Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Einfach Umwerfend : „Istrati & the Balkan Quest“ im Haardter Café Mandelring

Die Akkordeonistin und Sängerin Macha Selbach und ihre Mitmusiker(innen) nahmen bei ihrem Deutschland-Debüt vom Fleck weg für si
Die Akkordeonistin und Sängerin Macha Selbach und ihre Mitmusiker(innen) nahmen bei ihrem Deutschland-Debüt vom Fleck weg für sich ein.

Eine faszinierende musikalische Entdeckung!

Ein ganz besonderes Vergnügen konnten die Gäste des „Café Mandelring“ in Haardt am Samstagabend erleben: die französische Band „Istrati & the Balkan Quest“, die in Neustadt für ihren ersten grenzüberschreitenden Auftritt mit riesigem Beifall bedacht wurde.

Zu dem Zeitpunkt, als das Quintett das erste Lied anstimmen sollte, sah es im Zuschauerraum freilich noch etwas leer aus. Wer das Konzert besuchen wollte, musste erst einmal die Kerwe umgehen beziehungsweise umfahren, die ausgerechnet in diesem Jahr nach hinten verschoben worden ist. Doch wenig später hatten alle beruhigt Platz genommen. Und das war gut so, denn über zwei Stunden lang spielte „Istrati“ ohne Pause Lieder, Tänze und Balladen aus den verschiedenste Gegenden des Balkans. Dem begeisterten Publikum wirbelten Rhythmen, Melodien und Sprachen nur so um die Ohren.

So bunt zusammengesetzt wie die Musik des Balkans ist auch die Gruppe selbst

Viel Beifall ließ die Musikerinnen und Musiker zusätzlich zu ihrer sichtbaren Liebe zur Musik strahlen. Immerhin war es das erste Mal, dass sie in Deutschland spielten, erläuterte Akkordeonistin und Sängerin Macha Selbach. Neustadt bildete den Schlusspunkt einer einwöchigen Ost-Frankreich-Tournee, die sie unter anderen nach Burgund, Lothringen und Straßburg geführt hatte. Doch wer ist dieses Quintett, von dem man hier, wenn überhaupt, noch nicht viel gehört hat? „Wir spielen in diesem Projekt erst seit einem Jahr zusammen“, erklärt Macha Selbach im Gespräch, „sind bisher in kleineren Sälen und auf kleineren Festivals in Frankreich unterwegs.“ So bunt zusammengesetzt wie die Musik des Balkans ist auch die Gruppe selbst.

Macha Selbach wuchs in Straßburg auf, studierte Kunst in Karlsruhe, lebt heute wie Dorian Trabattoni, Trompeter und Gitarrist, im Département Drôme. Die anderen stammen unter anderem aus Baltimore und Marseille. Zusammengeführt hat sie die Liebe zur Musik des Balkans. Die habe jeder auf seinem ganz eigenen musikalischen Weg für sich entdeckt. Selbach selbst befasst sich seit zehn Jahren damit. Auslöser sei damals die Musik in Filmen über die Roma-Kultur gewesen, sagt sei. Sie hat Griechisch und Rumänisch gelernt. Zudem habe es in Straßburg viele Leute gegeben, die diese Musik spielten. Es sind vor allem die Rhythmen, die sie und die weiteren Bandmitglieder begeistern: Beatrice Lopez an der Geige, Dorian Trabattoni mit Trompete und Gitarre, Benoît Jaublot an den Drums und Phil Cassel an der Tuba.

Benannt haben sich die Musiker nach dem griechisch-rumänischen Schriftsteller Panait Istrati

Benannt haben sich die Musiker nach Panait Istrati (1884-1935), einem französisch- und rumänischsprachigen Autor griechisch-rumänischer Herkunft, der zunächst als Abenteurer durch den Mittelmeerraum zog und schließlich in Frankreich zu schreiben begann. So sei der Name des Quintetts auch eine Hommage an diesen Schriftsteller, betonte die Sängerin, die „Quest“ sei die Suche nach den vielen Musikstücken des Balkans, von denen das Neustadter Publikum eine kleine Auswahl zu hören bekam. Und die hatte es in sich.

Schon der Auftakt mit einer rumänischen Hora ließ die Besucher mitwippen. Da schmeichelten Geige und Akkordeon, die Tuba setzte mit Schlagzeug und Trompete rhythmische Akzente. Ein Tanz aus Moldawien über die kalten und warmen Duschen, die das Leben dem Menschen verabreicht, strahlte nicht weniger Lebensfreude aus. Wobei vor allem das Schlagzeug sehr überzeugend den Klang eines kurzen Wassergusses imitierte. Trauer scheint in vielen Liedern weggetanzt zu werden. So wie in einem Roma-Lied, in dem ein Mann zum Militär gerufen wird, vorher aber noch ein großes Fest mit Freunden und Familie feiert.

Kräftiger Schlussapplaus für ein mitreißendes Quintett

Es gab Lieder der Roma aus Bulgarien und solche aus Griechenland, unter anderem über den Liebeskummer. Darauf wieder eine aufheiternde Weise, die den Musikern und Musikerinnen ein Höchstmaß an Fingerfertigkeit abverlangte. Immer wieder ließen bei traditionellen Liedern und Tänzen Rhythmuswechsel aufhorchen. Eine Spielerei, die sich bei den Arrangements der Stücke ergibt, wie Macha Selbach auf Nachfrage verriet. In anderen Stücken, wie in einer Fusion aus traditioneller Musik vom Schwarzen Meer mit modernem bulgarischem Jazz, wechselten neben verschiedenen Rhythmen auch beständig Tutti und Soli. Die Stimmung ist gelöst. Einige Zuhörerinnen und ein Zuhörer beginnen, vor der Bühne zu tanzen. Ein weiteres bulgarisches Lied darf das Publikum durch wildes Schreien selbst mitgestalten. Und selbst der Abschied gestaltet sich temperamentvoll, denn auch das langsame Lied aus Georgien gewinnt immer mehr am Tempo und Lautstärke. Ebenso kräftig fällt dann der Schlussapplaus aus für dieses mitreißende Quintett.

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