Neustadt Ein Neustadter Thaiboxer in Bangkok
Der in Neustadt aufgewachsene Huy Nguyen hat es in Thailand ins Fernsehen geschafft – als Muay-Thai-Kampfsportler. Dies bedeute übersetzt Thaiboxen, erklärt der 30-Jährige. „Das unterscheidet sich vom westlichen Boxen oder Kickboxen. Im Muay dürfen Fäuste, Kicks, Knie und speziell Ellenbogen im Kampf benutzt werden, was das Verletzungsrisiko im Kampf erhöht“, sagt er und verweist auf mögliche blutige Cuts.
Der „Clinch“ sei ein besonderes Merkmal im Muay Thai, erklärt Huy Nguyen. Der Kämpfer versuche, im stehenden Wrestling den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und zu Boden zu schmeißen oder ihn mit Kniestößen zu den Rippen und zum Kopf außer Gefecht zu setzen.
Harte Kämpfe, hohe Level
Seine ersten Kämpfe habe er im Thailändischen Badeort Hua Hin bestritten. Wegen seiner wiederholten Kämpfe, „glorreichen Siege und meines speziellen Kampfstils mit dem gedrehten Ellenbogen, spin elbow genannt, wurde der Promoter Kaisuwit Ple auf mich aufmerksam und fragte mich, ob ich auf dem Event Max Muay Thai kämpfen möchte“, erzählt Huy Nguyen, der von 1995 bis 2005 beim VfL Neustadt Fußball gespielt hat – von den Bambini bis zur B-Jugend. Die Max-Muay-Thai-Show sei eine der berühmtesten Muay-Thai-Unterhaltungsshows, die weltweit ausgestrahlt würden. Sie sei dafür bekannt, dass Ausländer gegen Thais anträten. Nguyen: „Weltbekannte Thai-Superstars wie zum Beispiel Buakaw BaNchamek oder Sittichai Sitsongpeenong haben dort schon gekämpft. Oder die aus Deutschland stammende Brüder Enriko und Juri Kehl.“ Die Kämpfe seien hart, das Level hoch. „Ich bin sehr glücklich, dort gekämpft zu haben, auch wenn ich meinem Kampf nach Punkten gegen einen Thailänder verloren habe. Es wird nicht der letze Kampf dort gewesen sein.“ Huy Nguyen hat über seinen Bruder diesen Kampfsport entdeckt. „Er hat mich zu meinen ersten Trainingseinheiten nach Mannheim zu den ,Thai Bombs’ mitgenommen, wo er mittlerweile schon circa zehn Jahre Mitglied ist“, erzählt der 30-Jährige. In Neustadt werde dieser Kampfsport nicht betrieben. „Danach bin ich zu Frankers Fight Team in Germersheim gewechselt“, wo er unter dem ehemaligen Nationaltrainer des Muay-Thai-Bundes Deutschland, Frank Schneider, trainiert habe. Seit Februar 2016 lebt er nicht mehr in Deutschland, sondern in Thailand – „alles im Zeichen des Kampfsports und der Liebe und Leidenschaft zu Muay Thai“. Huy Nguyen schwärmt: „Ich bin hier, um alles über Muay Thai zu lernen, zu leben und zu atmen. Es ist nicht immer einfach, in einem fremden Land ohne Sprachkenntnisse zurecht zu kommen. Aber Muay Thai ist mein Leben.“
Will Muay-Thai-Schule in Neustadt
Seine Eltern leben immer noch in Neustadt, sein älterer Bruder ist mittlerweile in Ludwigshafen zu Hause. Nguyens Großeltern stammen aus Vietnam und sind während des Vietnamkriegs ins Nachbarland Laos geflüchtet, „wo meine Eltern geboren worden sind“. Sein Vater und seine Mutter lebten schon seit über 35 Jahren in Deutschland. Huy Nguyen wohnt nun im Zentrum von Bangkok. Kontakt zu den Neustadtern habe er kaum noch, erzählt er. „Wirklich regelmäßigen Kontakt habe ich nur zu meinen Eltern, meinem Bruder und zu meinem damaligen Trainer Frank Schneider“, berichtet Nguyen. Ansonsten pflege er Kontakte in den sozialen Medien, „wie es in heutiger Zeit üblich ist“. Nach ein, maximal zwei Jahren Aufenthalt in Thailand möchte Nguyen eine Muay-Thai-Schule in Neustadt eröffnen, „da dort und in der näheren Umgebung keine existiert“. Nguyen: „Ich glaube fest daran, dass es eine Bereicherung für viele Bürger Neustadts sein wird. Vor allem für Frauen zur Selbstverteidigung und für Jugendliche, um ihnen einen Ort zu geben, wo sie was Sinnvolles erlernen können.“ Denn bei diesem Sport gehe nicht darum, „sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen“, sondern es würden unter anderem Respekt, Disziplin und Selbstkontrolle gelehrt. Nguyen betont: „Miteinander und nicht gegeneinander.“
Einsamer Wolf
Fußball spielt Huy Nguyen übrigens nicht mehr. Fußball sei ein Teamsport. Sieg oder Niederlage hingen von der Gesamtleistung des Teams ab, erklärt er. „Ich bin eher der einsame Wolf mit einer Löweneinstellung.“ Mit Selbstverantwortung und Disziplin wolle er den Erfolg. So vermisst der Kampfsportler zwar nicht die Kickerei, doch aber „ab und zu die Pfälzer Gerichte“. Pälzer Lewwerknepp gebe es in Thailand nicht, sagt er lachend. Doch genieße er die Vielfältigkeit der thailändischen Küche. Am liebsten esse er „Pad Thai“, ein thailändisches Reisnudelgericht, „Tom Yam Gung“, eine scharfe Garnelensuppe, Som Tam, einen frischer Papayasalat süßsauer und scharf, aber auch jegliche Meeresfrüchte sowie Obst, das an jeder Ecke verkauft werde: unter anderem frische Kokosnuss und Mango. „Es ist viel zu viel, um alles hier zu erwähnen“, meint Huy Nguyen lachend. Kontakt Huy Nguyen auf Instagram: asiaticzzz