Neustadt „Es ist noch ungewohnt“

Es ist spannend, einen Überblick zu bekommen, was an Themen läuft, an Veranstaltungen. All das bedeutet viel Arbeit für alle Beteiligten. Und die Stimmung? Die ist in Ordnung. Es herrscht eine Arbeitsatmosphäre, man tauscht sich aus und regelt, was zu regeln ist. Sie sind ehrenamtlich im Einsatz. Wie klappt das bislang? Der Arbeits- und Zeitaufwand ist wesentlich höher als in meinem bisherigen Amt als Fraktionsvorsitzende der Grünen. Aber ich kann frei entscheiden, wie ich meine Arbeitstage als Beigeordnete regele. Zudem setze ich mich abends lieber vor den Computer statt vors Fernsehgerät. Diese Woche bekamen wir eine Mitteilung, der Förderverein der Villa Böhm habe mit Waltraud Blarr sein 300. Mitglied aufgenommen. Zufall? (lacht) Das hat nichts mit dem neuen Amt zu tun, es geht ja um Kultur. Ich wollte schon länger Mitglied werden, jetzt habe ich endlich das Formular ausgefüllt. Kommen wir zu den Inhalten. In Ihrer ersten Sitzung als Vorsitzende des Umweltausschusses haben Sie angekündigt, dass gefällte Bäume in der Stadt komplett ersetzt werden. Das ist aber gar nicht einfach ... Eigentlich schon, aber eben nicht immer am selben Standort. Die Vorgaben für Baumpflanzungen sind heute zum Teil anders als früher, zum Beispiel brauchen Bäume mehr Platz. Werden in einer Straße acht Bäume gefällt, können eventuell nur noch vier neue gesetzt werden. Die restlichen vier werden dann an anderer Stelle, wie auf Parkplätzen oder an Radwegen, gepflanzt. Die dafür potenziell zur Verfügung stehenden Flächen müssen aber erst noch erfasst werden. Stichwort Schieferkopf. Wie sehen Sie eine weitere Bebauung? In Neustadt herrscht kein so großer Baudruck, dass man dieses Gebiet nutzen müsste. Es gibt dort an den Rändern zwei Baulücken, die man schließen könnte, ansonsten sollte man verzichten. Zunächst aber ist der Ortsbeirat Hambach gefragt. Das Herz der Umweltabteilung schlägt auch für den Nordhang zwischen Wolfsburg und Haardt. Sehen Sie eine Chance, die alte Kulturlandschaft, früher Wingerte, heute zum Teil stark verbuscht, zu erhalten? Das ist eine schwierige Angelegenheit, für die es keine Patentlösung gibt. Die Landschaft offen zu halten, kann die Umweltabteilung allein nicht leisten. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, soll heißen, ideal wäre es, wenn eine Gruppe dort regelmäßig aktiv sein könnte. Besetzt zum Beispiel mit Bürgern und Mitgliedern von Naturschutzverbänden. Die haben sich zwar auch schon engagiert, aber es fehlt ihnen zum Teil an Nachwuchs. Der Hang war schon immer ein tolles Postkartenmotiv ... Deshalb will ich auch mit der Touristgesellschaft sprechen, vielleicht kann man gemeinsam etwas tun. Wenn man das so hört: Wie ist es denn, nun das Heft selbst in die Hand nehmen zu können? Es ist noch ungewohnt für mich, solche Gestaltungsspielräume zu haben, natürlich immer innerhalb der gesetzlichen Vorgaben. Aber ich habe schon vor, Akzente zu setzen, Impulse zu geben. Nehmen Sie landwirtschaftliche Bauprojekte im Außenbereich. Da will ich anregen so zu bauen, dass sich Gebäude besser in unsere Kulturlandschaft einfügen. Auch wegen der Touristen. Ihr zweites Ressort sind die Schulen. Hatten Sie schon Gelegenheit, sich ein wenig einzuarbeiten? Die Schulabteilung hat mich über vieles informiert. Und wir haben die Realschule plus Ingelheim besucht. Gutes Thema. Wie sehen Sie denn die Zukunft unserer Realschule plus? Wir haben noch gut acht Jahre Zeit, bis der Brandschutz in dem Schulgebäude erneuert werden muss. In dieser Zeit müssen wir entscheiden, ob Neubau oder Sanierung. Vieles spricht dafür, neu zu bauen, wir werden aber auch die andere Alternative prüfen. Doch egal, was geschieht, wichtig wäre es, Angebote gemeinsam zu nutzen. Eine Mensa zum Beispiel sollte nicht auf die Realschule plus begrenzt sein, sondern auch der Berufsbildenden Schule, dem Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium oder der Justiz dienen. Ist die früher auch von den Grünen geforderte Integrierte Gesamtschule damit endgültig vom Tisch? Zum einen: Wir müssen in Neustadt Schulangebote für alle Kinder machen. Drei Gymnasien haben wir bereits. Eine IGS würde Realschulplätze kosten. Zum anderen: Im Umland gibt es bereits Integrierte Gesamtschulen, und ich wehre mich gegen Kirchturmdenken. Wir müssen die Schullandschaft regional sehen. Wichtig ist, dass sich die Realschule plus im Böbig einen guten Ruf erarbeiten kann. Dann wird diese Schulform auch immer mehr von den Eltern anerkannt werden. Neustadt hat erstmals einen Schulentwicklungsplan aufgelegt. Wie ist da der Sachstand? Dazu gab es Workshops mit Anregungen, von denen viele aufgenommen wurden. Ich will den Plan vor der Sommerpause 2015 zur Abstimmung bringen. Bis dahin können wir ihn noch fortschreiben. Was nie leicht ist, da man schwer einschätzen kann, für welche Schulart sich die Eltern entscheiden. Grundschulschließungen in den Ortsteilen wurden 2013 verhindert. Wie sicher sind diese Schulen denn? Darüber wird immer wieder neu diskutiert werden müssen. Jeder will die Grundschule vor Ort, doch die Frage ist zu welchem Preis? Akzeptieren Eltern Gemeinschafts-klassen, wenn es nur noch 30 Kinder gibt, oder wollen sie ein differenziertes Angebot? Schulthemen gebe es noch viel mehr. Beleg dafür, dass der Bereich hauptamtlich geführt werden sollte? Ich denke, gut zurechtzukommen. Beide Abteilungen arbeiten sehr gut, darauf kann ich mich verlassen. Sind das jene Mitarbeiter, die die Grünen früher kritisiert haben? In beiden Abteilungen gibt es seit einiger Zeit neue Leitungen. Für die anderen Bereiche kann ich nicht sprechen.