Neustadt Ein Bauwerk mit bewegter Geschichte

Die Geschichte der Deidesheimer Michaelskapelle reicht bis ins Jahr 1470 zurück.
Die Geschichte der Deidesheimer Michaelskapelle reicht bis ins Jahr 1470 zurück.

Mit dem ersten Patronatsfest zu Ehren des Heiligen Michael, neu gewählter Patron der fünf Gemeinden der Pfarrei Heiliger Michael Deidesheim, an der Michaelskapelle auf dem Martenberg bei Deidesheim wurden Erinnerungen wach. Sie sind Zeugnis vielerlei geschichtlicher Epochen.

Dass überhaupt dieses kirchliche Ereignis an der Michaelskapelle stattfinden konnte, ist auf das während des Zweiten Weltkrieges von dem damaligen Stadtgeistlichen Prälat Heinrich Hartz verkündete Gelöbnis zurückzuführen: „Wenn Deidesheim unter dem Schutz des heiligen Michaels vor Kriegsschäden verschont bleibe, werde das seit Generationen verfallene Kirchlein wieder aufgebaut.“ Und siehe da: Bereits drei Monate nach Kriegsende führte eine Dank- und Bittprozession zur Ruine. Der im Weinstädtchen einquartierte US-Sergeant Louis McGuinness, späterer Abgeordneter seines Heimatstaates Michigan in den Vereinigten Staaten, spielte dabei eine entscheidende Rolle. Als Deidesheimer Sonntagsgottesdienstbesucher hatte er sich mit älteren Messdienern, so auch mit Prälat Hartz, angefreundet und erreicht, dass die besagte Bittprozession nicht als verbotene Massenzusammenkunft, sondern als kirchliche Zeremonie bewertet wurde. Die Kapelle geht auf das Jahr 1470 zurück. Doch dieser erste Bau zerfiel bereits im 17. Jahrhundert und wurde 1662 wiederaufgebaut. Im Laufe der Zeit verfiel auch dieser Bau, als nach den Revolutionskriegen um 1794 alles zerstört war und keine Mittel mehr für einen Wiederaufbau zur Verfügung standen. In einer Chronik war zu lesen: „Die schlichte Kapelle stellte bei ihrer Erbauung die beschwörende Antwort der Kirche an die Geister der in der Nähe befindlichen sogenannten Heidelöcher auf der Kuppe des Berges dar.“ Die Heidelöcher waren Ausgrabungen zufolge ursprünglich eine keltische Fliehburg. Sie wurde in den Notzeiten des früheren Mittelalters von der Bevölkerung als Zuflucht benutzt und zum besseren Schutz der Flüchtlinge mit Häusern ausgestattet. Das Vorhaben von 1945, die Kirchenruine wieder aufzubauen, zog sich wegen Materialmangels bis 1952 hin. Am 18. Oktober 1952 weihte der damalige Erzbischof von München-Freising, Josef Wendel, ehemaliger Bischof von Speyer, den Altar der Kapelle. Seit der Wiederherrichtung wurde die Kapelle zwar unterhalten, dennoch nagte der Zahn der Zeit an ihr, hinterließ innen wie außen seine Spuren. Und immer deutlicher, da kaum Zuschüsse flossen. Um so mehr war die Initiative des Ruppertsberger Winzerehepaares Lindtrud und Josef Weiner zu begrüßen. Durch Weiners Elan und Tatendrang fanden sich immer mehr Deidesheimer Gleichgesinnte, rund 30 Helfer, Geschäftsleute und Architekten ein. Sie standen mit Rat und Tat zur Seite, leisteten freiwillig umfangreiche Reparaturarbeiten und stellten Geräte zur Verfügung. Am 19. März 1995 war es dann soweit: Das neu gestaltete Kleinod von Deidesheim wurde auf den Tag eingesegnet, an dem 50 Jahre zuvor amerikanische Kriegseinheiten das Weinstädtchen besetzt hatten, und war Teil des Fests zum 600-jährigen Bestehen der Stadt. Während der Stadtpfarrer Walter Stephan hervorhob, dass es Josef Weiner geschafft habe, die Stadt und sogar über Konfessionsgrenzen hinweg Menschen für diese Sache zu begeistern, wertete der damalige Bürgermeister Stefan Gillich diese Arbeit als Symbol christlicher Vergangenheit. Von der „Muttergemeinde Niederkirchen“ nannte Bürgermeister Helmut Kähs die Kapelle ein Wahrzeichen der Heimat. Angesichts der vielen strahlenden Gesichter zitierte der damalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Dieter Noppenberger: „Wer freudig tut und sich des Getanen freut, ist glücklich.“ Noch Fragen? Interessante Wandertipps rund um die Michaelskapelle auf der Internetseite www.deidesheim.de

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