Neustadt Endlich und erleuchtet

Deidesheim. „All exits are final“ – diese Inschrift prägt eine Tür im New Yorker Bacon Theatre und bedeutet, dass die Tickets verfallen, wenn man das Haus wieder verlässt. Genauso heißt auch die aktuelle Ausstellung im Hotel Ketschauer Hof. Der Chirurg Rainer Schmelzeisen präsentiert dort noch bis zum 1. März vielfältige und skurrile Kunst mit Licht.
Zu sehen sind Objekte, Leuchtkästen und Kinetische Kunst. Auf den ersten Blick ist das eine etwas schrille Kultur, schwierig zu verstehen. Rainer Schmelzeisen ist einer, der mit seinen Lentikularbildern die ganze Kraft des Betrachters herausfordert. Er möchte Momente aus mehreren Sichtweisen darstellen. Lentikularfolien, aus dem Alltag bekannt als Wackelbilder, variieren das Gezeigte abhängig vom Standpunkt des Betrachters. Nur ganz wenige Künstler widmen sich dieser schon fast in Vergessenheit geratenen Technik. Schmelzeisen möchte in den Werken Transzendenz und Jenseitigkeit thematisieren. Eine große Rolle spielt dabei das Licht. Licht ermöglicht eine Doppelbödigkeit. Es können Dinge beleuchtet werden, die Fotografie nicht abbildet. „Ich versuche, mit dem Bild einen Gedanken zu vermitteln, sowie die entsprechende Assoziation, also den Gedanken, der daran anknüpft“, sagt Rainer Schmelzeisen. Er ist seit Kindheitstagen ein begnadeter Handwerker mit zum Teil mutigen, aber auch schrillen Ideen und einem Hang zum Klamauk. Rainer Schmelzeisen genießt als Kiefer- und Gesichtschirurg weltweites Ansehen. Der 57 Jahre alte Rheingauer aus Eltville ist seit 1997 Ärztlicher Direktor der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Durch seinen Beruf ist er mit den bildgebenden Verfahren, wie Röntgen und Computertomographie, bestens vertraut. Diese Bilder sind für ihn nichts anderes als Rechnerwerte, die in etwas Visuelles umgewandelt werden. Für den Mediziner implizieren sie eine Diagnose und bei Tumoren sogar eine Prognose. Als Beispiel beschreibt Schmelzeisen das Bild der Fraktur eines Schädels, welches grün beleuchtet wird. Auf den ersten Blick deutet es auf den Tod hin. Eine Erklärung, auf die Schmelzeisen in der Kunst verzichten will. Er sucht die Assoziationen. So wird das Bild mittels eines grünen Kippschalters schlagartig illuminiert. Die Bilder stellen für ihn eine Memento-Mori-Haltung dar, aber keinesfalls die Endlichkeit. „Wenn es gelingt, mit schönen Bildern und farbenreichen Darstellungen die Endlichkeit wahr werden zu lassen, dann hat man etwas für das Leben erreicht. Dann lebt man etwas bewusster und mit etwas mehr Klarheit im Moment.“