Neustadt Einst ein SAP-Schulungsreferent
LANDAU/EDENKOBEN. Die meisten Lehrerkollegen und Schüler sind beeindruckt von seiner Zielstrebigkeit – und Treffsicherheit. Er selbst sieht sich bei Prüfungen als Einser-Kandidat. Wolfgang Peters, 46 Jahre alt, ist seit dem neuen Schuljahr Leiter der Berufsbildenden Schule (BBS) Südliche Weinstraße.
Als der echte Landauer Bub in der Thomas-Nast-Grundschule und im Max-Slevogt-Gymnasium die Bank drückte, hätte sich in der Familie keiner träumen lassen, welche außergewöhnliche Laufbahn er einmal hinlegen würde. Nach dem Wehrdienst in Bad Bergzabern begann Peters bei der Sparkasse in Landau die Ausbildung zum Bankkaufmann. „Aber ich merkte schnell, dass mir Pädagogik mehr liegt“, sagt der verheiratete Vater von drei Mädchen (12, 11 und 4 Jahre). Mit einem Einser-Examen beim Studium der Wirtschaftspädagogik an der Mannheimer Uni mit den Fächern Betriebswirtschaftslehre und katholische Religion avancierte er zum Diplom-Handelslehrer. Mit der Ausbildereignungsprüfung der Industrie- und Handelskammer in der Tasche. Sein Weg führte ihn zunächst zur Berufsbildenden Schule Neustadt. Dann tat sich Überraschendes: Peters sattelte um zum Schulungsreferenten bei dem Software-Riesen SAP AG in Walldorf, wo er eigenen Angaben zufolge ordentlich Geld verdiente. Doch der wöchentlich identische Trott – „nur mit anderen Kunden“ – ließ in ihm den Entschluss reifen, auf die Lehrerschiene zurückzukehren. Verbindungslehrer an der BBS Speyer, eine Stelle bei der Schulaufsicht in Neustadt, mit 36 Jahren Abteilungsleiter der kaufmännischen Richtungen bei der Berufsbildenden Schule in Landau, das waren weitere Stationen, bevor er im Jahr 2010 zum Vize an die BBS Südliche Weinstraße berufen wurde. Nun also tritt er die Nachfolge des langjährigen Leiters Helmut Schweder an, soll an den Standorten Annweiler, Bad Bergzabern und Edenkoben rund 1400 Schüler, 80 Lehrkräfte und acht Verwaltungsmitarbeiter in die richtige Richtung führen. Er will dies mit fachlicher wie auch sozialer Kompetenz tun. „Ein vertrauensvoller Umgang, gegenseitige Wertschätzung“ liegen ihm besonders am Herzen. Jeder habe eine zweite oder auch dritte Chance verdient. Gerne wiederholt er vor seinen Schülern die Erkenntnis des römischen Philosophen Seneca, wonach der günstigste Wind nichts nütze, wenn man nicht wisse, wohin man segeln wolle. Der Leiter der regionalen Arbeitsgruppe zur „Qualifizierung von Führungsnachwuchskräften an Berufsbildenden Schulen“ hat sich zwei Themen ausgesucht: erstens die Zusammenarbeit mit Förderschulen zu forcieren, um gehandicapte junge Menschen mit ihren Potenzialen für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren – „mit neuen Berufsbildern“. Zweitens der Dualen Ausbildung neue Möglichkeiten zu erschließen.