capitol, und traf damit voll ins Schwarze. Mit „Gold von den Sternen“ aus dem Musical „Mozart“ eröffnete sie und leitete mit zwei geschickten Schachzügen zum Auftritt des besonderen Gastes über. Als nächstes kramte sie nämlich Caterina Valentes Oldie „Wo meine Sonne scheint“ aus – im Original „Island in the Sun“ von Harry Belafonte – und verwies damit auf die karibische Herkunft von Benton. Im Anschluss legte sie mit „Ein Lied kann eine Brücke sein“ nach. Die Mannheimer Jazzsängerin Joy Fleming hatte mit dem Stück 1975 am ESC teilgenommen, den Benton 26 Jahre später mit seinem Beitrag „Everybody“ für sich entscheiden konnte. Den sang er in Hambach allerdings nicht, stattdessen hatten die Veranstalter innerhalb kürzester Frist ein Programm zusammengestellt, das aus bekannten Hits und Evergreens bestand und die Zuhörer zum Mitsingen einlud.

Was die Mutter gelehrt hat

Wie Benton, stammt auch der Godfather of Reggae, Bob Marley, aus der Karibik. Zu seinem Gedenken startete Dave Benton deshalb mit einem Titel von ihm: „Three Little Birds“. Später glänzte er mit einer anderen Marley-Nummer, „No Woman, No Cry“. Er hatte aber noch viele weitere Songs im Petto, die in Zusammenhang mit seinem Leben und seiner Karriere stehen. Mit Tom Jones und den Drifters hatte er sich mehrfach die Bühne geteilt. Was lag also näher, als den Jones-Klassiker „Delilah“ und „Stand By Me“ – solo veröffentlicht vom Drifters-Frontmann Ben E. King – mit auf die Spielliste zu nehmen? Von seinem großen Vorbild Louis Armstrong intonierte er den Kultsong „What A Wonderful World“. Seiner verstorbenen Mutter, die ihn gelehrt hatte, innere Stärke durch Zurückhaltung zu zeigen, widmete er die Peter-Allen-Ballade „Don’t Cry Out Loud“.

Zwischendurch brillierte Jeanette Friedrich immer wieder mit unglaublich voluminöser Stimme und Liedern wie „Empire State Of Mind“ von Alicia Keys oder der Journey-Hymne „Don’t Stop Believin’“. Schäffer sorgte mit seinem virtuosen Klavierspiel und einigen geschickt platzierten Soli für aufregende musikalische Momente, während Dettling mit ganz wenig Instrumentarium – einer Snaredrum, einem Cajón als Basstrommel und zwei Becken – immer für den richtigen Rhythmus sorgte. Nicht nur dafür gab es nach der Zugabe stehende Ovationen.

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