Neustadt Ernst-heiterer Blick auf das Leben im 18. Jahrhundert

„Beeindruckend“, „tolle Details“, „faszinierend“. So beschreiben die Besucher, die am Sonntag im Edelhof in Kirrweiler waren, das Diorama von Sascha Wolf. Dieses zeigt, mit Playmobil-Figuren nachgestellt, den Moment kurz vor den Gefechten zwischen Franzosen und Preußen vor den Toren Kirrweilers im Jahr 1794.
Großartig hat Wolf mit Hilfe eines Freundes und eines Nachbarn die Gefechtsstellung nachgebaut. Rund 400 Figuren hat er, wie er schätzt, in 38 Arbeitsstunden, aufgestellt. Klar habe es riesigen Spaß gemacht, bekennt der leidenschaftliche Playmobil-Fan. Aber nicht nur die Soldaten ziehen die Blicke auf sich. Es sind die winzigen Kleinigkeiten, die jeder Betrachter bewundert, sobald er sie entdeckt hat: Da fällt einer im Wirtshaus vom Stuhl, weil er zu viel getrunken hat. Dort sammeln Kinder Pferdäpfel auf. Hier liegt einer in der Badewanne, und im Wald macht sich eine Fuchsfamilie über einen Hasen her. Wolf hat viel gelesen und recherchiert, wie er sagt. Sehr geholfen habe ihm auch Fritz Roth, der sich mit der Ortsgeschichte auskenne wie kaum ein Zweiter. „Das dörfliche Leben der Zeit ist in großer Vielfältigkeit dargestellt. Es zeigt, dass sich Leute um Nahrung, handwerkliche sowie bäuerliche Arbeit kümmern und dabei mehr oder weniger neugierig am Kriegsgeschehen teilnehmen“, lobt der dann auch das Ergebnis der Kooperation. Am 27. September 1792 marschierte der französische General Custine in die Vorderpfalz ein, nachdem Frankreich im April dem deutschen Kaiser den Krieg erklärt hatte. Grund dafür war, dass Preußen und Österreich dem französischen Adel Schutz gewähren wollten. Und so „begann für unsere Heimat die Zeit der Revolutionskriege“, erläutert Fritz Roth. Das Gefecht von Kirrweiler fand zwischen preußischen Truppen unter Oberst Gebhard Leberecht von Blücher und Teilen der französischen Rheinarmee am 28. Mai 1794 statt. Die Soldaten verursachten nicht nur Flurschäden, sondern plünderten auch das Schloss; ebenso hatte die Bevölkerung unter den Kriegswirren zu leiden. Blücher, der das Gefecht gewann, stand auch im Mittelpunkt der Diskussionsrunde am Freitag im Edelhof. Als einen großen Feldherrn bezeichnete ihn SWR-Redakteurin Kerstin Bachtler. Er habe durch seinen Husarenstreich ein Zeichen gesetzt. Allerdings sehe sie die Soldaten als die eigentlichen Helden, betonte sie. Und Moderatorin Judith Ziegler-Schwaab ergänzte: „Blücher hat den einfachen Soldaten Würde gegeben.“ Den Militär Blücher stellte dagegen der Edenkobener Historiker Herbert Hartkopf in den Mittelpunkt. Roland Paul, Direktor des Instituts für Pfälzer Geschichte und Volkskunde, plädierte dafür, sich, statt neue Helden in Büchern und Filmen zu erfinden, mit realen auseinanderzusetzen. (giw) Information —Das Diorama im Foyer des Edelhofs in Kirrweiler ist noch zu sehen am Samstag, 27. Juni, 12 bis 18 Uhr, Sonntag, 28. Juni, 11 bis 15 Uhr, Donnerstag, 25. Juni, 17 bis 20 Uhr. —Die Diskussion hat der Offene Kanal aufgezeichnet. Ausgestrahlt wird diese am Freitag 26. Juni, 20.15 Uhr, am Sonntag, 5. Juli, 17 Uhr, und am Donnerstag, 9. Juli, 22 Uhr.