Neustadt Elternausschuss sieht jede Menge Baustellen

Ein veraltetes Kindergartengesetz mit unzureichendem Personalschlüssel, überforderte Erzieher, zu hohe Geräuschpegel, große Lücken bei der Betreuung von Grundschulkindern: Der Kreiselternausschuss (KEA) sieht viele Gründe für Klagen.
Die KEA-Sprecher Barbara Bald (Edenkoben), Heike Pfaff (Klingenmünster) und Gyuala Sandor (Bad Bergzabern) haben in einem Gespräch mit der RHEINPFALZ deutlich gemacht, dass zahlreiche Erzieher und Kitaleitungen jenseits der Belastungsgrenze arbeiten. Das liege alleine schon daran, dass die Personalausstattung auf einem Landesgesetz aus dem Jahr 1991 beruhe. Aktuell seien 1,75 Stellen pro Gruppe festgelegt, was an den Bedürfnissen und Anforderungen völlig vorbei gehe. „Die Richtlinien stammen aus einer Zeit, als viele Mütter nicht berufstätig waren und die meisten Kinder nur sechs Stunden im Kindergarten verbrachten“, gibt Heike Pfaff zu bedenken. Doch inzwischen seien ja noch die Zwei- und Einjährigen hinzugekommen, die bei der Betreuung wesentlich mehr Zeit beanspruchten. Der Betreuungs- und Hilfebedarf sei rapide gestiegen. „Die Gesellschaft hat sich gravierend verändert, doch der Personalschlüssel ist geblieben.“ Es müsse also unbedingt aufgestockt werden. Was dem KEA außerdem bitter aufstößt: Der Erzieherberuf verliere angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen mehr und mehr an Attraktivität. „Viele Berufsstarter überlegen sich, ob sie nicht lieber zum Beispiel Grundschulpädagogik studieren und dann mehr Geld und Anerkennung erhalten“, so Barbara Bald. Außerdem müssten in vielen Kitas die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Das fange bei ergonomisch besseren Tischen und Stühlen an und höre beim Thema Lärmschutz auf. Der permanente Geräuschpegel bei großen Gruppen führe dazu, dass Erzieher wie auch Kinder über Gebühr gestresst würden. „Die Folgen sind mehr Streit und Ärger. Wir fordern, dass in solchen Einrichtungen, die von hohen Räumen geprägt sind, beim Lärmschutz nachgerüstet wird.“ Ein Dorn im Auge ist dem Kreiselternausschuss auch die Betreuungssituation der Grundschulkinder. Es gebe im Kreis zu wenige Ganztags-Grundschulen. Die Betreuungszeiten würden den Nachmittag nicht weit genug abdecken. Die Mütter und Väter würden in jedem Schuljahr aufs Neue bangen, dass sie sich weiterhin auf die Betreuung verlassen könnten. Obwohl es immer mehr berufstätige Eltern gebe, seien die Angebote in den Schulferien von rund 13 Wochen pro Jahr alles andere als optimal. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird immer schwieriger“, sagt Gyuala Sandor. Die bestehenden Ferienwochen von Kreis und Verbandsgemeinden seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Diese beschränken sich je nach Alter des Kindes und Wohnort auf eine bis drei Wochen im Jahr.“ Viele Familien seien auf die Unterstützung von Großeltern oder Bekannten angewiesen. Aber wie organisieren sich jene, deren Opas und Omas nicht in der Nähe wohnen, oder berufstätig oder krank sind? „Die Zeiten, in denen Angebote dazu dienten, den Kindern die Zeit in gähnend langen Ferien zu vertreiben, sind vorbei. Familien benötigen Angebote, die eine zuverlässige und gute Betreuung darstellten.“ Mit seinen Bedenken und Vorschlägen hat der KEA auch schon den zuständigen ersten Kreisbeigeordneten Marcus Ehrgott (CDU) konfrontiert. Dieser hat dafür durchaus Verständnis geäußert, doch müsse man die Zuständigkeiten bedenken. So sei das kritisierte Kita-Gesetz eben Sache des Landes. Er selbst wolle sich im Sommer in einigen Kitas im Landkreis umschauen und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Lärmschutzkriterien legen. Er könne sehr gut nachvollziehen, dass es in hohen Räumen besondere Stressmomente für Kinder wie Erzieher gebe. (mik)