Neustadt Ein Krimi aus dem Mittelalter
Wie ein mittelalterlicher „Tatort“ hört sich das an, was Holger Grönwald aus Berlin da an ersten Erkenntnissen zum Besten gibt. Unter der Leitung des anerkannten Archäologen finden seit einigen Wochen an der Wachenheimer Wachtenburg zwischen Süd- und Südostturm Sondierungsgrabungen im Auftrag der Landesdenkmalpflege statt, die Aufschlüsse darüber geben könnten, wie die Burg in Kriegszeiten bekämpft worden ist. Im Fokus stehen dabei die großen Zerstörungen in den Jahren 1470 und 1471 durch den Pfalzgrafen Friedrich I., genannt der Siegreiche, und jene von 1689 im Verlauf des Pfälzischen Erbfolgekrieges durch französische Soldaten. Die Franzosen sprengten damals den Bergfried. Untersuchungsgegenstand ist gegenwärtig die östliche Ringmauer, die laut Dieter Weilacher, Vorsitzender des Förderkreises zur Erhaltung der Ruine, wegen Einsturzgefahr so schnell wie möglich saniert werden muss. Seit September legt das siebenköpfige Grabungsteam, zum großen Teil bestehend aus Studenten des Instituts für Archäologische Wissenschaft von der Universität Freiburg, Teile der Mauer frei. Sie stützte den Palas, wo der Rittersaal, die Räume der Burgherren und die Küche untergebracht waren, und diente gleichzeitig als Wand. Die interessanteste Entdeckung bisher waren komplett verkohlte Holzbalken und Baumstämme, die dem Archäologen Hinweise darauf geben können, wann und wie dieser Teil der Burg zerstört wurde. Die Geschichte könnte sich demnach folgendermaßen abgespielt haben: Die seinerzeit mit der Zerstörung der Mauer beauftragten Krieger haben längs der Mauer eine Öffnung von ungefähr einem Meter Höhe und Tiefe geschaffen und diese mit Holz gefüllt. Dieses Holz wurde angezündet und brannte – so wird vermutet – etwa eine Woche. Auf diese Weise sei das Gestein porös gemacht und die Mauer zum Einsturz gebracht worden. Diese Vorgehensweise spricht nach Ansicht des Experten für die Tat Friedrichs I., weil das für Sprengungen erforderliche Schwarzpulver zu seiner Zeit (zu) teuer war. Die Franzosen, die im 17. Jahrhundert wahre Sprengmeister gewesen seien, hätten sicherlich nicht diese herkömmliche Methode angewendet, vermutet Grönwald. „Die Bestimmung des Alters der verkohlten Hölzer wird uns dann Aufschluss darüber geben, ob diese Theorie stimmt“, so der Wissenschaftler, der schon früher einen Bauphasenplan und einen Gesamtplan der Burg sowie der damaligen Umgebung erstellt hat. „Wir vom Förderverein sind auch schon sehr gespannt, welche Ergebnisse die Untersuchungen bringen“, sagt Dieter Weilacher. Er selbst geht davon aus, dass es die Franzosen 1689 gewesen seien, die für die Schäden an der Mauer verantwortlich zeichnen. Für Archäologie-Studentin Lara Gmirek (27) waren die vier Wochen auf der Burg eine tolle Erfahrung. „Wir können einen spannenden Abschlussbericht schreiben“, sagt sie. Kommilitonin Vera Rammelkammer (20) war von der Gastfreundschaft des Fördervereins angetan. „Die haben sich toll um uns gekümmert“, erzählt sie tief beeindruckt. Beide gehen mit Wehmut und dem Dank des Fördervereinsvorsitzenden, der die hervorragende Arbeit des studentischen Grabungsteams mit einem Extra-Lob würdigte, nach Hause. „Nächstes Jahr kommen wir als Urlauber zurück und schauen uns an, was aus der Burg geworden ist“, freuen sich die Studentinnen. Sollten sie tatsächlich im Frühjahr anreisen, werden sie die dritte Grabungskampagne beobachten können. Bis dahin soll der letzte Abschnitt der knapp 40 Meter langen Ringmauer freigelegt sein. „Wenn wir damit fertig sind und von der Landesarchäologie grünes Licht bekommen, können wir mit der Sanierung der maroden Mauer beginnen“, erklärt Dieter Weilacher. Die dafür veranschlagten Kosten von 450.000 Euro werden jeweils zu einem Drittel vom Land, der Stadt Wachenheim und dem Förderverein getragen.