Neustadt Eine Frage der Motivation

Am Markustag 1494 gründete der Ritter Nikolaus von Böhl mit dem edlen Beinamen „Übelhirn“ in Deidesheim ein Spital für Alte, Notleidende, Fremde und Pilger. Bis heute besteht dieses Spital fort. Ein Teil davon ist auch die gotische Spitalkapelle zur allerheiligsten Dreifaltigkeit. Am 9. März 1945, wenige Tage bevor die alliierten Truppen die Stadt erreichten, trafen zwei Bomben das Spital. Dabei verloren eine Ordensschwester, zwei Rentnerinnen, eine weitere Frau sowie zwei Wöchnerinnen mit ihren Säuglingen das Leben. Seitdem wird jedes Jahr Anfang März in einer Heiligen Messe in der Deidesheimer Spitalkapelle dieser Opfer gedacht. Zu diesem Anlass beginnt die Gemeinde, die Messen am Mittwochmorgen wieder in der Spitalkapelle zu feiern. In den Wintermonaten ist dies nicht möglich, da die Kapelle nicht beheizbar ist. Dies soll sich aber nach der anstehenden Renovierung ändern. So war die Gemeinde am vergangenen Mittwoch eingeladen, bei knackigen Temperaturen Gottesdienst zu feiern. Etwa 20 Gemeindemitglieder waren dann doch gekommen. Am Sonntag vorher hatte ich empfohlen, noch eine zweite, warme Unterhose anzuziehen. Auch hatte die Hausleitung freundlicherweise noch Wolldecken bereit gelegt. Es war dann doch eine schöne und intime Feier. Und erfroren ist auch niemand. Am vergangenen Freitag war ich mit großen Messdienern auf dem Betzenberg in Kaiserslautern beim Fußballspiel des FCK gegen Union Berlin. Etliche tausend Menschen saßen da freiwillig bei Eiseskälte und Schneefall zwei Stunden im Freien, bei guter Laune ob des schönen Spiels und ohne sich zu beklagen. Glücklicherweise schoss der 1. FC Kaiserslautern auch vier Tore, was die Fans jeweils aufspringen ließ, so dass zudem etwas Bewegung den vereisten Gliedern gut tat. Manche von unseren Messdienern sind auch während der Winterolympiade morgens vor fünf Uhr aufgestanden, um das Endspiel der deutschen Eishockeymannschaft im Fernseher anzuschauen. Bei den Roratemessen im Advent aber um 6.30 Uhr fragt man vergeblich nach, wer freiwillig kommt. Das zeigt mir immer wieder: Wenn mir etwas wertvoll ist, schaue ich nicht auf die äußeren Umstände. Dann nehme ich auch einiges an Unbequemlichkeiten in Kauf. Dann stelle ich mich bei Wind und Wetter auf den Fußballplatz, bei Eisregen auf den Adventsmarkt und bei stechender Sonne an den Kerwestand. Wenn die Motivation stimmt, sind mir die Umstände ziemlich egal. Der Autor Bernhard Braun ist katholischer Pfarrer in Deidesheim.