Neustadt Erneut weniger Straftaten

Wolfgang Brunke, Leiter der PI, und Jochen Gleich, Erster Kriminalhauptkommissar, betonen, dass das vorgelegte „Kriminalitätslagebild 2014“ eine „Hellfeldstatistik“ sei. Daneben gebe es ein „Dunkelfeld“ in unbekannter Größe. „Je geringer die Straftat, desto weniger wird Anzeige erstattet“, weiß Gleich. Im Bereich der Gemeinde Haßloch wurden 1449 Taten erfasst, die Aufklärungsrate lag bei knapp 57 Prozent, in der Verbandsgemeinde Deidesheim gab es 446 Taten, 43,5 Prozent wurden aufgeklärt. Anhand der Häufigkeitsziffer (Taten auf 100.000 Einwohner hochgerechnet) habe Haßloch im Verhältnis mehr Straftaten zu verzeichnen als die Verbandsgemeinde Deidesheim. „Die Größe des Ortes, die Anonymität oder der Sitz der PI sind ausschlaggebend. In kleineren Orten ist vieles überschaubarer, die Menschen kennen sich besser, achten mehr auf Auffälligkeiten“, so die Erfahrung der Kommissare. Insgesamt konnten 770 Tatverdächtige ermittelt werden. 135 von ihnen (17,5 Prozent) haben keine deutsche Staatsangehörigkeit, dieser Anteil ist im Vergleich zu den Vorjahren leicht gestiegen. Es gab 591 männliche und 179 weibliche Täter. 210 Personen waren unter 21 Jahre alt. Wichtig sei, so betont Gleich, dass nur 3 Prozent aller Kinder und Jugendlichen straffällig werden. Ein Wandel der Kriminalität sei zu berücksichtigen, nicht alle Taten würden vor Ort erfasst. Bei Internetkriminalität befänden sich die Täter häufig im Ausland, Falschgelddelikte würden dort erfasst, wo sich die Tatverdächtigen befinden. Unfallfluchten mit Fahrzeugen, die nicht in Deutschland gemeldet sind, tauchten nur in der Verkehrsstatistik auf, erläutert Gleich. Differenziert nach Straftaten ergibt sich folgendes Bild: Straftaten gegen das Leben Im vergangenen Jahr gab es eine Straftat gegen das Leben: Im Holiday Park kam es zu einem tödlichen Unfall an einem Fahrgeschäft. Wegen fahrlässiger Tötung hat die Staatsanwaltschaft Frankenthal Anklage gegen drei Mitarbeiter erhoben (wir berichteten). Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung 20 Fälle, davon 15 in Haßloch, wurden verzeichnet, ein Anstieg von 250 Prozent. Angezeigt wurde eine Vergewaltigung, sexuelle Nötigungen (4), sexueller Missbrauch eines Kindes (6), exhibitionistische Handlungen (5) und Verbreitung pornografischer Schriften (3). Hier gibt es, so die Aussage von Brunke und Gleich, ein großes Dunkelfeld, entscheidend sei das Anzeigeverhalten. Kindesmissbrauch werde oft erst nach vielen Jahren zur Anzeige gebracht. Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit Insgesamt wurden 288 Taten angezeigt, 215 davon in Haßloch, ein Rückgang von 90 Fällen sei zu verzeichnen. Die häufigsten Vergehen waren Körperverletzungsdelikte (davon 37 gefährliche Körperverletzungen mit Waffen oder gemeinschaftlich begangen), aber auch Nötigung (29), Bedrohung (29) oder Nachstellung (Stalking, 10). Die Aufklärungsquote lag bei knapp 87 Prozent. Diebstahlsdelikte insgesamt Die Zahl der Diebstähle ist um 44 Fälle auf 784 (Haßloch 586) zurückgegangen. Einfache Diebstähle – die Gegenstände waren gegen Wegnahme nicht gesondert gesichert – gab es 405 (Haßloch 315), aufgeklärt wurden 36 Prozent. Häufig waren es Diebstähle aus Schulen, Sportstätten oder Schwimmbädern, aus Autos sowie Rad-, Laden- und Wohnungsdiebstähle. Diebstähle unter erschwerenden Umständen, also trotz Sicherung, gab es 379 (Haßloch 271), Aufklärungsrate: 10 Prozent. Fahrraddiebstähle Die Anzahl der Fahrraddiebstähle lag mit 251 (Haßloch 214) unter dem Niveau der Vorjahre, mit 8,4 Prozent wurde allerdings die niedrigste Aufklärungsquote seit 2008 erreicht. Diebstähle aus Wohnhäusern und Wohnungen Wiederum gestiegen ist die Anzahl der Wohnungseinbrüche auf 67 (Haßloch 41). Oft seien Serientäter am Werk, so Gleich. Zur Vorbeugung empfiehlt die Polizei abschließbare Fenstergriffe oder Lichtquellen in nicht einsehbaren Bereichen zur Abschreckung. „Die Täter achten auf Indikatoren, dass keiner zuhause ist, das reicht von überladenen Briefkästen bis zu Mülltonnen, die nicht zurückgestellt werden“, so Brunke. Diebstähle aus und an Autos Hier wird zwar ein deutlicher Rückgang auf 64 Fälle verzeichnet, allerdings ist die Aufklärungsquote mit 3,1 Prozent gering. „Beliebt“ sind Navigationsgeräte, Wertgegenstände wie Mobiltelefone, Notebooks oder Handtaschen, aber auch die amtlichen Kennzeichen, um an die TÜV- oder Zulassungsplaketten zu gelangen oder Tankbetrügereien zu begehen. Vermögens-/Fälschungsdelikte Straftatbestände wie Betrug, Warenkreditbetrug, Urkundenfälschung sowie das Erschleichen von Leistungen verzeichnen im vergangenen Jahr einen Rückgang von 101 Fällen auf 238 (Haßloch 202), die Aufklärungsquote lag bei 87 Prozent. Internetbetrügereien können nicht exakt abgebildet werden, da die Täter häufig im Ausland sitzen, erläutert Gleich. Sachbeschädigungen Deutlich (um 17 Prozent) ging die Anzahl der Sachbeschädigungen auf 245 Fälle zurück (Haßloch 178). Rauschgiftdelikte Hierunter fallen Erwerb und Handel von Cannabis oder Amphetaminen, insgesamt sind die Fallzahlen auf 72 zurückgegangen, über 93 Prozent der Fälle konnten aufgeklärt werden. Straßenkriminalität Das meint alle Delikte, die im öffentlichen Raum begangen werden wie Diebstähle aus Autos, Raub, gefährliche Körperverletzung oder Sachbeschädigungen. Diese Straftaten beeinflussten maßgeblich das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung, deshalb setzt die Polizei auf die Mitarbeit von Zeugen. Die Anzahl der Fälle ist um 119 auf 574 zurückgegangen, allerdings auch die Aufklärungsquote um 3,4 auf 16,7 Prozent. Opfer und Schäden Verletzt wurden bei Straftaten 324 Menschen. Die Vermögensschäden betrugen in 1022 Fällen rund 1,4 Millionen Euro, davon rund 665.000 Euro im Bereich Diebstahl, 75.000 Euro beim Fahrraddiebstahl und 684.000 Euro im Bereich Betrug. (uhk)