Neustadt Ein dufter Job
«Deidesheim/Mannheim.» Die Uhr zeigt 4.20 Uhr, als Monika Schmitt in ihr Auto steigt. Ihr Gatte Wolfgang liegt noch im Bett. Das Wichtigste trägt sie bei sich: einen großen Zettel mit Notizen und ihren Geldbeutel. Damit ist sie gewappnet für den Großmarkt in Mannheim. Dort, wo sie um 4.50 Uhr eintrifft und die Marktaufsicht sie bei der Einfahrt durchwinkt. Man kennt sich im Laufe der Jahre, da braucht sie keinen Ausweis mehr zu zeigen. Die 55-Jährige fährt links zum Blumengroßmarkt, findet vor dem Eingang einen Parkplatz, holt sich einen großen Wagen. Und schon taucht sie ein in die bunte Blumenwelt. Punkt 5.10 Uhr herrscht dort reges Treiben. Es sind schätzungsweise 95 Prozent Frauen, die an diesem frühen Morgen einkaufen. Die Welt der Floristen scheint eine weibliche Welt zu sein. Die Großhändler haben ihre Pflanzen, Kräuter und Schnittblumen längst für den Verkauf platziert. Schmitt steuert den Stand von Andreas Waigand aus Weingarten an. Dort findet sie Rosen in allerlei Farben. Für ein Hochzeitsgebinde hat sie schon zwei Wochen zuvor 80 cremefarbenen Rosen bestellt. Eine ganz spezielle Sorte. „Da gehe ich kein Risiko ein. Gerade bei Hochzeiten sind meine Kunden zurecht besonders anspruchsvoll“, erklärt Schmitt. Die Floristin, die seit 23 Jahren den Blumenladen Ringelblume führt, sucht in den frühen Morgenstunden vor allem die Stände regionaler Blumenhändler auf. „Ich lege Wert auf regionale Pflanzen“, sagt Schmitt. Sie verzichtet auf Waren von holländischen Blumenhändlern: „Bei der ausländischen Ware weiß ich nicht, wie die Blumen behandelt wurden.“ Also fährt sie dreimal in der Woche auf den Großmarkt und verzichtet dafür auf drei Stunden Schlaf. Schmitt schiebt ihren Wagen durch die Gänge, nimmt drei Salbeisträucher aus einem Eimer, dann noch drei Sträucher frischgeschnittene Sonnenblumen sowie Hortensien und Eustoma, das sogenannte Rosenenzian. Bei Rainer Schehlmann aus Schifferstadt findet sie tiefrote Keniarosen. Davor nimmt sie noch frische Kamille aus dem Regal. Ihr Blick geht immer wieder zum Einkaufszettel. Bei Bernhard Kaiser, der mit seinem Sohn Sebastian einen Stand führt, nutzt sie einige Minuten zum Gespräch. Schmitt erfährt, dass der Gärtnermeister schon um 2 Uhr mit der Anlieferung der Schnittblumen begonnen hat. Der Ludwigshafener hat Dahlien, Calosien und Bartnelken im Angebot. Auch da greift Schmitt zu. An jedem Stand bezahlt sie in bar, ganz traditionell. „Gefeilscht wird hier aber nicht“, sagt Schmitt augenzwinkernd. Der Wagen ist voll beladen. Es geht zurück zum Auto – um 6.10 Uhr. Monika Schmitt ist noch nicht am Ende. Sie sucht noch das „Spezielle“. Dafür begibt sie sich in das Untergeschoss eines Blumengroßhändlers aus Römerberg, wo sie ein Meer von Rosen erwartet. Schmitt greift in die Eimer, nimmt die Schnittblumen auf den Arm. „Ich hole aber nur dort diejenigen Pflanzen, die ich nicht aus der regionalen Zucht bekomme“, erzählt Schmitt, weshalb sie nun doch auf Importware zurückgreifen muss. Vom Kühlhaus im Keller fährt sie wieder nach oben. Es ist kurz vor sieben Uhr. Noch ein letzter Rundgang steht bevor. Bei Gärtner Weber aus Schifferstadt findet Schmitt einen Strauß grüne Beeren, dann noch die roten Brombeeren, weißes Schleierkraut. Bei einem Mannheimer Händler greift sie nach den Töpfen mit Rosmarin und Schnittlauch. Auch Kräuter kommen in Schmitts Sträuße, die sie zu Hause in Deidesheim fertigt. Es geht zum letzten Mal an die Kasse. Dann noch auf einen Sprung in das benachbarte Kiosk. Zeit für den ersten Kaffee und ein belegtes Brötchen. Dort trifft sie auch eine frühere Kollegin, mit der sie sich kurz austauscht. Gegen acht Uhr ist sie wieder in ihrem eigenen Laden an der Weinstraße. Dann beginnt erst die eigentliche Arbeit. Gemeinsam mit ihren beiden angestellten Floristinnen entlädt sie den Wagen. Dann schneiden sie die Schnittblumen an und stellen sie in frisches Wasser. Die ersten Blumen werden verkauft, die ersten Sträuße gebunden. „Ich habe den Schritt, einen eigenen Laden aufzumachen, bis heute nicht bereut. Ich könnte mir auch nichts anderes vorstellen“, sagt Schmitt. Sie liebt den Kontakt zu ihren Kunden: „Die Vielfalt macht es aus. Jeder Mensch ist anders, jeder hat andere Wünsche. Dafür stehe ich gerne so früh morgens auf“, sagt die Floristin.