Neustadt Ein Wohnblock weniger

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Die Wohnungsbaugesellschaft (WBG) korrigiert ihre Pläne für Sozialwohnungen am Harthäuserweg. Statt drei entstehen nur noch zwei Blocks. So können die öffentlichen Parkplätze erhalten bleiben. Kritik an der Standortwahl hat die Stadt bei einer Anwohnerversammlung zurückgewiesen.

Auch wenn 2016 auf dem Gelände der Berufsbildenden Schule (BBS) zwei Blocks in einfacher Bauweise entstehen, bleiben 32 öffentliche Parkplätze im Harthäuserweg für Anwohner und Schüler erhalten. Ursprünglich sollten drei Blocks mit zusammen 39 Wohnungen gebaut werden. Die neue Planung sieht zwei Blocks mit 32 Wohnungen vor. Die Gebäude sollen etwas von der Straße wegrücken. Die Parkplätze für die Mieter werden verlegt. Mit dieser Nachricht nahm Architekt Michael Gooss zu Beginn etwas die Schärfe aus der mit über 40 Anwohnern gut besuchten Versammlung im Restaurant Böbig. Auch die Aussage von WBG-Geschäftsführer Dietmar Kurz, er hätte den Fehler gemacht, die Anwohner nicht früher zu informieren, trug zur Entspannung bei. „Auch dass wir zu viel Tempo gemacht haben, war nicht richtig. Ich möchte mich dafür entschuldigen“, sagte Kurz. Er habe allerdings den Druck verspürt, dringend günstigen Wohnraum in der Stadt schaffen zu müssen. „Das hängt nicht nur mit der künftigen Unterbringung anerkannter Asylbewerber zusammen, sondern vor allem auch damit, dass die große Nachfrage nach Wohnraum auf dem privaten Markt die Mietpreise hat deutlich steigen lassen“, so Kurz. Volker Klein, Chef der Bauabteilung bei der Stadt, verteidigte die Standortwahl. „Wir müssen die Innen- vor der Außenentwicklung angehen, sonst sind die Infrastrukturkosten für Straßen und Versorgungsleitungen bald nicht mehr zu bezahlen“, sagte der Leiter der Stadtplanung. Es gehe um kostengünstigen Wohnungsbau, da müsse eine Kommune ihre eigenen Flächen einsetzen und Baulücken schließen. Es liege nicht in der Verantwortung der Stadt, dass es Menschen gebe, die trotz eines Vollzeitarbeitsplatzes weniger als 2000 Euro verdienen würden. „Für diese Bürger müssen wir bezahlbaren Wohnraum schaffen“, so Klein. Die Wohnungen werden 45, 55, 80 und 90 Quadratmeter groß. Die künftige Kaltmiete beträgt 5,10 Euro. Kellerräume und Balkone sind aus Kostengründen nicht vorgesehen. Michael Kolb von der WBG kündigte an, dass Geringverdiener, kinderreiche Familien, Senioren und auch anerkannte Asylbewerber einziehen würden. Man strebe eine gute Mischung an und wolle eine Ghettobildung verhindern. Das löste Widerspruch unter den Bürgern aus. Eine Frau sorgte sich um den Wert ihrer Immobilie, ihr Nachbar um die Sauberkeit, eine Nachbarin um den Zustand der Straße nach den Bauarbeiten. Ein Mann sah das Viertel bald überlastet, da auch in der Landwehrstraße und der Böhlstraße Asylbewerber untergebracht werden sollen. Konflikte seien deshalb vorauszusehen. Eine Frau wollte wissen, wie die WBG ausschließen wolle, dass in eine Vier-Zimmer-Wohnung vielleicht eine 14-köpfige Großfamilie einziehe. In einer emotionalen Rede erklärte Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer (CDU) zu den Befürchtungen: „Ich wehre mich gegen die Mutmaßung, die Unterbringung von Asylbewerbern bringt per se soziale Probleme mit sich. Da ist vielleicht auch der Arzt aus Syrien dabei.“ Er sehe keinerlei Anzeichen für eine besondere soziale Belastung des Böbig. Es handele sich um ein ganz normales Wohnviertel. Als ein Anwohner Röthlingshöfer widersprach, sagte der Neustadter CDU-Chef: „Dann haben wir an dem Punkt eben eine massiv unterschiedliche Wahrnehmung.“ Röthlingshöfer erklärte, kein Verständnis für „eine solche Hysterie“ zu haben. Das Projekt am Harthäuserweg sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Wir brauchen dringend bis zu 150 neue Wohnungen in der Stadt und werden deshalb noch weitere Baulücken angehen“, so Röthlingshöfer. Es habe 30 Jahre keinen sozialen Wohnungsbau mehr in Neustadt gegeben, das müsse in den kommenden zehn Jahren nachgeholt werden. Stadt- und WBG-Vertreter lehnten die Forderung ab, einen der beiden Blöcke auf dem Freigelände weiter westlich neben dem BBS-Gebäude zu bauen. „Eine Zerstückelung treibt nur die Kosten nach oben“, so Dietmar Kurz. Er halte auch aus städtebaulicher Sicht das Grundstück am Harthäuserweg geeigneter. Der WBG-Chef sieht keine Alternative: „Wenn ein Stadtteil überlastet ist, dann Branchweiler. Ich wehre mich dagegen, dort die Bebauung weiter zu verdichten.“ Befürchtungen von Anwohnern, die BBS könne unter den neuen Nachbarn leiden, teilte deren Schulleiter Manfred Bug nicht: „Wir haben da keine Ängste. Es gibt Schulen, die liegen mitten in der Stadt, dort kann auch ohne Störung der Unterricht ablaufen.“ (wkr) Kommentar

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