Neustadt „Ein angenehmer Pflichttermin“
Rechtzeitig zum Erlebnistag „Deutsche Weinstraße“ kehrte die Sonne zurück: Da wurde auch die Freude der Besucher aus nah und fern groß, die Seele entlang der für den motorisierten Verkehr gesperrten Weinstraße baumeln zu lassen. Ob zu Fuß oder auf dem Fahrrad, die Feierlaune kannte keinen Grenzen. Auch in Deidesheim herrschte gestern dichtes Gedränge. Ganz besonders in der Kurve zum Hotel Kaisergarten Spa, aber auch vor dem Marktplatz und direkt vor dem historischen Rathaus. Da gab es nur schwerlich ein Durchkommen. Das hat Gründe. Dort hatten einige Ausschankstellen geöffnet, an denen sich die Besucher bei kühler Schorle oder Sekt erfrischen konnten. Und sie bekamen dort auch so manche Kleinigkeit zu essen. Gleich elf Ausschankstellen gab es in Forst und Deidesheim, an denen man sich um das leibliche Wohl der Gäste sorgte. Und überall waren die hochwertigen Räder und E-Bikes zu sehen. Nur wenige wagten sich diesmal zu Fuß auf die Strecke. Ein ganz besondere Ausnahme war der Niederkirchener Bernhard Mohr: Er lief joggend über die Weinstraße. Hochbetrieb herrschte am Kaisergarten bei den „Deisemer Kerwebuwe“, die mit Schorle, Sekt und Secco traditionell in ihrem Frack die Gäste bewirteten. Die elf jungen Männer und ihr neuer Aspirant Samuel Groß kamen schon mächtig ins Schwitzen. Sie waren aber (noch) nicht müde nach dem Kerwestress von den vergangenen beiden Wochenenden, als sie während der Deidesheimer Weinkerwe durch die Gassen gezogen waren. „Das ist heute ein angenehmer Pflichttermin. Wie genießen es auch“, verriet Kerwebub Jan Hock. Der Kerwebuwe-Stand war schon Weitem zu erkennen. Ein großes Herz hatten sie aufgestellt mit den Worten „Riesling macht Liebe“. Man spürte bei ihnen ebenfalls die Liebe zum Riesling, besser zur Rieslingschorle. Das passte dann auch zum Motto des Erlebnistags, das diesmal „König Riesling“ hieß. Es war gestern auch der Tag der Vereine und Gruppen, die sich mit ihrem Engagement ihre Kassen aufbesserten. „Mit diesen Einnahmen bestreiten wir stets unseren jährlichen Ausflug“, erzählte Jan Hock. In diesem Jahr waren die Deidesheimer Junggesellen in Amsterdam, und im kommenden Jahr geht es nach Freising. „Wir sind schon auf diese Einnahmen angewiesen, um die Aufwendungen unserer Arbeit zu decken.“ Der Kaffee- und Kuchenverkauf der katholischen Kirchenstiftung vor der Pfarrkirche St. Ulrich fließt ebenfalls in die Arbeit der Kirchenstiftung ein, genauso wie der Erlös des Schwimmvereins bei seinem Ausschank im Weingut Julius Ferdinand Kimich in dessen Vereinskasse. Am Ausschank am Forster Kindergarten sind die Einnahmen zugunsten der Einrichtung vorgesehen. Der soziale Zweck kommt dabei ebenfalls nicht zu kurz. Bei Schellers „Schorle to go“ geht der Erlös an das Kinderhospiz Sterntaler nach Dudenhofen. Es lief alles reibungslos, es gab keine Störungen. Daran hatte auch der ehemaliger Kerwebub Ulrich Eichberger seinen Anteil. Der zweifache Familienvater sorgte vor dem Startschuss um 10 Uhr zur acht Stunden langen autofreien Weinstraße, dass sämtliche Absperrungen aufgestellt wurden, um die Sicherheit der Besucher auf der Weinstraße zu gewährleisten. Nicht nur innerhalb von Deidesheim kümmerte sich Eichberger um die Sicherheit. Auch am Bahnübergang zwischen Deidesheim und Mußbach, wo es immer wieder zu Unfällen kommt. Er sperrte den Übergang mit den schräg verlaufenden Schienen und sorgte für eine Umleitung durch die Weinberge. Eine pfiffige Idee. Niemand blieb mit den Fahrradreifen – nach möglichem Rieslinggenuss – zwischen den Bahngleisen hängen oder stürzte gar.