Neustadt Er hat alles im Griff

Günther Lauer führt seit vielen Jahren Regie bei den Lambrechter Geißbockfestspielen – mit Ausnahme des Jahres 2013.
Günther Lauer führt seit vielen Jahren Regie bei den Lambrechter Geißbockfestspielen – mit Ausnahme des Jahres 2013.

„Bis Pfingsten habe ich alle fit!“ Davon ist Günther Lauer, langjähriger Regisseur der Geißbockfestspiele und vieler weiterer Aufführungen überzeugt. Bei der Vorbereitung der alle fünf Jahre stattfindenden Festspiele muss er den Bogen spannen zwischen „erfahrenen Kämpen“ und neuen Mitwirkenden. „Ohne Proben funktioniert es auch bei langjährigen Spielern nicht. Denn es sind Übergänge zu festigen, Stichworte müssen einander zugespielt werden.“ Die älteren Spieler seien eine wertvolle Hilfe. „Das Proben ist aber oft nicht einfach, denn nicht jedes Bild ist komplett“, sagt der Regisseur. Immer wieder fehlten Mitwirkende der einzelnen Bilder beziehungsweise Szenen, sei es aus beruflichen Gründen oder krankheitsbedingt. Damit müsse man leben und entsprechend improvisieren. „Es macht mir richtig Spaß. Die Leute sind sehr gut dabei, nehmen Anregungen an. Ich bin nun zwar zehn Jahre älter als beim letzten Mal, aber ich bekomme alles in den Griff“, freut er sich. Seit Ende Februar treffen sich die Darsteller der Sprechrollen wöchentlich montags, dienstags und mittwochs im Lambrechter Bürgerhaus, eingeteilt in ihre jeweiligen Bilder. Acht Szenen beinhaltet das jetzige Werk, verfasst vom Lambrechter Theaterfreund Ernst Schäfer, erweitert später von Luitpold Seelmann. Ein neuntes Bild fügte Karl Heinz Himmler bei, das aber dieses Jahr nicht aufgeführt wird. Die Idee zum Abschluss des Spiels sei zwar originell – nämlich den Geißbock zurück nach Lambrecht zu holen und ihn hier statt in Deidesheim zu versteigern. Er halte sich aber lieber an die historische Vorlage, betont Lauer, und verzichte auf nachträglich eingebaute Szenen. Lauer selbst ist den Geißbockfestspielen seit Jugend an eng verbunden: „1960 suchten sie einen Darsteller für die Rolle des Krieges. Es haben sich vier Leute dafür interessiert, ich wurde ausgewählt.“ Seither ist er mit dieser Darstellung fest verwurzelt. Als Regisseur trat Lauer 1977 zur großen 1000-Jahr-Feier Lambrechts die Nachfolge von Alois Stöhr an. Nur einmal, 2013, hat er ausgesetzt, als Hans-Werner Herrmann und Christina Schöfer Regie-Erfahrungen sammeln wollten. Nach diesem Intermezzo griffen die Veranstalter gerne wieder auf die bewährten Dienste Lauers zurück. „Dieses Mal mache ich es noch, mal sehen, was in fünf Jahren sein wird“, so der Friseurmeister im Ruhestand, der immer noch sehr gerne bei seiner Tochter im Lambrechter Salon treue Kunden bedient. Lauer ist nicht nur Meister der Haarkunst, sondern auch mit der Feder sehr gewandt: 1982 gründete er die „Lambrechter Daalböck“ und schrieb von Bauerntheater bis Boulevard die Stücke den Spielern auf den Leib. 25 Jahre lang begeisterte das Ensemble mit über 200 Aufführungen. Als Fasnachter stand Lauer von 1962 bis 1976 mit selbst verfassten Reden in der Bütt. Heute schreibt er Schlagertexte wie „In de Palz is de Deifel los“ oder „Du und ich“. Auch der 1. FC Kaiserslautern zählt zu den Auftraggebern. Jüngstes Projekt: Songs für das Schlagerduo Angelo und Seppi aus der Verbandsgemeinde. Rückblickend auf gut 40 Jahre als Regisseur und fast 60 Jahre als Mitwirkender bei der Lambrechter Geißbocktradition erinnert sich Lauer an viele Mitstreiter: „Ich habe mit zahlreichen Menschen gearbeitet. So manche davon weilen leider nicht mehr unter uns.“ Umso mehr freue er sich über die nachkommenden jungen Leute. Für die nächsten Spiele in fünf Jahren müsse man aber ordentlich vorarbeiten, denn es gebe eine Reihe an Schlüsselrollen neu zu besetzen: so unter anderem Kaiser Ruprecht, Pfarrer Dujon, Napoleon, Amtsschreiber Lacombe oder vielleicht auch das Ehepaar Dietz. „Ich spiele noch einmal mit. Der alles beherrschende Ton des Souveräns fällt mir nicht schwer“, bestätigt Dieter Jung, der den Kaiser Ruprecht mimt. „Aber in fünf Jahren, wenn ich 84 Jahre alt bin, müsste man mich vielleicht mit der Sänfte auf die Bühne tragen“, schaut er mit Humor in die Zukunft. Dass der neue protestantische Pfarrer Martin Groß spontan sein Mitwirken zugesagt hat, freut Lauer sehr. Groß spielt Remacle, den Anführer der wallonischen Flüchtlinge. Termine Zu sehen ist das Geißbockspiel am Pfingstsonntag und Pfingstmontag, 20. und 21. Mai, jeweils um 14 Uhr auf dem Tuchmacherplatz, Wiesenstraße, Lambrecht.

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