Neustadt Ein netter Bösewicht

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Deidesheim. Die „bösere Hälfte“ von „Badesalz “ – so kündigte sich Gerd Knebel am Freitagabend in der Deidesheimer Stadthalle seinen Zuschauern an und machte damit gleich klar, dass er ein Freund der härteren kabarettistischen Gangart ist. So geizte er in seiner Präsentation der „Wörld of Drecksäck“ nicht mit Schimpfwörtern und scheute auch vor härteren Themen wie Terror und Kriminalität nicht zurück.

„Seid ihr gut druff?“, erkundigte sich Knebel gleich zu Beginn nach dem Wohlbefinden seiner Zuschauer, die diese Frage umgehend mit einem lauten „Ja“ beantworteten. „Ich brauch 20 Minuten, dann ist das weg“, prognostizierte der hessische Comedian und Musiker, der mit dieser Einschätzung zwar völlig daneben lag, aber die Lacher auf jeden Fall schon einmal auf seiner Seite hatte. Auch mit seiner Schilderung der titelgebenden „Drecksäcke“ konnte Knebel bei seinen Zuschauern punkten. So teilte er seinen Vorschlag mit, wie die Franzosen, die meinten, Selbstmordattentäter mit der Todesstrafe, also genau dem, „was sie wollen“, bestrafen zu müssen, diese viel besser foltern könnten: „Man sollte diesen Drecksäcken im Knast Bilder von lernbegeisterten pakistanischen Mädchen zeigen, das würde die doch auf die Palme bringen“, meinte Knebel. Allerdings würde er auch nicht zu jeder Strafe greifen, denn die Beschallung mit „Helene Fischer wäre akustisches Waterboarding“, so der Hesse, der so schnell sprach, dass es schon eine kleine Herausforderung war, ihm zu folgen. Eine Herausforderung, die allerdings gelang. Ebenso gelungen war Knebels Darstellung des „Drecksackkarussells“ – denn nur mit einem Klick, zum Beispiel bei „Amazon oder Zalando“, werde selbst der harmloseste Bürger Teil der Drecksackszene. Daher wäre ein „Drecksackwarnsystem“, gerade im Alltag von Vorteil. Aber da führe ja manchmal schon eine harmlose Nachfrage beim Ehepartner, den man nur rein akustisch nicht verstanden hat, zu einem lautstarken Streit, weil „alle außer dir“ das Gesagte doch verstehen würden. Einige Zuschauer schienen dieses Szenario wohl zu kennen, wenn man die lauten Lacher als Indikator dafür nimmt. Wenn Knebel dagegen eher die Welt der bitterbösen Ironie und des tiefgründigen Sarkasmus betrat, waren die Lacher verhaltener. Sein Plädoyer, Frankfurt müsse unbedingt alles dafür tun, um seine Spitzenposition in der Kriminalitätsstatistik zu verteidigen, denn „Köln bemüht sich“ sehr, diesen zu erobern, traf nicht alle kabarettistischen Geschmacksnerven der Zuschauer. Auch sein Vorschlag, den Erfinder der mehrfacheinsatzfähigen Sprengstoffwesten für den „Umweltschutzpreis 2016“ zu nominieren, ließ einige erst einmal tief einatmen, statt vor Lachen loszuprusten. Bei seiner musikalischen Zugabe, zeigte Knebel allerdings, dass er ein netter Bösewicht sein kann, denn er unterbrach seine musikalische Darbietung kurz, um einem Zuschauer, der niesen musste, „Gesundheit“ zu wünschen. Das Publikum durfte zudem Teil des Lieds werden und nicht nur unterteilt in drei Gruppen den Refrain unterstützen, sondern auch auf Kommando headbangen. Egal ob mit oder ohne wallender Mähne, die etwa 200 Anwesenden befolgten diesen Befehl und wurden dafür mit einer gesanglichen Darbietung belohnt, die zwar kaum zu verstehen war, obwohl es sich nach Aussage Knebels um die englische Sprache handelte, dafür aber umso amüsanter daherkam und für einen versöhnlichen und ganz drecksäck-freien Ausklang sorgte.

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