Neustadt „Ein wichtiger Standortfaktor“
„Rettet die Schule. Wir für Esthal“: Ein Plakat hinter dem Podium zeigte, worum es bei der Bürgerversammlung in Esthal am Dienstag ging. Viele Bürger machen sich Sorgen um den Erhalt der Grundschule. Entsprechend groß die Resonanz mit über 100 Besuchern.
Weil die zweizügige Esthaler Schule zusammen mit 40 weiteren im Land auf dem Prüfstand steht, haben sich die Ortsgemeinde, die Verbandsgemeinde als Schulträger, der Schulelternbeirat und die Schulleiterin in mehreren Sitzungen Gedanken gemacht und Argumente gesammelt, warum auch weiter in dem Walddorf Unterricht gehalten werden muss. Denn die Leitlinien des Landes, die eigentlich mindestens drei Klassen pro Schule fordern, sehen durchaus Ausnahmen für den Fortbestand kleinerer Schulen vor. Und das sei auch im Fall von Esthal gegeben, sagte Verbandsbürgermeister Manfred Kirr. Es gebe keine Nachbarschule, die in zumutbarer Zeit zu erreichen sei und die ohne größere bauliche Veränderung die Esthaler Schüler aufnehmen könne, sagte Kirr. Lambrecht habe als Schwerpunktschule nicht genügend Räume. Der Schülertransport nach Elmstein sei im Winter nicht unter einer halben Stunde Dauer zu bewältigen. Und wenn man die Nachmittagsbetreuung der Esthaler Schüler aufrechterhalten wolle, bedeute das drei Bustransporte pro Tag mit Kosten von 400 bis 500 Euro pro Schultag. Auch die Landtagsabgeordnete Giorgina Kazungu-Haß (SPD) sieht das Argument der Anbindung Esthals und die Schwierigkeit, die Kinder anderswo unterzubringen, als gewichtige Argumente, um die Schulbehörde ADD zu überzeugen. Die ADD prüfe neutral, und das sei gut so. Erst, wenn es zwischen Schulträger und ADD zu keiner Einigung komme, sei das Bildungsministerium wieder am Zug. Zwischen der ADD in Neustadt, der Verbandsgemeinde und Schulleiterin Daniela Scholz habe es bereits Gespräche gegeben, sagte Kirr. Darüber hinaus habe man in den gemeinsamen Sitzungen zahlreiche „weiche Argumente“ gesammelt, berichteten Kirr und Ortsbürgermeister Gernot Kuhn. Die gute pädagogische Arbeit werde von weiterführenden Schulen bestätigt. Die Voraussetzungen in Esthal mit großem Computerlabor, Küchen und Waldspielplatz in einem Gebäude ohne Renovierungsstau seien bestens. Kuhn sagte, er befürchte ohne Schule ein Ausbluten Esthals. Sie sei ein äußerst wichtiger Standortfaktor für das etwa 1350 Einwohner zählende Dorf . Beigeordneter Hans-Werner Rey (CDU) kritisierte, dass das Thema überhaupt aufs Tapet gekommen sei. Bisher, auch unter dem früheren Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), habe immer die Richtlinie „kurze Beine, kurze Wege“ gegolten. Der Landtagsabgeordnete Dirk Herber (CDU) meinte, der einfachste Weg, die kleinen Schulen zu retten, wäre eine Änderung des Schulgesetzes gewesen. Von den Besuchern der Versammlung kamen Kritik, aber auch Vorschläge. Man dürfe Bildung nicht nur unter betriebswirtschaftlichen Aspekten sehen, hieß es. Oder man solle die Leitlinien nicht nur in Abwehrhaltung sehen, sondern die „Krise als Chance nutzen“ und sich Gedanken um ein Konzept für die gesamten Schulen in der Verbandsgemeinde machen. Schüler von außerhalb, etwa mit Förderbedarf, nach Esthal zu holen, wurde angeregt. Dazu brauche eine Schule aber eine bestimmte Größe, entgegnete Kirr. Und wies darauf hin, dass das Ziel der Erhalt aller Schulen im Tal sein müsse. Kirr sagte, die gesammelten Argumente und Stellungnahmen müssten der ADD bis 30. September vorgelegt werden. Man wolle aber schon im Laufe des Juli so weit sein, damit man eine möglichst frühe Entscheidung der ADD erhalten könne. Auf die Diskussion über einen „Plan B“ wollte sich Kirr bei der Versammlung nicht einlassen. Es gelte, möglichst mit einer Stimme für den Weiterbestand der Schule zu sprechen. Sie stehe auch mit ihrer Person für den Erhalt, sagte Schulleiterin Daniela Scholz. Gernot Kuhn resümierte: „Wir wollen das Beste für die Schule erreichen.“