Neustadt Ein tolles Quintett

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Kirrweiler. Fünf Musiker und Werke, die nicht jedem geläufig sind: Der Auftakt zu den diesjährigen Kirrweilerer Kammerkonzerten mit dem Acelga Quintett war ein ganz besonderes Erlebnis. Und das Publikum wusste die erste Veranstaltung im Jubiläumsjahr zu schätzen. Die Kirchenbänke in der Marienkapelle waren sehr gut besetzt, der Schlussbeifall wollte kaum enden.

Die Kirrweilerer Kammerkonzerte in der barocken Marienkirche gibt es inzwischen seit zehn Jahren. Norbert Gamm, ihr künstlerischer Leiter, freut sich zu Recht darüber, dass sich bei den Besucherzahlen immer noch eine steigende Tendenz abzeichnet. Kein Wunder, denn das musikalische Angebot bewegt sich stets auf hohem Niveau. Auch mit dem Acelga Quintett hat der Veranstalter wieder für einen musikalischen Höhepunkt gesorgt. Erst 2012 gegründet, erhielt das Ensemble mit dem spanischen Namen für „Mangold“ (dem Nachnamen der Flötistin) schon 2013 beim Deutschen Musikwettbewerb in Stuttgart ein Stipendium des Deutschen Musikrats und wurde in die 58. „Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler“ aufgenommen. 2014 erreichte es beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD einen dritten Platz. Die Konzertbesucher sind gespannt. Drei der Musiker könnten sie bereits kennen, denn Hanna Mangold (Flöte), Antonia Zimmermann (Fagott) und Julius Kircher (Klarinette) spielen hauptberuflich bei der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Sebastian Poyault (Oboe), als Musiker des Gürzenich-Orchesters ist aus Köln angereist, Amanda Kleinbart (Horn) aus Hamburg, wo sie beim NDR-Sinfonieorchester spielt. Als die Musiker Luft holen, um zum ersten Stück, dem Bläserquintett c-moll, op. 91 Nr. 6 des böhmischen Komponisten Anton Reicha (1770-1836), anzusetzen, hält auch das Publikum förmlich den Atem an. Feierlich beginnt der erste Satz „Marcia: Poco adagio – Allegro vivace“. Wunderschöne, schmeichelnde Soli wechseln sich mit Tutti ab in einem virtuosen Miteinander, in dem die einzelnen Instrumente sich wie gleichberechtigte Partner immer wieder spielerisch herausfordern. Schlichter in der Melodieführung, einem Hirtenlied ähnlich, setzt das Larghetto ein, voller Kraft und eher an einen Ländler erinnernd als an die zierlichen höfischen Tänze folgt das Menuett. Frech und lebhaft schließlich steuert die Komposition im letzten Satz auf das Finale – Allegro assai „Capriccio“ hin. Nicht umsonst gilt Reicha mit seinem Ideenreichtum und seiner ausgefallenen Kompositionstechnik als Wegbereiter des Bläserquintetts. Modern, recht kurz, aber nicht weniger tänzerisch als das erste Stück ist das Bläserquintett, das der 2012 gestorbene amerikanische Komponist Elliott Carter 1948 geschrieben hat. Zierlich beginnt das Allegretto – und bildet schnell eine Vielfalt von Eindrücken ab zwischen lebhaftem Autoverkehr, Vogelstimmen in der Weite der Prärie und dem Quietschen der Bremsen einer Eisenbahn. Das sich anschließende Allegro giocoso entwickelt sich zu einem heiteren Frage- und Antwortspiel der Instrumente, dessen Vielseitigkeit auch den Musikern sichtlich Spaß macht. Modern, aber mit starkem Bezug unter anderem zu Barock und Klassik schließlich begeistert das 1922 entstandene Bläserquintett op. 43 des dänischen Musikers und Komponisten Carl Nielsen. Schon die ersten Töne der Oboe, die das Allegretto beginnt, sind eine Reminiszenz an das Motiv des Vogelfängers in Mozarts „Zauberflöte“. Hohe und tiefe Stimmen erklingen im Wechsel, finden sich dann zusammen, als wollten die Töne gefährliche Wellenberge auftürmen, um kurz darauf wieder ruhig dahinzufließen. Verhalten setzt der zweite Satz ein, ein Menuett voller Charme und übersprudelnder Lebenslust. Majestätisch und klagend hebt sich dagegen das folgende Präludium – Tema con variazioni – ab. Die Besucher sind begeistert und spenden so anhaltend Beifall, bis sie noch zwei kleine Zugaben genießen können.

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