Neustadt Einfühlsam und leidenschaftlich

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Deidesheim. Eine bunte Mischung aus Tanz, Gesang und Rezitationen präsentierte am Freitagabend in der Stadthalle die Modern Dance Company vom „Raum für Bewegung“ aus Wachenheim unter der Gesamtleitung von Angela Foid. Den Rahmen steckten das „Prélude L’aprèsmidi d’un faun“ von Debussy und Strawinskys „Le Sacre du Printemps“.

Dass die professionelle Tänzerin Angela Foid die Darbietungen überwiegend mit Laien eingeübt hat, ist kaum zu sehen. Die Mitwirkenden sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Besonderen Eindruck hinterlässt die Ausdrucksstärke, mit der die Mitglieder der Modern Dance Company tanzen, ebenso die Hingabe an die Musik und die Bewegung. So haben selbst die Kinder schon die Möglichkeit, sich mit dem, was sie im „Raum für Bewegung“ gelernt haben, einzubringen. Das können sie als Blumenelfen beim „Prélude L’aprèsmidi d’un faun“, einer romantisch geprägten Komposition und tänzerischen Darstellung, bei der der Faun beinahe ungläubig aus seiner Trance erwacht, wenn ihn Naturgeister in ihre Reihen aufnehmen. Zwischen weiteren Tanzszenen rezitiert der Schauspieler Hendrik Hoffmann kurze Gedichte von Rainer Maria Rilke und des islamischen Mystikers Rumi, wobei Letzterer unter dem Thema „Ich steh in Flammen“ bereits auf die erotischen Elemente in der „Häutung“ zur Musik von Sergej Rachmaninow hindeutet, die Angela Foid tanzt, mit katzenhaften Bewegungen, voller Akrobatik, angesiedelt zwischen Unsicherheit, Zärtlichkeit, Ekstase und Verzweiflung. Ein Teil des Abends ist Liedern gewidmet, vorgetragen vom Gesangs- und Instrumentalensemble „Tetix“ unter der Leitung von Anna Auclair. Am Monochord begleitet Klaus Schindlbeck den Chor bei dem Lied „La Luna aso ma“ aus der „Suite de Lorca“ . Das ist kein Gesang, der melodisch gefallen möchte, stattdessen von wenig harmonischen Klängen durchwebt ist wie der Chor im griechischen Drama. Heiterer und mit viel Applaus bedacht, erklingen das „Lied der Sephardischen Juden“ mit Annette Weigert und ein tanzartiges jiddisches Lied mit Anna Auclair, Annette Weigert und Michelle M. Nicklis. Das „Lied der Reisarbeiterinnen“ aus Lucca dagegen wirkt so monoton wie die Arbeit auf dem Reisfeld, der „Merseburger Zauberspruch“, begleitet von Schindlbeck am Akkordeon, erinnert eher an einen gregorianischen Chor als an eine geheimnisvolle althochdeutsche Zauberformel. Nach der Pause stimmt „Ein Schlaflied zum Aufwachen“ der sibirischen Schamanin auf den Höhepunkt, Strawinskys „Frühlingsopfer“, ein. Das „Schlaflied“ ist Gesang und Klage, von Tanja Muzyukina mit dem Ausdruck tiefster Verzweiflung gesungen und getanzt. Gestik und Mimik, das fliegende schwarze Gewand wirken archaisch, erinnern zugleich an Derwische, Klageweiber und Rachegöttinnen, bis von dem Schmerz nur der Hauch eines Schlaflieds und eine statuenhafte Pose übrigbleiben. Archaische Elemente bestimmen auch das „Frühlingsopfer“. Schon in der Musik mit Dissonanzen und Brüchen schwingt die Dramatik mit, die mit großer Einfühlsamkeit umgesetzt wird. Bewegungen wie von Vogelschwingen nehmen Paukenschläge auf, zu schrillen Tönen entwickeln sich Kampfszenen, die in einer Erstarrung enden, die an Darstellung griechischer Bildhauer erinnern. Erst die Schamanin (Anita Schöpp) mit ihrem Kopfputz aus Blättern haucht den Gefallenen wieder Leben ein. Ihr aber ist im heidnischen Russland auch das Menschenopfer geweiht, das junge Mädchen, das Josefine Faißl in seiner Zerrissenheit zwischen der Liebe zum Leben und Todesangst mit Leidenschaft zelebriert.

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