Neustadt Eine ganz besondere Situation
Mannheim/Deidesheim. Es ist schon keine ganz einfache Situation: Nur wenige Wochen nach dem Tod Hans-Dieter Willischs, des äußerst beliebten Schauspielers und Gründers des Boulevardtheaters Deidesheim, steht dort am Freitag erstmals wieder „Taxi, Taxi …“ auf dem Spielplan, in dem Willisch als Taxifahrer mit zwei Ehefrauen eine seiner Paraderollen hatte. Diesen Part übernimmt nun der Mannheimer Schauspieler Peter Houska.
Peter Houska wirkt ein wenig nachdenklich. Er zieht an seiner Zigarette, nimmt einen Schluck trockenen Rieslings. Am Tag nach seiner Premiere sitzt er in einem Mannheimer Bistro und reflektiert seinen Auftritt des Vorabends. Der Grund: Erstmals trat er an diesem Sonntag mit dem Schauspiel-Ensemble des Deidesheimer Boulevardtheaters auf dessen Gastspielreise im Stück „Taxi, Taxi“ auf. Die Komödie von Ray Cooney kennt Houska gut. Im Mannheimer Oststadt-Theater, wo sie den Titel „Doppelt leben hält besser“ trägt, spielt er die Rolle des bigamistischen Taxifahrers schon seit Jahren mit großem Erfolg. Dennoch sei die Situation diesmal doch eine besondere, räumt er ein. Dabei ist es schon das zweite Mal, dass der gebürtige Niederbayer aus Mallersdorf, der 1975 an das Nationaltheater Mannheim kam und seitdem in der Quadratestadt lebt, in Willischs Fußstapfen schlüpft. Schon als Willisch 1997 das von ihm mitbegründete Oststadt-Theater verließ, übernahm Houska dessen Part. Ein Bühnenneuling war er schon damals nicht. Der Arbeitersohn kann 2016 sein 40-jähriges Bühnenjubiläum feiern. Bis 1989 war er Mitglied des Schauspiel-Ensembles des Nationaltheaters, seitdem arbeitet er als freier Schauspieler auf diversen Bühnen im Südwesten Deutschland. In Inszenierungen wie „Die drei Musketiere“ (unter der Regie von Jérôme Savary) oder „Clavigo“ (Regie: Benjamin Korn) eroberte sich Houska eine große Fangemeinde. „Das Theater war und ist meine Welt“, sagt er. Deshalb denkt der 69-Jährige auch nicht ans Aufhören. „Solange ich psychisch und geistig noch kann, will ich auf der Bühne stehen“, betont er. „Es gibt doch gerade für ältere Schauspieler sehr viele Rollen.“ „Sein Tod kam für uns alle überraschend, aber wir kannten uns nicht persönlich“, sagte Houska über Willisch. Dennoch sagte er zu, als Boris Stijelja, der jetzigen Leiter des Boulevardtheaters bei ihm anfragte. „Das Stück und die Rolle sind mir ja nicht fremd“, schmunzelt er. Der einzige Unterschied liege darin, dass die Besetzung eine ganz andere als am Oststadt-Theater ist. „Ich bin schon heute gespannt, wer diese Rolle bei meinem Tod übernimmt“, meint er augenzwinkernd. Er nimmt seine künftige Aufgabe dennoch ernst. Den Verlust eines Schauspielerkollegen versucht er auszublenden. „Das ist nicht immer einfach, weil das Publikum auch gewisse Erwartungen hat“, sagt Houska. „Da muss man professionell genug sein, dass das ohne Probleme läuft. Die Leute haben dafür gutes Geld bezahlt, dann haben sie auch einen Anspruch auf eine gute Leistung auf der Bühne“, so Houska. Auch wenn er heute auf eine lange Bühnenkarriere zurückblicken kann, sein Weg zum Theater war nicht geradlinig. Aus dem Internat geworfen, verdiente sich der Bayer sein erstes Geld in den 60ern als Gitarrist und Sänger einer Rock’n´Roll-Band und schlug sich als Fabrikarbeiter durch, bis er Aufnahme an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover fand. „Diese Entscheidung habe ich zum richtigen Zeitpunkt getroffen, denn für mich kam schon als kleines Kind nur die Schauspielerei in Frage.“ Heute sieht er die Kurpfalz als seine Heimat, wo er im Lauf der Zeit zahlreiche Spuren hinterlassen hat. So geht etwa die Gründung des Kasinos im Werkhaus des Nationaltheaters auf ihn zurück. Diese Aufgabe war ihm ebenfalls auf den Leib geschnitten. Denn Houska ist ein Kneipengänger, der sich gerne auch mal hinter den Zapfhahn stellt. „Ich bin gerne unter den Menschen, nur so bekommt man mit, was sie bewegt“, erzählt er und ergänzt. „Ich liebe das wie in der ersten Stunde.“ Termine „Taxi, Taxi“ steht beim Boulevardtheater Deidesheim am Freitag, 29. Januar, sowie am 6. Februar, 1. April, 25. Juni und 17. September, jeweils um 20 Uhr auf dem Programm. Spielort ist die Deidesheimer Stadthalle. Karten (ab 14.30 Euro) unter 0172-400 8201, info@boulevard-deidesheim.de, www.boulevardtheater-deidesheim.de oder Brillen Bott in Deidesheim.