Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Elmstein-Iggelbach: „First Responder“-Einheit im Dienst

Felix Heller (links) und Dominik Riedel packen den Kofferraum des „First-Responder“-Einsatzwagens. Foto: Mehn
Felix Heller (links) und Dominik Riedel packen den Kofferraum des »First-Responder«-Einsatzwagens.

Sie sind da, wenn es drauf ankommt, die „First Responder“. Die ausgebildeten Ersthelfer aus dem Tal sind vor allem für die kleinen Orte ein Segen. Bei Herzinfarkten und Schlaganfällen können sie bereits tätig werden, während der Notarzt sich oft noch über verschlungene Wege kämpfen muss.

Notfall im Elmsteiner Tal: Ernas Mann Helmut klagt über starke Schmerzen in der Brust und bekommt kaum Luft. Sie nimmt das Telefon, wählt die 112. Noch während sie auf den Rettungsdienst wartet, steht Helmuts Herz still. Dann klingelt es. Zwei „First Responder“ stehen vor der Tür. Ersthelfer, bepackt mit einem mobilen Defibrillator (AED-Gerät) und weiterer Ausrüstung. Sie wurden von der Rettungsleitstelle in Ludwigshafen alarmiert – ebenso wie der Notarzt. Die beiden holen Helmut zurück ins Leben, beruhigen derweil Erna und übergeben den Patienten schließlich dem Notarzt, der wenig später aus Lambrecht eintrifft.

Diese Szene ist nur ein Beispiel, wie es sich in den kleinen Orten rund um Elmstein abspielen kann. Und es zeigt: Wenn jede Sekunde zählt, sind Ersthelfer da, um schnelle Hilfe zu leisten. Seit zwei Wochen sind sie im aktiven Dienst. Die „First Responder“-Einheit ist der Feuerwehr der Verbandsgemeinde angegliedert. Zwei von 14 ehrenamtlichen Ersthelfern sind Dominik Riedel und Felix Heller.

Weitere Mitglieder erwünscht

Die beiden beim Rettungsdienst in Neustadt beziehungsweise Edenkoben Angestellten wohnen nur wenige Meter voneinander entfernt in Iggelbach. Sind sie gemeinsam im Bereitschaftsdienst, steht der von der Verbandsgemeinde angeschaffte und umgerüstete Einsatzwagen, Ford SUV, in ihrer Straße. Ansonsten steht er am Feuerwehrgerätehaus in Iggelbach. Neben einem AED-Gerät finden sich darin auch Sauerstoffgeräte und ein Kindernotfallkoffer.

Von Helmbach bis Johanniskreuz ist das Gebiet nun von schnellen Helfern abgedeckt. „Das Gebiet 24 Stunden an sieben Tagen der Woche abzudecken, ist aber nicht möglich, da wir alle berufstätig sind“, sagt Riedel. Deshalb wünscht er sich, dass sich noch weitere Interessierte melden, die sich zu „First Respondern“ ausbilden lassen wollen. Die Ausbildung werde bezahlt. „Das Einzige, was man investieren muss, ist Zeit“, sagt Riedel. Für die beiden Ehrensache, sind sie doch bereits seit vielen Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr. Die „First Responder“ treffen sich alle zwei Wochen dienstags zu Übungen. Die Truppe arbeitet mit der gleichen Ausrüstung wie der Rettungsdienst, um eine reibungslose Übergabe zu garantieren, erklärt Heller.

„Alleinsein ist das Schlimmste“

Felix Heller kam zum ersten Mal mit Ersthelfern in Kontakt, als er beruflich im Einsatz von Edenkoben nach Gommersheim war. „Da fährt man eine gefühlte Ewigkeit. Ich dachte mir, dass es doch eine super Sache ist, wenn schon jemand vor einem da ist. Nicht nur für die Patienten und Angehörigen. Auch für uns vom Rettungsdienst ist es ein gutes Gefühl“, betont der 24-Jährige. „Bei einem Verkehrsunfall im Tal sind die Ersthelfer schnell da und kümmern sich. Alleinsein in einer solchen Situation ist das Schlimmste.“ Auch bei Menschen mit Atemnot helfe es oft, bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes beruhigend auf sie einzureden. Wenn Notarzt oder Saniäter kommen, „machen wir uns nicht vom Acker, sondern halten uns im Hintergrund und helfen gegebenenfalls beim Tragen des Patienten“, so Heller.

