Neustadt
Einkehr-Geschichten: Als Bomben das Hotel Lamm zerstörten
„Ich sah drei Maschinen von meiner Wohnung auf der Hambacher Höhe her dicht an unserer Straße vorbeibrausen. Aus Richtung Edenkoben von der Front hinter dem Bienwald kamen sie einzeln niedrig herangefegt.“ So schildert ein Augenzeuge einige Jahre später den Beginn des Luftangriffs auf Neustadt am ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1944.
An jenem 25. Dezember wurden einige Häuser in der Nähe der Bahngleise getroffen, darunter das Hotel Lamm. „Im nächsten Augenblick torkelte aus der ersten Maschine eine Bombe in Richtung Zwockelsbrücke. Dann gleich darauf aus der zweiten und dritten. Leise nur hörten wir die dumpfen Einschläge. Und dann stiegen dicke Qualmwolken auf.“ Das Gasthaus in der Landauer Straße Nummer 1 stand in Flammen.
Zunächst ein weißes Lamm
Rückblick: Vor dem Ersten Weltkrieg übernahm Andreas Sieber das Hotel von seiner Mutter. Damals hieß das Gasthaus „Zum Weißen Lamm“. Erst später wurde es in Hotel Lamm umbenannt. 1919 kaufte das Ehepaar Hans und Margarete Christ den Betrieb. Kurz darauf wurde das Hotel von den französischen Besatzern beschlagnahmt. 1930 zogen die Franzosen ab und gaben das Gasthaus wieder frei. Unter dem neuen Pächter Jakob Probst erlangte das Haus große Beliebtheit. Bis zu jenem Nachmittag, an dem ein kleiner Fliegerverband das Haus durch Bomben zerstörte.
Beim Auslösen des Fliegeralarms flohen einige Gäste und Angestellte des Hotels in den Luftschutzkeller. Auch Nachbarn der unmittelbaren Umgebung suchten dort Schutz. Allerdings blieben auch Bewohner auf ihren Zimmern, weil sie nicht mit einem Bombardement auf Neustadter Gebäude rechneten. Das wurde ihnen zum Verhängnis.
Küchenjunge stirbt
Durch einen Volltreffer geriet das Gebäude in Brand, und es gab etliche Opfer zu beklagen. Der 15-jährige Küchenjunge Roland Gieser wurde auf dem Weg zum Luftschutzkeller in einem Nebenraum tödlich verwundet. Der Pächter des Hotels, Jakob Probst, wurde von einer durch die Explosion aus den Angeln gehobenen Kellertür getroffen und starb an einem Schädelbruch. Neben der ukrainischen Hilfsarbeiterin Fiolka Sittowa kamen einige Hotelgäste in den Trümmern ums Leben.
Nach dem Angriff war das Hotel Lamm eine Ruine. Da der Pächter Probst bei der Bombardierung sein Leben verloren hatte, übernahm Heinrich Christ, der Sohn der Eigentümer Hans und Margarete Christ, das Hotel nach Kriegsende. Christ ließ nach und nach den Schutt abtragen und begann mit dem Wiederaufbau.
1947/48 ging ihm das Geld aus und der Wiederaufbau des Hotels geriet ins Stocken. Nur mit Hilfe der Oberfinanzdirektion, die zu der Zeit Räume für eine Nebenstelle suchte und hoffte, im Hotel welche zu finden, der Stadt und dem Apotheker Reinhold Raude, der in Neustadt seine sechste Apotheke aufmachen wollte, konnte Christ das Gebäude wiederaufbauen.
Keine Chance gegen Konkurrenz
Zu Beginn der 1950er-Jahre thronte an der Landauer Straße ein Skelettbau aus Stahlbeton mit einer Kolonnade, einem Säulengang, in dem die Engel-Apotheke im Erdgeschoss 1953 eröffnete. Das Hotel Lamm konnte sich gegenüber der aufkommenden Konkurrenz wie dem Ramadan-Hotel in der Exterstraße oder dem Hotel am Rosengarten aber nicht durchsetzen. Einige Jahre später musste es schließen.