Neustadt Eine gefühlte Niederlage
Hassloch (erab/sab). „Das Schlimme ist: Du kannst Dich nicht über den einen Punkt freuen.“ Daniel Schlingmann, Tormann des abstiegsbedrohten Handball-Drittligisten TSG Haßloch, sprach aus, was in seinen Teamkollegen und den TSG-Anhängern nach dem 24:24 (13:10) gegen die SG Kronau-Östringen II vorgegangen ist. Für Haßloch hat sich das Remis wie eine Niederlage angefühlt.
Denn bis Mitte der zweiten Hälfte hatten die Gastgeber die SG im Griff. „Wir kriegen nur 24 Tore“, betonte Schlingmann. „Gegen den besten Angriff der Liga“, ergänzte sein Teamkollege Marco Widmann. Mit einer sicheren und schnellen Abwehr machten die Haßlocher vor allem dem bisher besten Torschützen der Liga, Michel Abt, das Leben schwer. Ihm gelangen in 60 Minuten nur zwei Treffer. Sein Schlagwurf gleich zu Beginn saß zwar, dann aber scheiterte er an Daniel Schlingmann (2.), warf am Tor vorbei (3., 5.) oder sein Wurf wurde von der TSG-Abwehr abgefälscht (7.). Und aus der guten Abwehrarbeit resultierten einige schnelle TSG-Gegenstöße: Einen Rolka-Wurf parierte Schlingmann, Steffen Dietz konterte zum 1:1 (6.). Die Kronauer variierten ständig in ihrer Abwehr, doch vor allem der Haßlocher Aufbauspieler Peter Masica war nur selten zu halten. Er strotze vor Selbstbewusstsein und nutzte jede Lücke in der SG-Defensive zum Torerfolg oder zum Anspiel an den Kreis. „In der ersten Halbzeit haben wir das gegen Kronaus variables Deckungsverhalten ganz gut gemacht, deshalb konnten wir uns eine 6:2-Führung erspielen“, urteilte TSG-Rechtsaußen Steffen Dietz. In Hälfte eins unterliefen den Haßlochern aber auch Fehler. Den dicksten Patzer erlaubte sich ausgerechnet einer der erfahrensten TSG-Spieler: Als Daniel Schlingmann für einen zusätzlichen Feldspieler im Angriff das Feld verließ, stürmte Andreas Zellmer auf den Platz. Doch trug zu diesem Zeitpunkt nicht er das andersfarbige Trikot des zusätzlichen Feldspielers, sondern Marco Widmann. Die Folge: Zeitstrafe für Zellmer (21.). Nach der Pause wurde Haßloch jäh geschwächt: Sebastian Bösing, Kreisläufer und zugleich starker Rückhalt in der Abwehr, musste nach seiner dritten Zwei-Minuten-Strafe für den Rest der Partie zuschauen (34.). „In der Halbzeit haben wir uns vorgenommen, gegen Bösing – sollte er im Innenblock spielen – weiterhin zu attackieren, da er bereits zwei Zeitstrafen bekommen hatte“, verriet SG-Trainer Klaus Gärtner nach dem Spiel die Taktik. „Dies würde wohl jedes Team so machen. Dass die Schiedsrichter dann so früh die Karte ziehen, war ihre Entscheidung.“ Die letzte Zeitstrafe gegen Bösing, der zu diesem Zeitpunkt vor der TSG-Abwehr agierte, war allerdings mehr als fragwürdig. „Die Schlüsselszene war die Rote Karte gegen Bösing in der 35. Minute“, sagte Haßlochs Coach Admir Kalabic. Spätestens als sich knapp zehn Minuten auch noch Kai Zimmermann einen Pferdekuss im Oberschenkel zuzog, war der Schwung im TSG-Spiel verloren. Zimmermann spielte zwar weiter, war aber deutlich gehandicapt. Das hatten auch die Gäste bemerkt. Gärtner, der in der zweiten Hälfte Rolka für Abt im linken Rückraum spielen ließ, wies ihn in einer Auszeit an, gezielt gegen Zimmermann zum Tor zu gehen. Mit Erfolg. Rolkas stramme Würfe in den oberen Torwinkel saßen millimetergenau. „Der hat eine gute Dynamik“, musste später der Haßlocher Marco Widmann die Stärke des Kronauer Ersatz-Halblinken anerkennen. Nicht zu halten war auch Linksaußen Lukas Sauer, der neunmal traf. „Der machte das Spiel seines Lebens“, ärgerte sich Schlingmann. „Immer macht einer gegen uns das Spiel seines Lebens.“ Die Fehlerquote auf Seiten der Haßlocher stieg rasant an. Masica, Widmann, Dietz, ebenfalls der erst in der zweiten Hälfte eingesetzte und zuletzt kranke Kevin Seelos leisteten sich zahlreiche Fehlwürfe. Die schnelle Kronauer Abwehr war stets auf Ballhöhe. Und die Schiedsrichter machten es den Haßlochern erneut zusätzlich schwer: Als Maximilian Trost Peter Masica beim Stand von 24:23 für Haßloch aus der Luft „pflückte“ (58.), gab es keine Zeitstrafe für den Gästespieler. Eine fragwürdige Entscheidung der Unparteiischen in einer entscheidenden Phase des Spiels. „Nachdem wir gut ins Spiel gefunden hatten, haben wir durch die Rote Karte gegen mich und die Verletzung von Kai Zimmermann etwas den Faden verloren. Gegen Ende fehlten uns die Wechselmöglichkeiten, da auch Elvijs Borodovskis nicht spielen konnte. Kronau hatte hier mehr Alternativen und wirkte in der Schlussviertelstunde frischer“, stellte Sebastian Bösing fest. Daniel Schlingmanns Fazit lautete: „Die nächsten zwei Spiele müssen wir gewinnen.“ Am Samstag geht es nach Zweibrücken. Eine Woche später kommt Herrenberg nach Haßloch. Beide Gegner stecken wie Haßloch im Abstiegskampf. Die 24 Tore gegen den besten Angriff der Liga müssten aber positiv hervorgehoben werden, meinte Admir Kalabic. „Zumal die Trainingswoche katastrophal verlief und wir maximal vier gegen vier in den Einheiten spielen konnten.“ So spielten sie TSG Haßloch: Schlingmann, Eigenmann (n.e.) - Borodovskis, Masica (7), Schubert (1), Kern (1), Widmann, Christmann, Seelos (5/1), Zellmer (2), Bösing (2), Zimmermann, Dietz (6). Spielfilm: 6:2 (13.), 8:5 (17.), 13:10 (30.), 16:11 (33.), 17:12 (37.), 17:15 (43.), 19:17 (46.), 19:18 (47.), 19:19 (49.), 19:20 (50.), 21:21 (54.), 23:21 (55.), 24:22 (58.), 24:23 (59.), 24:24 (59.). Zeitstrafen: 6/3. Siebenmeter: 0 - 2/1. Beste Spieler: Masica - Bitz, Sauer. Zuschauer: 550. Schiedsrichter: Kraaz/Rupp (Deizisau/Weinstadt).