Neustadt Ein Spektrum so bunt wie das Wetter

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NEUSTADT. Frauenromane, Migrantenschicksal, Kriminalgeschichten, neue Sachbücher unter anderem über Europas politische Zukunft – ein breites Spektrum spiegeln die Bestseller der fünf Neustadter Buchhandlungen im April. Regionales ist durch Anne Kathrin Doerrs „Pfälzer Hüttenbuch“ präsent.

Hervorgehoben sei hier allerdings Jane Gardams soeben in deutscher Übersetzung erschienener zweiter Band ihrer „Old Filth“-Trilogie, „Eine treue Frau“, der erfolgreich bei „Hofmann“ und in der „Neustadter Bücherstube“ lief. Die 1928 in Yorkshire geborene englische Schriftstellerin erzählt hier die in der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong spielende Ehegeschichte von Betty. Das Bemerkenswerte an diesem Roman ist, dass Gardam dies gleiche Geschichte bereits in ihrem Bestseller „Ein untadeliger Mann“ (englisch „Old Filth“) thematisierte – und zwar aus der Perspektive von Ehemann Edward Feathers. Diesmal ist die in Hongkong aufgewachsene Betty die Protagonistin. Mit ihrem künftigen Ehemann, Richter in Hongkong, verbindet sie vor allem die Liebe zum Fernen Osten. Als sie ihm ewige Treue verspricht, spürt sie zwar, dass nicht überbordende Leidenschaft die Basis ihrer Ehe sein wird. Dass sie allerdings bald der Liebe ihres Lebens in Gestalt von Edwards Rivalen Terry begegnen wird, ahnt sie nicht. Kunstvoll versteht Gardam es, „das Eindimensionale von Geschichten“ aufzuheben und das Seelenleben von Betty zu beleuchten. Fans des schwedischen Krimi-Autors Jonas Jonasson („Der Hundertjährige, der ...“) kommen in dem soeben erschienenen Kriminalroman mit dem für ihn typischen Endlostitel „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ auf ihre Kosten, der bei „Hofmann“ Top-Seller war. Als Johan Andersson, wegen seiner zahlreichen Verbrechen Mörder-Anders genannt, wieder einmal aus dem Gefängnis entlassen wird, sucht er dringend einen neuen Job und neue Weggefährten. Diese lassen nicht lange auf sich warten: der „Rezeptionist“ Per Persson, der im Empfang eines Bordells arbeitet, und die geschäftstüchtige Pfarrerin Johanna Kjellander, die wegen ihrer atheistischen Gesinnung ihre Stelle verlor. Das Trio gründet eine erfolgreiche „Körperverletzungsagentur“. Doch Stockholms Gangsterbosse haben mit Anders noch eine Rechnung offen und nehmen ihn und sein Team in die Mangel ... Hochaktuell ist John Irvings neuer, bei „Quodlibet“ vielgefragter Roman „Straße der Wunder“, in dem der berühmte, 1942 in New Hampshire geborene amerikanische Schriftsteller die Geschichte von zwei mexikanischen Müllkippen-Kindern erzählt. Einzige Überlebenschance für Juan Diego und seine stumme Schwester Lupe ist der Glaube an ihre eigenen Wunderkräfte, denn er kann Geschichten erfinden und „fliegen“, während sie die Zukunft vorauszusagen vermag. Magisch und spannend erzählt Irving von diesen beiden Migranten auf der Suche nach einer Heimat in der Fremde. (wss)

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