Neustadt Ein Berater soll helfen

Zehn ernsthafte Interessenten waren beim zweiten „Runden Tisch Gemeinschaftliches Wohnen“ am Mittwochabend ins Mehrgenerationenhaus gekommen. Ein Trio ehrenamtlich engagierter Frauen führt das Projekt.
„Es geht uns darum, ein Generationen übergreifendes Wohnobjekt zu gestalten, in dem die Bedürfnisse aller Bewohner entsprechend berücksichtigt werden“, sagt Karin Fritzsche, einer der drei Frauen. Die Neustadterin ist 72 Jahre und auf der Suche nach einer geeigneten Wohnform, die ihr auch im Alter ein selbst bestimmtes Leben ermöglicht. „Altenpflegeheim, nein, das kommt für uns nicht in Frage“, ist die Aussage der meisten Anwesenden. Unterstützt wird der Arbeitskreis durch die Stadtverwaltung. Sandra Gröschel-Krämer, Abteilungsleiterin Senioren, und Sozialdezernent Ingo Röthlingshöfer sind regelmäßige Teilnehmer beim „Runden Tisch“. Noch gibt es kein festes Gerüst, nach dem das Konzept aufgestellt werden soll. Denn dazu sollten sich die Interessenten zunächst mit all ihren Vorstellungen, Wünschen und Visionen einbringen. Fritzsche sammelte die Informationen der ersten Treffens und stellte einen Zeitplan auf. So gibt es im September ein weiteren „Runden Tisch“, im Oktober wird die Wanderausstellung des rheinland-pfälzischen Familienministeriums zum Thema „gemeinsames Wohnen“ nach Neustadt geholt. Dann können sich die Neustadter über die verschiedenen Projekte, die bereits landesweit realisiert wurden, informieren. Am Mittwoch wurde deutlich, dass die Interessen der Beteiligten sehr nahe beieinander liegen. „Die Unabhängigkeit im Alter soll bestehen bleiben, der Wohnraum muss bezahlbar sein, neben einer abgeschlossenen Wohnung muss es Gemeinschaftsräume geben, alle Generationen sollten vertreten sein“, fasste Fritzsche die Anliegen zusammen. Bislang sind Menschen zwischen 50 und 75 Jahren im Boot. Alle anderen, die ebenfalls interessiert sind, können sich in den laufenden Prozess einbringen, betonen die Verantwortlichen. Geplant ist, bis Ende des Jahres das Projekt soweit umrissen zu haben, dass eine Beraterfirma die juristische und technische Hilfestellung übernimmt. „Es funktioniert bei dieser Aufgabenstellung nicht ohne fachliche Unterstützung eines externen Beraters“, sagte Röthlingshöfer. Zunächst jedenfalls geht es den Beteiligten darum, den ideellen Rahmen weiter abzustecken. „Details, wie Grundstück, Gebäude, Finanzierung kommen erst, wenn wir einen festen Kreis gebildet haben und sehen, dass hier nicht nur Bedarf besteht, sondern diese Wohnform auch umgesetzt werden soll“, erklärte Fritzsche. „Schon einmal vor rund 20 Jahren sei ein Vorstoß gemacht worden, der jedoch wegen fehlender Unterstützung einschlief“, berichtete Erika Rohleder vom Deutschen Frauenring. Ein eigenes Projekt plant das Diakonissen-Mutterhaus in Lachen-Speyerdorf. „Wir haben dort Gebäude und Gelände“, so Schwester Iris Daut. Imke Hellwig, von der Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose, wies auf die baulichen Bedürfnisse älterer Menschen hin. „Barrieren gibt es aber auch im Kopf“, warf eine weitere Teilnehmerin ein. Ihr gehe es weniger um die materielle Ausstattung, sondern um das soziale Miteinander. So sollte auch an jene Menschen gedacht werden, die nur eine geringe Rente bezögen. (kle)