Neustadt Eine Bühne für die Jugend

Deidesheim. Der erste Jugendmusiktag des „Musikverbandes Deutsche Weinstraße“ am Sonntag in der Stadthalle Deidesheim war eine gelungene Premiere. Dazu trugen vor allem die Jugendorchester aus Königsbach, Ruppertsberg und Hochdorf sowie die „Junge Bläserphilharmonie“ des Verbandes selbst mit ihren Kurzkonzerten bei. Die Zuhörer ließen sich von den schwungvollen Sounds mitreißen.
Bereits um 13 Uhr ist die Stadthalle mit Stimmen und Musik erfüllt. Die eineinhalb Stunden bis zum ersten Konzert, das um 14.30 Uhr beginnt, überbrücken die Akteure und ihre Begleiter bei anregenden Gesprächen im Foyer. Im halbstündigen Turnus dürfen die Orchestergruppen zur Anspielprobe auf die Bühne, dazwischen gibt es eben Pausen, in denen sich Klein und Groß bei Kaffee und Kuchen oder kühlen Getränken wiederbegegnet oder neue Kontakte knüpft. Die Instrumentenausstellung im Foyer ist ebenfalls gut frequentiert. „Meine Schwester spielt Querflöte, und ich möchte gerne Trompete oder Klarinette lernen“, erzählt ein Junge, der sich bei den Holz- und Blechblasinstrumenten umschaut. Gemeinschaft ist die treibende Kraft bei den Jugendorchestern. Lea-Marie (12) hat seit zwei Jahren Klarinettenunterricht und spielt seit einem Jahr in der etwa 20-köpfigen Ruppertsberger Jugendblaskapelle. „Super ist, dass wir oft auch etwas zusammen unternehmen, und das gemeinsame Musizieren macht mehr Spaß, als alleine zu spielen.“ Der zehnjährige Felix bläst seit drei Jahren Trompete, in der Kapelle ist er seit zwei und mag die flotten Rhythmen. Den schwungvollen Sound mag auch Anton, der seit zwei Jahren Altsaxophon bei der Ruppertsberger Jugend spielt. „Ich bin wohl das neueste Mitglied“, erzählt Jonas (11), „Erst im November bin ich hier mit Percussions eingestiegen, Schlagzeug-Unterricht nehme ich privat seit fünf Jahren.“ Vier zehnjährige Mädchen aus Königsbach warten geduldig auf ihren Einsatz. „Querflöte ist ein sehr schönes Instrument mit einem tollen Klang“, betont Annina. Und Emma ergänzt:„ Es ist spannend, weil es so viele Klappen hat und quer geblasen wird. Dabei fühlt man sich ganz anders, das hat mich fasziniert.“ Die beiden spielen seit drei Jahren, Freundin Kira kam vor einem Jahr ebenfalls mit Querflöte zum Jugendorchester des Königsbacher Musikvereins, das von Heike Hoffmann geleitet wird. Mareike hat sich das Waldhorn ausgesucht: „Das hat auch meine Tante gespielt, und es gefiel mir schon immer, weil es so ungewöhnlich aussieht und klingt.“ Alle vier sehen einen weiteren Vorteil: „Für den Instrumentalunterricht muss man täglich üben, fürs Orchester nur zweimal pro Woche.“ Nach dem Warm-Up auf der Bühne entlässt Manuel Grund, Leiter der „Jungen Bläserphilharmonie“, seine rund 60 Akteure in die Verschnaufpause, ehe das Konzert startet. Aufgeregt und bestens gelaunt plaudern die jungen Leute, die direkt von einer zweitägigen Musikfreizeit in Hertlingshausen zum Jugendmusiktag angereist sind. „Wir haben keine wöchentlichen Treffen, sondern üben intensiv bei Probentagen.“ Die philharmonische Jugend ist versiert mit ihren Instrumenten, heimisches Üben wird vorausgesetzt, denn es gibt nur wenige gemeinsame Termine. „Bei unserem Probenwochenende haben wir jetzt natürlich viel geübt. Daneben gab es ausreichend Zeit zum Entspannen“, so Marie (16) aus Römerberg-Mechtersheim, die vor einigen Jahren ihr Faible fürs Waldhorn entdeckt hat. Ihre Freundin Annika (13) aus Ottersheim ist ebenfalls seit der Gründung des Orchesters vor vier Jahren an Bord. Sie spielt Oboe in zwei Landauer Laienorchestern und freut sich jetzt schon auf den Fortbildungskurs des Musikverbandes im Sommer. Die 13-jährige Instrumentalistin Lea aus Diedesfeld konnte ihre Klassenkameradin Irini als Sängerin fürs Orchester gewinnen, die es „cool“ findet, mit dem Mikro gegen einen so großen Klangkörper anzusingen. „Unser Dirigent hat mit mir Gesangsübungen gemacht, proben konnte ich dann ungestört im Waschraum.“ Auch Jannick (15) aus Birkenhördt, Tenorsaxophon, bewertet die Freizeiten positiv: „Ich bin das zweite Jahr dabei, man kennt schon viele Leute, und es war toll, wieder etwas zusammen zu unternehmen.“ Das anschließende Konzertprogramm in der Stadthalle bindet die Zuschauer mit ein, die Anmoderation der Jugendlichen und Dirigenten ist locker und witzig. Der Funken zwischen Akteuren und Publikum im vollbesetzten Saal – auch alle vorhandenen Stehplätze sind vergeben – springt über. Vom „Fluch der Karibik“ bis zu „Lord of the Rings“, vom James-Bond-Song „Skyfall“ bis zum Strauss-Epos „Also sprach Zarathustra“ - bei jedem Vortrag bringen sich die jungen Spieler mit Begeisterung und Können ein. Afrikanische Klänge steuert das Jugendorchester Hochdorf unter Leitung von Julia Neubauer bei. Gesangssoli erhalten gleichermaßen anhaltenden Applaus wie instrumentale Improvisationen. Bernhard Welsch, der Vorsitzende des Musikverbandes, freut sich ebenso wie seine Mitorganisatoren und die ehrenamtlichen Helfer über den reibungslosen Ablauf des langen Musiknachmittages und die große Resonanz. „Wir sind unheimlich erstaunt, dass so viele Besucher, schätzungsweise rund 500, gekommen sind.“ Sein Resümee: „Es ist uns gelungen, die Jugend wie beabsichtigt als Hauptpersonen zu präsentieren.“ Für die jungen Musiker sei es toll gewesen, einmal vor so einem großen Publikum spielen zu können. So nimmt es nicht wunder, dass der Musikverband die Veranstaltung im nächsten Jahr wiederholen möchte.