Neustadt Erneut keine Mehrheit für Hotelpläne
Ein Hotelprojekt am nördlichen Ortseingang von Forst hat den Gemeinderat gespalten. Das Einvernehmen zur Bauvoranfrage eines Architekten aus Kaiserslautern für ein 50-Zimmer-Haus auf dem freien Grundstück wurde mit sechs zu sechs Stimmen abgelehnt. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Eigentümer Jörg Guhmann mit demselben Architekten ein ähnliches Bauvorhaben präsentiert, was ebenfalls keine Zustimmung fand.
Dabei hatte nicht grundsätzlich die Frage für oder gegen ein Hotel den Ausschlag gegeben, sondern das Volumen und der Standort. Bürgermeister Bernhard Klein hält den Plan jedoch nach wie vor „für absolut richtig und wichtig für die nachhaltige Entwicklung der Weinbaugemeinde“. Die Gastronomie und Weingüter florierten, und der Bedarf an Zimmern sei auch angesichts des neuen Schulungszentrums am Ort gegeben. Eine bestimmte Größe eines Vier-Sterne-Hauses sei nun mal erforderlich und erst mit 50 Zimmern rentabel. Sabine Lucas vom Bauamt der Verbandsgemeindeverwaltung erläuterte den Bauplan und zeigte eine höhenreduzierte Bauweise mit zwei Gebäudeteilen auf einer Gesamtlänge von 50 Metern. Ein Zwischentrakt werde deutlich abgesenkt. Die Firsthöhen lägen 90 Zentimeter unter dem Niveau des Nachbaranwesens Werlé. Die beiden Satteldächer verlaufen von Nord nach Süd, der Abstand zum Nachbarhaus nach Süden werde drei Meter betragen. Das Vier-Sterne-Hotel mit 50 Zimmern von jeweils etwa 25 Quadratmetern auf zwei Geschossen soll eine Tiefgarage mit 36 Stellplätzen bekommen. Ein Restaurant falle weg, eine Außenterrasse sowie der Zugang werden im Norden angeordnet. Dabei solle der angrenzende gemeindeeigene Parkplatz eventuell mit einbezogen werden. Das Gelände wird im Flächennutzungsplan als „Sondergebiet Fremdenverkehr“ ausgewiesen. Somit sei der Nutzungszweck erfüllt und eine Bauweise gestattet, die sich in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und das Ortsbild nicht beeinträchtigt. Laut Verbandsgemeindeverwaltung Deidesheim und der Kreisverwaltung Bad Dürkheim ist mit dem geänderten Plan eine „deutliche bessere Anpassung an die Anforderung des Ortsbildes erfolgt“. Sabine Mosbacher-Düringer (CDU) äußerte sich positiv zum neuen Plan: Es gelte, weitere Verzögerungen zu vermeiden und dem „Druck nach Zimmern“ nachzugeben. Gegenstimmen kamen von Hardy Werlé (FWG) und Beigeordneter Ursula Lucas (FWG), die sich nach wie vor nicht mit dem Umfang des Gebäudes anfreunden konnten. Sie vermisse zudem den „Rückhalt der Bevölkerung“ (die übrigens so zahlreich wie selten zu dieser öffentlichen Sitzung erschienen war). Im Gegensatz zum früheren Entwurf sei die neue Variante zwar etwas reduziert, von 58 auf 50 Zimmer und mit einem Geschoss weniger, doch laut Werlé sind die Unterschiede zum vorherigen Plan nur „minimal“. Insgesamt bleibe es ein „Riesenklotz“, der auch optisch nicht auf diese Fläche passe, monierte Werlé. Beigeordneter Klaus Lucas (CDU) schloss sich dieser Meinung an: Es habe sich nichts geändert, auch optisch sei das Haus nicht ansprechend. Michael Karch (Grüne) findet den Bau in Ordnung, doch für diese Stelle zu groß. Markus Böhl (CDU) vermisste das Auftreten eines „Dreigestirns“ aus Investor, Architekt und Betreiber, die solch ein Projekt dem Rat vorstellen. Der anwesende Architekt Gerhard Backes meinte, seine Bauvoranfrage sei ein erster Schritt zu einer gewissen „Planungssicherheit“ für die Investorengruppe. Die Frage nach einem Betreiber des Hotel wollte er noch nicht beantworten. Sabine Lucas stellte klar, dass es durchaus mehrere Voranfragen für ein Grundstück unabhängig voneinander geben könne. Klein sieht ein „Spannungsfeld zwischen gemeindeeigener Planungsabsicht und privaten Interessen“. Er möchte keinesfalls eine „gutverkäufliche Wohnbebauung“ auf dem besagten Grundstück. Eine Abstimmung nur über ein bestimmtes Gebäude hielten einige Ratsmitglieder für unglücklich und forderten einen Bebauungsplan, der noch aussteht. Georg Lucas (FWG) meinte, man solle nicht unter Druck anhand eines konkreten Projektes entscheiden, sondern zuerst einen „guten Bebauungsplan erstellen, die Bevölkerung einbeziehen und sauber und klar abstecken“. Ursula Lucas ergänzte, dass „alle für ein Hotel sind“, doch im Rat die Einigung fehle über Art und Größe. „Dieses Projekt beeinflusst den ganzen Ort!“ So fiel am Ende die Entscheidung, dass zunächst ein Bebauungsplan für das Grundstück mit der Plan-Nummer 2460 erstellt werden soll. |piw