Neustadt Elektro-Festival mit Kinderprogramm: 3000Grad Tag & Nacht im Soku

Plakat zum Festival_ „Der Elefant aus Wustrow“ – gemeint ist das Kollektiv 3000 Grad – macht sich laut Veranstaltern auf, „um de
Plakat zum Festival_ »Der Elefant aus Wustrow« – gemeint ist das Kollektiv 3000 Grad – macht sich laut Veranstaltern auf, »um den Pfälzerwald zu berauschen«.

Das Dreiergespann aus SchlichtSOUNDS, Ohral und 3000Grad legen im Soku in Neustadt nach: Beim 3000Grad Festival Tag & Nacht wird zu elektronischer Musik getanzt, auf Familien wartet ein Kinderprogramm. Das Konzept wird vom Bund gefördert.

SchlichtSOUNDS ist ein zehnköpfiges Mannheimer Kollektiv, das rund um den Badesee Schlicht zwischen Neuhofen und Waldsee groß geworden ist. Mittlerweile sei das Mannheimer Restaurant Silberpappel, das auch Eventlocation ist, ihre „Homebase“, wie Daniele „Danjo“ Murgia es nennt. Der Kontakt zum Kollektiv 3000Grad aus Wustrow in Mecklenburg-Vorpommern entstand, weil Murgia, der mit seiner Frau Musik macht, schon über 3000Grad veröffentlicht hat und bei ihnen aufgetreten ist. Murgia und Hardy Heller, Chef das Labels Ohral, wiederum kennen sich „seit mehr als 20 Jahren“. Im Peer 23 in Mannheim legte man vor zwei Jahren den Grundstein für eine Zusammenarbeit.

Da Heller Geschäftsführer der Soku GmbH in Neustadt ist, konnte das neu zu schaffende Kulturareal in der Winzinger Straße die „Pfälzer Homebase“ von SchlichtSOUNDS werden. „Wir wollten die 3000Grad-Crew zu uns holen“, erklärt Murgia, wie es zum ersten Event 3000Grad on Tour im Dezember 2022 und dem ersten 3000Grad Tag & Nacht Festival im letzten Jahr im Soku kam. Die verschiedenen elektronischen Musikstile zogen laut Murgia 650 bis 700 Besucher an.

Nachhaltig feiern

Im November vergangenen Jahres spricht Murgia auf der Branchenmesse „Future of Festival“ und organisiert einen Stand zum Thema Nachhaltigkeit. Auf der Messe trifft er auf die Initiative Musik und deren Festivalförderfonds. Das Fünf-Millionen-Euro-Förderprogramm unter Schirmherrschaft der Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth, soll insbesondere kleine und mittlere Musikfestivals unterstützen, „um ihre künstlerische Vielfalt zu erhalten und weiterzuentwickeln sowie wichtige soziokulturelle Aspekte zu fördern“. Neben musikalischer und künstlerischer Qualität stehen soziale oder ökologische Nachhaltigkeit im Vordergrund.

Das 3000Grad Festival ist eines von 141 Projekten aus ganz Deutschland, das gefördert wird. 50.000 Euro kostet die Veranstaltung, schätzt Murgia, 22.450 Euro Fördermittel sind zugesagt worden. Drei Aspekte haben die Festivalveranstalter im Antrag eingebracht: die ökologische Nachhaltigkeit, die Originalität der Programmauswahl und ob in ihr unterrepräsentierte Gruppen berücksichtigt werden. Den ersten Aspekt bedient das 3000Grad-Festival laut Murgia in Sachen Lieferanten für Essen und Getränke, Abfallmanagement und Gästemobilität. „Nachhaltigkeit wird als grundlegendes Element mitgedacht und gelebt. Im ersten Schritt haben wir Umweltbelastungen, ökonomische und soziale Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette unseres Festivals analysiert und erstellen zunächst eine CO2-Bilanz für die Mobilität der Gäste.“

Künstlerinnen stärken

Mit einem Kinderprogramm tagsüber setze man bewusst auf Familienfreundlichkeit. „Ich bin selbst Vater und finde es toll, wenn ich unser Kind mit zu Veranstaltungen nehmen kann“, sagt Murgia. Dabei könnten Kinder in Kontakt mit Kultur kommen. Das Programm biete DJs und Live-Acts, die elektronische Musik sowohl mit Drum-Computern als auch Instrumenten produzieren.

