Kirrweiler
Einfach besonders: Gitarrist Maximilian Mangold bestreitet letztes Kammerkonzert des Jahres in der Marienkapelle
Die klassische Konzertgitarre ist ein sich höflich zurückhaltendes Instrument, das seinen Charme eher im kleineren, intimeren Rahmen entfaltet. „Obwohl“, so Maximilian Mangold, „mit Konzertsälen von ungefähr 300 Zuhörern wird sie akustisch ohne weiteres fertig“. Er muss es wissen – derzeit gilt er als einer der interessantesten und gefragtesten deutschen Gitarristen, sei es als Solist oder im Ensemble. Wie das Konzert bewies, umfasst sein Repertoire Werke aus allen Jahrhunderten und Ländern, in denen die Gitarre populär war. Und der Musiker wirkt genauso wie sein Instrument: freundlich, auskunftsfreudig über Musik und Instrument, und ansonsten leise und zurückhaltend. Er ist auf der rechten Rheinseite, in Leimen zu Hause. In Mannheim erteilt er auch Unterricht, und er hat bis jetzt 23 CDs eingespielt – einige konnte man in Kirrweiler erwerben.
Neben der klassischen modernen Konzertgitarre mit ihrem samtigen Ton hatte der Solist auch den Nachbau einer historischen Gitarre dabei, wie sie etwa zu Beginn des 19. Jahrhunderts die bürgerliche Hausmusik zu erobern begann – ehe viel später das Klavier, gespielt von der „höheren Tochter“ im Salon, das Zupfinstrument in dieser Funktion ablöste. Die historische Gitarre war deutlich kleiner als die heutigen, doppelchörig bespannt, entsprechend war der Ton heller, und der Hals am Ende geschwungen – nicht viel anders als bei manchen E-Gitarren.
Jeweils zu Beginn der beiden Hälften des Programms, getrennt durch die Pause, spielte Mangold Musik der Renaissance. Von Alonso Mudarra aus Sevilla, der im 16. Jahrhundert lebte und offenbar im Dienst eines Herzogs stand – später auch im Kirchendienst –, stellte er fünf kleine Stücke vor, vom ausnahmsweise italienischen Zeitgenossen, dem Lautenisten Francesco da Milano, zwei Ricerares, Instrumentalstücke mit Platz für Verzierungen. Das Programm hatte Mangold offenbar synchron aufgebaut: Nach den Renaissance-Künstlern kamen Stücke des 19. Jahrhundert, als sich eine nationale Musikkultur entwickelte, die Elemente der volkstümlichen Musik aufnahm. Die Werke von Francisco Tárrega und Isaac Albeniz erkennt man sofort als spanisch. Tárrega entwickelte die Technik des modernen Gitarrenspiels, Isaac Albeniz schrieb seine Kompositionen eigentlich für Klavier, aber sehr viele der Stücke hört man heute lieber auf der Gitarre. Von Tárrega hatte Mangold neben einem maurischen Tanz und Mazurkas die sehr bekannten „Recuerdos de la Alhambra“ im Programm – man hört die Wasserspiele der Gärten heraus – und von Albeniz aus seiner Suite „Española“ zwei Beschreibungen von Landschaften und Städten, „Cataluña“ und „Sevilla“.
Die Abschluss-Stücke der beiden Hälften des Programms kamen dann jeweils aus Südamerika: von Agustin Barrios und Astor Piazolla. Barrios, der von 1885 bis 1944 lebte, stammte aus Paraguay und war wohl der erste Gitarrenvirtuose seiner Heimat. Er spielte mit seiner für europäische Verhältnisse exotischen Herkunft, gab sich den Häuptlingsbeinamen „Mangoré“ und trat mit Landestracht auf – um in der zweiten Hälfte des Konzerts in europäische Abendkleidung zu wechseln. Eigentlich war er von Chopin beeinflusst. Mangold spielte eine als Suite zusammengestellte Auswahl meist sehr lyrischer Stücke – Barcarole, Volkstanz, Lied einer Spinnerin, einen sehr an Chopin erinnernden Vals. Die zweite Hälfte beschlossen dann Tangos von Astor Piazolla, die so gar nichts mit unserer Vorstellung von Tanzbodentango zu tun haben – rauh, oft dissonant, jazzig und sehr besonders.