Gespräche mit Erfahrenen

Der 23-jährige Riedel arbeitet bei der Rettungswache Neustadt und lässt sich derzeit zum Notfallsanitäter ausbilden. Er ist begeistert davon, wie unproblematisch es war, die „First Responder“-Einheit durchzusetzen. Dabei ist die Idee in Iggelbach nicht neu (siehe „Zur Sache“). „Als wir beide das Projekt mit Laura Cronauer und Jonas Repp wiederbeleben wollten, haben wir offene Türen eingerannt – sowohl bei Wehrleiter Frank Flockerzi als auch bei der Verbandsgemeinde“, berichtet Riedel. Flockerzi sei selbst wieder Mitglied der Einheit, habe viel Zeit und Energie in das Projekt gesteckt. Gespräche mit Feuerwehrkollegen in Annweiler, wo es auch eine solche Einheit bereits gibt, hätten sie nur noch bestärkt. „Niemand hat uns Steine in den Weg gelegt“, freut sich auch Heller.

Im Gegenteil: Viele Firmen unterstützten die „First Respnder“, die sich alleine über Spenden tragen, finanziell oder mit Sachspenden. Die Mitglieder der Einheit machen ihre Dienste rein ehrenamtlich. „Unser Lohn ist es, den Menschen helfen zu können“, sagt Heller.

Zur Sache: Die „First Responder gab es schon einmal“

„Ein guter Tag für die Verbandsgemeinde, für Elmstein und für die umliegenden Talgemeinden“, freute sich der Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Lambrecht, Manfred Kirr (parteilos), am Mittwochabend bei der Übergabe von Fahrzeug und Ausrüstung an die ehrenamtlichen Ersthelfer im Iggelbacher Feuerwehrhaus. Aktuell 14 ausgebildete Einsatzkräfte seien ab sofort für Notfälle gerüstet, um schnelle Hilfe zu leisten, bis die Rettungsdienste einträfen.

Im Verbandsgemeinderat habe Kirr „für dieses Vorhaben zwar offene Türen eingerannt, aber ohne weitreichende finanzielle Unterstützung von Firmen und Sponsoren wäre die Einheit nicht zu verwirklichen gewesen“. Kirr dankte vor allem Gemeinderatsmitglied Rene Verdaasdonk (SPD) und dessen Firma Lebosol für die Ausstattung mit einem automatischen externen Defibrillator und weiterer Ausrüstung im Wert von rund 5000 Euro sowie dem aus Iggelbach stammenden Unternehmer Uwe Flockerzi für eine Spende von 3000 Euro. Auch der SPD-Ortsverein Elmstein-Iggelbach, die Firma MR-Werbung und mehrere Bürger halfen mit großzügigen Spenden bei der Anschaffung der notwendigen Ausrüstung, so Kirr.

„Die Arbeit der Rettungskräfte ist freiwillig und für die Allgemeinheit unter Einsatz ihres Lebens. Das einzige, was wir als Bürger dazu leisten können, ist eine finanzielle Unterstützung“, betonte Verdaasdonk.

Von einem „nicht einfachen Weg“ bis die Truppe einsatzfähig war, berichtete der Wehrführer der VG, Frank Flockerzi. „Nachdem die erste Responder-Einheit, der ich selbst angehörte, vor elf Jahren aufhörte, hätte ich nie damit gerechnet, dass ein Neubeginn möglich wäre“, freute er sich.

Im Frühjahr 1999 hatte die Feuerwehr Iggelbach bereits eine „First Responder“-Einheit gegründet. Der heutige Wehrleiter Flockerzi verwirklichte nach bayerischem Vorbild damals den Plan, im abgelegenen Elmsteiner Tal rasche Erstversorgung zu ermöglichen. 2008 wurden jedoch Blaulicht und Martinshorn abgeschaltet. „Personelle Probleme, die einen funktionierenden Bereitschaftsdienst nicht mehr gewährleisteten“, nannte Flockerzi, damals noch stellvertretender Wehrführer in Iggelbach, als Auflösungsgrund. Auch Unstimmigkeiten mit Rettungsdiensten habe es gegeben. In neun Jahren habe die Einheit 550 Einsätze geleistet, bei Infarkt-Patienten, bei vielen Motorradunfällen oder bei Unfällen von Waldarbeitern. Nach dem Ende der Einheitsei ein Notfall ein „Rückfall in die Versorgungsunsicherheit im Tal“ gewesen, so Flockerzi.

Spendenkonto

Förderverein FFW Iggelbach, IBAN: DE 51 5479 0000 0013 1062 07. crd

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