Neustadt Ein Prachtkerl von Schweizer Rasse
Zum traditionellen Auftakt des Pfingstbrauchtums in den Partnerstädten Lambrecht und Deidesheim stellte Lambrechts Stadtbürgermeister Karl-Günter Müller gestern den 613. Tributbock vor. Das Brautpaar Kathrin Weisbrodt/Michael Mansmann wird das gehörnte Tier am Dienstag nach Pfingsten auf dem Weg zur Versteigerung nach Deidesheim begleiten.
„Wenn wir heiraten, dann nur, wenn wir den Tributbock zur Auktion bringen dürfen“, sagte das Brautpaar, das am 12. Mai heiratet und damit, wie die Regeln wollen, als jüngstvermähltes Ehepaar den Geißbock führen wird. Der diesjährige Tributbock, der wie seine Vorgänger der Historie nach als Entgelt für Lambrechter Weiderechte im Deidesheimer Hinterwald gilt, ist im südpfälzischen Steinweiler geboren und in Forst beim Geißbockzüchter Oliver Wittmer aufgewachsen. Der Geißbock ist ein Toggenburger, das ist eine Rasse von Schweizer Bergziegen. Er soll für Nachkommen bei der Paarung mit Wittmers Ziegen sorgen, damit die Geißbocklieferung weiterhin gesichert ist, erzählte Gerhard Wiegand. Er betreut im Auftrag der Stadt Lambrecht die jährliche Geißbocklieferung. Der Geißbock, der bei der Übergabe am Heimatabend am Pfingstsonntag Michael III. heißt, ist fünf Jahre alt und gut 60 Kilogramm schwer. Mit seiner athletischen Figur, dem schönen Gesicht, der Strähnchenfrisur und den nötigen Attributen für eine gute Zucht sei er ein „Prachtkerl“, stellte der Stadtbürgermeister Müller fest. Ein bisschen nervös vor dem Rendezvous mit dem Brautpaar war der Vierbeiner schon, aber Kathrin und Michael machten es ihm leicht und übersahen die Tropfen auf ihren Schuhen. Die Braut ist aus Niederkirchen, hat aber Lambrechter Wurzeln. Das Brauchtum hat sie sozusagen mit der Muttermilch von Mama Gabriele Rack aufgenommen und selbst kennengelernt als Besucherin des Pfingstgeschehens in Deidesheim. Von Beruf ist Kathrin als Wirtschaftsmathematikerin in einem Frankfurter IT-Consulting-Unternehmen tätig. Der 31-jährige Bräutigam Michael ist durch seine Mutter Marianne Mansmann mit dem Geißbockbrauchtum aufgewachsen. Er ist als Bankkaufmann Kundenberater bei der Sparkasse Rhein-Haardt in Neustadt. Sowohl Braut als auch Bräutigam sind gut zu Fuß und als Wanderer und Skifahrer durchtrainiert. Den 14 Kilometer langen Geißbockmarsch am Dienstag nach Pfingsten dürften sie also gut bewältigen. Denn sie müssen pünktlich an der Stadtgrenze von Deidesheim ankommen. Das historische Deidesheimer Stadtgericht, das sie dann empfängt und den Geißbock auf seien Zuchttauglichkeit überprüft, versteht bei Nichteinhaltung der verbrieften Pflichten keinen Spaß. Termine Am Sonntag, 15. Mai, ab 17 Uhr, Heimatabend im Hof der Grundschule Lambrecht (Eintritt frei) mit dem Esthaler Musikverein, der Aufführung des Volksstücks „Eine Geißbocklieferung mit Hindernissen“ und Übergabe des Geißbocks an das jüngste Lambrechter Brautpaar. Der Geißbockmarsch am Dienstag nach Pfingsten, 17. Mai, startet um 5.30 Uhr von der Friedrich-Ebert-Brücke aus nach Deidesheim. (awk)