Neustadt Ein Symbol mit langer Vorgeschichte

Pfarrer Bernard Braun (links) mit Goldschmied Thomas Bartz und dem Schrein in der St. Ulrichskirche, deren Schutzpatron der heil
Pfarrer Bernard Braun (links) mit Goldschmied Thomas Bartz und dem Schrein in der St. Ulrichskirche, deren Schutzpatron der heilige Ulrich ist.

Die katholische Kirche in St. Ulrich in Deidesheim hat einen ganz besonderen neuen Anziehungspunkt erhalten: einen Schrein mit einer Reliquie des heiligen Ulrich von Augsburg. Er ist der Schutzpatron der im 15. Jahrhundert erbauten spätgotischen Kirche. Am 4. Juli, dem Todes- und Gedenktag des Heiligen, der 973 in Augsburg starb, hat das Reliquiar seinen Platz in einer Nische im Chorhaupt erhalten. Dort steht der Schrein mit dem Heiligtum gut verwahrt hinter einem engmaschigen schmiedeeisernen Gitter neben einem weiteren Erinnerungsstück, dem Fingerhut des seligen Adolph Kolping. Diesen hat die Gemeinde zum 40-jährigen Bestehen der Deidesheimer Kolpingfamilie und dem 20-jährigen Bestehen der Kolpingkapelle von Pfarrer Karl Sefrin von der Pfarrei Grethen als Geschenk erhalten. Dass Knochensplitter des heiligen Ulrich als Reliquie jetzt in einem Reliquiar in der Deidesheimer Kirche ruhen, hat eine Vorgeschichte. Schon 2007 hat der jetzige Pfarrer Bernhard Braun den Bischof von Augsburg – dort ist das Grab Ulrichs – gebeten, ihm eine Reliquie des Heiligen zu überlassen. Dieser Bitte sei der Bischof auch gern und unverzüglich nachgekommen. Erst eine größere Erbschaft aber, die eigens für die Ausstattung der Kirche bestimmt war, habe es möglich gemacht, einen Schrein für die Reliquie in Auftrag zu geben. Pfarrer Braun wandte sich an den Neustadter Goldschmied Thomas Bartz, und dieser sagte zu. Drei Jahre und viele Besprechungen hat es gebraucht, bis nach dem 36. Entwurf beide Seiten zufrieden waren. „Die reine Arbeitszeit an dem Reliquiar hat dann zwei Monate betragen“, sagt Thomas Bartz. Entstanden ist ein Schrein in der Form eines Hauses, für Pfarrer Braun „Sinnbild der Vollendung am Ende unserer Tage“. Das Haus ist aber auch die traditionelle mittelalterliche Form von Reliquienschreinen als Nachbildung einer Kirche. Der Deidesheimer Schrein hat „etwa die Größe eines Schuhkartons“, beschreibt Thomas Bartz den Schrein. Als Material haben sich Auftraggeber und Künstler auf Eichenholz aus alten Fassdauben geeinigt, das die Deidesheimer Schreinerei Eichberger zur Verfügung stellte. Als Symbol für den Wein schaffen sie eine Verbindung zur Stadt Deidesheim und zu Ulrich, dem Patron der Kirche, der Stadt Deidesheim und der Winzer. Die Seitenwände und das Dach hat Thomas Bartz aus Sterlingsilber-Platten gearbeitet und sie mit gleichschenkligen Kreuzen in Form des Ulrichskreuzes, einer Kreuzreliquie aus Augsburg, verziert. Zwischen den Kreuzen sind als Symbole für Ulrich die Mitra, eine Bischofsmütze, und Fische abgebildet. Dass diese an das chinesische Yin-Yang-Zeichen erinnern, „ist Zufall“, sagt Bartz. „Es passt aber gut, denn auch dieses Zeichen ist ein Symbol für etwas Großes, Bedeutendes.“ Das Herzstück aber, ein versiegeltes Gefäß mit der Reliquie, liegt zusammen mit einem lateinischen Testimonium über die Echtheit der Reliquie im Inneren des Schreins. „Es hat in etwa die Größe eines Camemberts, gleicht im Durchmesser genau dem Durchmesser eines Schoppenglases“, erzählt Thomas Bartz. Um das Behältnis mit einer Fassdaube zu verbinden, hat er eine Spange entworfen, die nahtlos von reinem Silber in reines Gold übergeht. Diese Technik habe er in den 1980er-Jahren erfunden, sagt Bartz. Der Übergang der Metalle spiegelt die Verwandlungsgeschichte in der Legende des heiligen Ulrich wider. Er soll an einem Freitag einem herzoglich Boten ein Stück Braten mit auf den Weg gegeben haben. Als dieser seinem Herrn damit beweisen wollte, dass Ulrich das Freitagsgebot nicht beachte, soll er statt des Fleischs einen Fisch in der Hand gehalten haben.

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