Die Bandbreite reiche aber über Musik hinaus, man wolle mit kleineren Satelliten-Veranstaltungen die „kulturelle Ausrichtung stärken“, sagt Murgia. Beispielsweise werde bereits freitags eine Podiumsdiskussion veranstaltet und Themen wie Gender, Inklusion und Diversität aufgegriffen. „Wir wollen die Diskrepanz von weiblichen und männlichen Künstlern angehen“, unterstreicht Murgia, wobei es nicht um Quote, sondern um Sichtbarkeit gehe. „Wir haben 2023 damit ein Zeichen gesetzt, dass bei uns auf dem Mainfloor drei von vier Acts weiblich waren und alle zur Peaktime gespielt haben. Das wollen wir 2024 fortführen. Wir haben qualitativ hochwertige Künstlerinnen gebucht und Nachwuchskünstlern bei einem Newcomer-Contest eine Chance gegeben.“

Talkrunde zu Szeneentwicklung

Und so sieht das Programm aus: Am Freitag, 12. Juli, wird von 17 bis 18 Uhr eine Inforunde zu dem im Herbst stattfindenden DJ-Workshop angeboten. Um 18.30 Uhr startet die „Talk Session“, bei der je drei bis vier DJs, Veranstalter, Produzenten und Szeneschaffende diskutieren: Das erste Forum dreht sich um die Frage, warum es für Künstlerinnen, queere Acts und Nachwuchs in der elektronischen Musikszene immer noch deutlich schwerer ist, in der Programmplanung berücksichtigt zu werden. Das zweite Forum blickt auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der elektronischen Musikszene.

Das Festival findet am Samstag, 13. Juli, statt: Ab 12 Uhr spielen im Garten des Soku eine eine weibliche DJane aus der Schweiz und ein Newcomer aus Landau, deren eingesandte Sets bei der Jury im Nachwuchswettbewerb Eindruck hinterlassen haben, und auch danach ab 14 Uhr gehört der Garten dem House. Zeitgleich geht das Kinderprogramm los, das bis 19 Uhr mit einer Hüpfburg, Kinderschminken, Bastel- und Spielaktionen wie Sackhüpfen sowie einer Popcorn- und einer Seifenblasenmaschine jede Menge Action für den Nachwuchs verspricht. Aufsichtspflicht und Haftung bleiben aber bei den Eltern, erinnert Murgia. Daneben warten Essensstände und der Second Hand Market auf Besucher. Ab 16 Uhr wird im Hof Drum’n’Bass aufgelegt.

Das Line-up

Ab 22 Uhr geht es für alle über 18 Jahre im Club auf zwei Floors weiter, die zwei Visual Artists mit 3-D-Mapping auch zum optischen Erlebnis machen. Getanzt wird „bis in die Morgenstunden, 6 Uhr“, sagt Muriga.

Die Künstlerinnen und Künstler beim Festival in alphabetischer Reihenfolge: Angie Taylor live (Harthouse/Evosonic Records), Anthony Rother (PSI49NET/ 3L3C7RO), Camea (Kompakt /Speicher), Flowers On Monday live (All Day I Dream/The Soundgarden), Gorge (8bit/Katchuli), Katzengold (3000 Grad/Ritter Butzke), Kon Faber live (Konverge/Rebellion der Träumer), Leeni & Danilo Kupfernagel (3000 Grad) sowie weitere regionale Acts von den Kollektiven Ohral, SchlichtSOUNDS und Fast Forward.

Termin

3000Grad Tag & Nacht am Samstag, 13 Juli, Beginn (Outdoor) 12 Uhr, ab 22 Uhr im Club, Soku, Winzinger Straße 10. Mehr Infos und Karten unter www.schlichtsounds.de im Vorverkauf für 19,99 Euro, Tagesticket 25 Euro. Kinder bis einschließlich 15 Jahren frei, Eltern erhalten an der Tageskasse Familienrabatt. Abendkasse (ab 22 Uhr) 22 Euro.

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