Neustadt „Es ist nicht möglich, das alles aus der Ferne zu organisieren“

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Deidesheim. Mit dem öffentlichen Abschlusskonzert in der Pfarrkirche St. Ulrich enden am Sonntag die 13. Deidesheimer Chortage. Es ist ein Abschied für immer, denn die seit 2003 von dem Deidesheimer Chor „Schola horti paradisi“ in Zusammenarbeit mit dem „Arbeitskreis Musik in der Jugend“ (AMJ) in Wolfenbüttel einmal jährlich veranstaltete Kursreihe findet dieses Jahr zum letzten Mal statt. Wir fragen den Gründer Bernd Scharfenberger nach den Gründen und seinen Erfahrungen aus zwölf Jahren.

Herr Scharfenberger, die 13. Deidesheimer Chortage werden die letzten sein. Warum hören Sie auf?

Als ich die Chortage 2003 gegründet habe, war meine persönliche Lebenssituation eine ganz andere: Ich war noch vor Ort in Deidesheim, und es gab außerdem auch einen konkreten Bedarf: Wir wollten ein Abschlusskonzert zur Restaurierung der Pfarrkirche gestalten. Ich selbst war Student, und die Organisation einer solchen Veranstaltung stellte für mich eine sehr spannende Sache dar. Heute hat sich der ganze Rahmen verändert: Ich bin kein Student mehr und lebe inzwischen in Stuttgart. Das machte es immer schwieriger, die viele ehrenamtliche Arbeit, die in dem Kurs steckt, zu organisieren. Es ist ja so, dass die Teilnehmer bei Gasteltern untergebracht werden. Für die Verköstigung sorgen meine Eltern mit Helferinnen. Dieser persönliche Rahmen war mir immer sehr wichtig. Es ist aber kaum mehr möglich, das alles aus der Ferne zu organisieren, also ganz konkret etwa sicherzustellen, dass es genügend Gastgeber gibt. Wenn Sie auf die 13 Kurse zurückblicken, woran erinnern Sie sich besonders gerne? An bestimmte Kursgruppen, die nicht nur die Inhalte des Kurses zu schätzen wussten, sondern auch die Pfälzer Lebensart verinnerlicht haben, die Geselligkeit, den Wein. Es haben sich da auch viele sehr wertvolle persönliche Beziehungen entwickelt, Freundschaften. Ist es in all den Jahren auch mal hektisch geworden? Es wurde eigentlich immer unhektischer. Am Anfang war ich mit ziemlich vielen Schmetterlingen im Bauch an die Sache herangegangen. Ich musste auch intensiv die Werbetrommel rühren, um überhaupt genügend Teilnehmer zusammenzubringen. Mittlerweile läuft alles sehr viel routinierter und entspannter ab. Nach dem später durch einen tragischen Unfalltod ums Leben gekommenen Tobias Hiller hat 2009 der dänische Dirigent Morten Schuldt-Jensen die Kursleitung übernommen. Wie kam es dazu? Morten Schuldt-Jensen war mein Professor an der Musikhochschule Freiburg. Ich hatte 2008 mein Examen bei ihm abgelegt und wollte auf diese Weise den Kontakt zu ihm aufrechterhalten. Er genießt als Dirigent und Pädagoge internationales Ansehen und hat ganz maßgeblich zum Erfolg der „Deidesheimer Chortage“ beigetragen. Wie hat man sich denn den typischen Teilnehmer der Chortage vorzustellen? Lassen sich da Charakteristika herausarbeiten? Ja, durchaus. Der typische Teilnehmer ist Musikstudent im fortgeschrittenen Semester, in Examensnähe, der noch nicht ganz zufrieden ist mit sich oder mit seinem Chorunterricht an der Musikhochschule und sich deshalb in dem Kurs weitere Impulse holen will. In den letzten Jahren gab es aber auch die Tendenz, dass immer mehr gestandene Kirchenmusiker, Leute, die schon Stellen als Kantoren oder ähnliches inne haben, sich noch einmal von einem erfahrenen Dozenten auf die Finger schauen lassen wollten. Gab es „Wiederholungstäter“? Also der Rekord war eine Studentin und spätere Musiklehrerin aus Stuttgart, die sechsmal teilgenommen hat. Generell kann man sagen, dass jeweils etwa ein Drittel der Teilnehmer in einem der folgenden Jahre noch einmal an dem Kurs teilnahm. Was für ein Programm erwartet das Publikum am Sonntag beim Abschlusskonzert? Es wird ein diachrones Programm. Wir beginnen mit dem Frühbarock, mit Schein und Schütz, von denen sogar je eine Vertonung desselben Textes zu hören sein wird. Und im zweiten Teil gibt es dann einen nordeuropäischen Schwerpunkt mit Nielsen, Sibelius, Grieg, Lange-Müller und Nystedt. Das Motto lautet „Ströme lebendigen Wassers“, denn die Stücke habe alle mehr oder weniger mit Wasser zu tun. Die Chortage waren ein Erfolgsmodell. Wird es eventuell eine Fortsetzung an anderem Ort geben? In Stuttgart zum Beispiel? Wir sind im Moment dabei, verschiedene Konzepte durchzudenken, aber es ist noch nichts spruchreif. Auch ob ich mich, gesetzt den Fall, es kommt zu einer Fortsetzung, persönlich wieder engagieren werde, ist noch offen. Termin Das Abschlusskonzert der 13. Deidesheimer Chortage findet am Sonntag, 6. September, um 17 Uhr in der Deidesheimer Pfarrkirche St. Ulrich statt und bietet das von den Kursteilnehmern erarbeitete Programm. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos unter www.horti-paradisi.de. (hpö)

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