Neustadt Ein süffiges Waidmannsheil
„Die wilde Pfalz“ lautete wie schon beim Weinstraßentag das Motto der 53. Großen Weinprobe der Weinbruderschaft am Samstag im Saalbau. 21 Tropfen in insgesamt 1150 Flaschen wurden ausgeschenkt. Tradition und Moderne waren ganz nah beieinander.
Passenderweise läutete ein Jagdhorn den Beginn der dreistündigen Verkostung ein. Und auch die Namen der von der Weinbruderschaft gezielt zusammengestellten Weine wurden dem Motto gerecht. So kredenzten die Mitglieder der Trachtengruppen Neustadt, Hambach, Mußbach und Duttweiler zunächst einen Riesling-Sekt „Waidmannsheil“ aus Wachenheim. „Ein süffiger Genuss“, wie Ordenskellermeister Thomas Weihl feststellte, der die Probe im wieder einmal ausverkauften Saalbau leitete. Es folgten ein Rotwein-Cuvée „Wild“ aus Edenkoben. „Nomen est omen“, erläuterte Weihl hier, „dieser Wein passt hervorragend zu Steak und Wildgerichten.“ Es folgten ein roter „Wildwein“ aus Schweigen-Rechtenbach, ein Pinot Noir „Ursus Magnus“, zu Deutsch „großer Bär“, aus Bad Dürkheim und später noch ein Müller-Thurgau „Stier“ aus Hochstadt sowie ein Weißburgunder Spätlese mit dem Namen „Ur“ aus St. Martin. Der korrelierte, auch am Etikett ersichtlich, mit dem Heckrinder-Beweidungsprojekt im St. Martiner Wald. Flink, aber immer zu einem kurzen Plausch bereit, schenkten die Ehrenamtlichen der Trachtengruppen Probe für Probe ein. Dann folgten erklärende Worte des Ordenskellermeisters zu Anbaugebiet, Lage, Weingut, Kellerwirtschaft und natürlich zum Wein, dessen Preis und Verfügbarkeit. Enttäuschung machte sich an den langen Tischen breit, wenn ein Jahrgang bereits ausverkauft war. Überraschte ein guter Tropfen mit einem besonders günstigen Preis, setzte hingegen ein Raunen, gefolgt von erfreutem Johlen und Klatschen ein. Ein Sekt, drei Rot-, zwei Rosé-, elf Weiß-, drei Süßweine sowie ein Eiswein waren es, die sich die Besucher im Saalbau schmecken ließen. Darunter auch immer wieder erfinderische Experimente wie etwa eine Cuvée aus Sauvignon Blanc und Viognier aus Ellerstadt. Letztere Rebsorte stammt aus Österreich und befindet sich in der Pfalz noch im Versuchsanbau, erläuterte Kellermeister Weihl. Der Ausbildungsstand der Pfälzer Winzer sei heute so gut wie er selten gewesen sei, betonte Weinbaupräsident Klaus Schneider in einer Ansprache. So ehrte die Weinbruderschaft nochmals gesondert den Gewinner des Berufswettbewerbes, Josef Brecht aus Weyher, als besten Jungwinzer.