Neustadt Ekström: Für mich ist Jamie Green Meister der Herzen
Hockenheim. Ein versöhnlicher Abschluss: Beim Heimspiel des Teams Rosberg in der DTM in Hockenheim trumpfte Jamie Green noch einmal groß auf. Im Samstagrennen belegte er Platz zwei, am Sonntag triumphierte der 33-Jährige ganz überlegen. Und damit schob sich der Brite noch auf Platz zwei in der Gesamtwertung. „Für mich ist das mein stärkstes Jahr in der DTM“, sagte er nach seiner elften Saison.
fährt aus Hockenheim weg wie zum Saisonauftakt Anfang Mai: mit einem Sieg. Insgesamt gewann der Rosberg-Pilot viermal. So häufig wie kein anderer. Und damit sicherte er seinem Team auch Platz fünf in der Teamwertung. Äußerlich gelassen saß Green auf dem Podium nach der Siegerehrung. Neben dem neuen Meister Pascal Wehrlein. 19 Punkte haben zum Titel gefehlt. „Zu viele Nuller waren das Problem“, sagte der Pilot. Vor allem in aussichtsreicher Position. Wie etwa in Spielberg, als er in Führung liegend wegen eines Getriebeschadens ausschied. 25 verlorene Punkte. Oder beim Rennen am Nürburgring, als ihm wegen einer defekten Feststellbremse der Start misslang. In Moskau musste er einen sicheren dritten Platz auf Befehl hergeben, damit er Gewicht ausladen konnte. Dazu kamen zwei Regenrennen, bei denen das Team Rosberg Schwierigkeiten mit dem Luftdruck hatte. „Jamie war in diesem Jahr derjenige, den es zu schlagen galt“, lobte Markenkollege Mattias Ekström. „Er war in diesem Jahr der beste Fahrer.“ Dies sage er nicht nur, weil er ein Audi-Kollege sei, sondern weil es der Wahrheit entspreche. „Er hat Rennen richtiggehend dominiert“, sagte der Schwede, der hinter Green auf Platz drei in der Endabrechnung landete. Dominiert hat Jamie Green auch gestern. Von Platz zwei war er gestartet. Und hatte eigentlich gar kein so gutes Gefühl. „Ich hatte durchdrehende Räder und deshalb damit gerechnet, dass meine Kollegen links und rechts an mir vorbeischießen.“ Doch außer Pole-Mann Gary Paffett war kein Auto vor ihm, als er um die erste Kurve fuhr. Den überholte er dann in der dritten Runde. Die Aufforderung seines Ingenieurs, an Green dranzubleiben, beantwortete der Mercedes-Pilot kurz und bündig: „Ich komm’ nicht hinterher!“ Von da an war’s einsam an der Spitze. Von Runde fünf an wurde er von Ekström verfolgt. Der zweimalige Meister ließ es zunächst noch ruhig angehen. „Es war ein nettes Rennen, bis Herr Ekström von hinten kam“, erzählte Green. Irgendwann waren dessen Reifen ruiniert. Erwartungsfroh war auch Greens Teamkollege Nico Müller ins letzte Rennen gestartet. Von Platz sieben aus. Obwohl sein erster Reifensatz nicht so gut war, hat er sich ordentlich geschlagen. Nach einem guten Reifenwechsel bog der Schweizer wieder aus der Boxenposition auf die normale Linie. Doch da fuhren gerade Paffett und Maxime Martin. Dass Müller neben diesen fuhr, werteten die Rennkommissare als unsicheres Verhalten. Und bestraften den Audi-Piloten mit einmal durch die Boxengasse fahren. „Ich hab’s nicht verstanden, ich würde es wieder so tun“, sagte Müller. Sein gutes Rennen war damit kaputt. Dass er sich noch um Platz 16 mit dem neuen Meister Wehrlein balgen musste, obwohl er schneller war, sorgte noch einmal für Unverständnis. „Ob man sich so aufführen muss als Champion, obwohl es nur um Patz 16 ging, verstehe ich nicht.“ Irgendwann fuhr er ihm davon. Mit 26 Punkten und Platz 21 in der Endabrechnung ist er nicht zufrieden. 2016 will er mehr. Und weiß auch schon wie: „Man darf sich keine Fehler erlauben, muss sich akkurat vorbereiten.“ Zum Schluss gab’s für Jamie Green noch ein paar Streicheleinheiten von Mattias Ekström: „Für mich ist Jamie Green der Meister der Herzen. Aber der hatte dieses Jahr kein Rennglück.“