Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Ende einer Institution: Vor 70 Jahren fuhr die letzte Oberlandbahn

Eine Aufnahme aus den 1920ern: Am 11. Januar 1913 war die Gesamtstrecke der Oberlandbahn offiziell eingeweiht worden. Bis 1955 s
Eine Aufnahme aus den 1920ern: Am 11. Januar 1913 war die Gesamtstrecke der Oberlandbahn offiziell eingeweiht worden. Bis 1955 sollte die Bahn viele Passagiere transportieren.

Am 31. Januar 1955 endete der Betrieb der Oberlandbahn – sprich: der „Schneck“. Für sie bedurfte es einst einer architektonischen Besonderheit: die erste Trogstahlbrücke der Welt wurde gebaut.

Der Zweite Weltkrieg und die Motorisierungswelle hatten der Gebirgsbahn von Neustadt über Edenkoben nach Landau heftig zugesetzt – sowohl technisch als auch in Bezug auf die Nachfrage. Die technischen Einrichtungen hatten während der Kriegszeit schwer gelitten: Eine ordnungsgemäße Instandhaltung der Fahrzeuge war nicht möglich. Die Bevölkerung in der Region war im Krieg vor allem zwischen den Orten mobil.

Einst Erleichterung für viele

Als Ergänzung zu der 1855 in Betrieb genommenen Hauptbahn von Neustadt nach Landau und Weißenburg – sie feiert im November ihren 170. Geburtstag – war die Straßenbahn eine große Erleichterung für die Bürger. Schließlich hatten die geografische Beschaffenheit des Geländes, aber auch die Renitenz der Winzer, die der Bahn kein Gelände verkaufen wollten, zu einer ortsfernen Anlage der Bahnhöfe geführt. Fast hätte Edenkoben darauf verzichten müssen.

Mit der Inbetriebnahme der Dürkheimer Bahn 1865 verließ der letzte Pferdeomnibus Neustadt. Es folgten in der Pfalz viele Überlegungen für Lokalbahnen, deren Entwicklung jedoch durch die Kriegsereignisse überschattet wurde. Der bayerische Landtag beschäftigte sich intensiv damit, wo welche Bahn ihre Endstation finden sollte. Für das 1908 in Betrieb genommene „Gäubähnel“ nach Speyer fiel die Wahl auf Neustadt – statt Edenkoben.

Dem Entschluss für eine Straßenbahn waren viele Fragen vorausgegangen: Wie könnte man das „Gäubähnel“ mit einer neuen Gebirgsbahn verknüpfen? Sollte eine Lokalbahn von Neustadt nach Siebeldingen eingerichtet werden? Oder würde die Post einen ersten „Motorwagenverkehr“ einrichten – wobei in Landau bereit seit 1892 eine Pferdetramway existierte? Die Straßenbahn musste allerdings auf den Güterverkehr verzichten.

Weitere Projekte wurden diskutiert, technische Möglichkeiten erörtert. Für Neustadt führte das zu einer bautechnischen Weltsensation: Die Neustadter Firma Wayss & Freitag schuf für den Weg zur Hambacher Höhe über die erweiterte Gleisanlage der Bahn für die Straßenbahn die erste Trogstahlbrücke der Welt. Sie blieb bis Mitte der 1960er-Jahre im Dienst.

Verärgerung in Landau

Über diese Trogstahlbrücke startete am 19. Dezember 1912 auf dem Abschnitt von Neustadt nach Edenkoben die Bahn. Dies führte in Landau zu Verärgerung, sah man sich doch dort als „Straßenbahnpionier“. Die offizielle Einweihung der Gesamtstrecke fand am 11. Januar 1913 im Saalbau statt – die Landauer blieben fern.

Nach Kriegseinschränkungen mit Endstation auf der Hambacher Höhe und dem Scheitern aller Erweiterungspläne in Richtung Osten und Westen folgte die Einstellung des Betriebs: Am 31. Dezember 1952 zwischen Landau und Edenkoben und am 31. Januar 1955 zwischen Neustadt und Edenkoben. Den folgenden Busbetrieb der ehemaligen Oberlandbahn führt heute die „Palatina Bus“, die Teil des französischen Transdev-Konzerns ist. Die Linie 501 ist Teil des Neustadter ÖPNV-Angebots.

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