Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Ehrenamtliche First Responder in Duttweiler und Geinsheim

First Responder: Bernd Vester (links) und Samuel Dornbusch an ihrem Einsatzfahrzeug.
First Responder: Bernd Vester (links) und Samuel Dornbusch an ihrem Einsatzfahrzeug.

Bei einem medizinischen Notfall zählt jede Minute. Deshalb werden im Gäu parallel zum Rettungsdienst auch die First Responder alarmiert, die binnen weniger Minuten beim Patienten sein können. Seit November werden auch Duttweiler und Geinsheim von den „schnellen Rettern“ versorgt.

Stolz zeigt Samuel Dornbusch das Einsatzfahrzeug der First Responder: Dieses ist voll ausgestattet mit einem kleinen EKG mit integriertem Defibrillator, Sauerstoff, einer elektrischen Absaugpumpe, dem Notfallrucksack inklusive Material für venöse Zugänge sowie einer Trauma-Tasche zum Behandeln von stark blutenden Wunden, Verbrennungen oder Amputationsverletzungen. Außerdem verfügt die Gruppe seit Anfang 2018 über einen Kindernotfallrucksack. „Da ist alles drin, was wir für die Erstversorgung vom Neugeborenen bis zum Teenie brauchen“, erklärt Dornbusch. „Fast am Wichtigsten aber ist der kleine Arzt-Teddy – der ist bei der Behandlung von Kindern unersetzlich.“

Die Rettungskette schließen

Samuel Dornbusch ist der Gruppenleiter der First Responder Gommersheim und Gäu, die zu sämtlichen Notfällen in Gommersheim, Böbingen, Altdorf, Freimersheim, Geinsheim und Duttweiler gerufen werden, bei denen auch der Rettungsdienst alarmiert wird. Der Grund: Während die Rettungswagen aus Edenkoben, Neustadt, Landau oder Speyer rund 15 Minuten bis zu den Orten im Gäu benötigen, können die First Responder binnen weniger Minuten beim Patienten sein und dort mit den ersten, oft lebensrettenden Maßnahmen beginnen. „Diese wenigen Minuten können bei Notfällen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, aber auch bei Verkehrsunfällen entscheidend sein“, erklärt Dornbusch. „So können wir die Rettungskette schließen.“ Als Gruppenleiter koordiniert Dornbusch den Dienstplan, führt die Dienst- und Fachaufsicht, ist verantwortlich für Technik, Material und Ausbildung der Gruppe sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Das Besondere: Alle 18 Teammitglieder sind ehrenamtlich dabei. Als Rettungssanitäter, Sanitätshelfer oder Ersthelfer haben sie eine fundierte Ausbildung. „Bei Einsätzen sind wir immer zu zweit unterwegs, zudem besuchen wir Lehrgänge und treffen uns alle zwei Wochen zum Bereitschaftsabend, wo wir wichtige Handgriffe immer wieder trainieren“, beschreibt Dornbusch die Arbeit. „Wenn wir zum Einsatz gerufen werden, können wir die gelernten Schemata ganz automatisch und zuverlässig anwenden.“

Zehn Dienste neben eigentlichem Job

Bereitschaftsdienst haben die First Responder jede Nacht von 18 bis 6 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen ganztags. Wer tagsüber verfügbar ist, kann sich auch zur „Zufallsbereitschaft“ melden. Alarmiert werden die First Responder von der Integrierten Leitstelle in Landau, bei der die Notrufe eingehen. In der Regel gehe es um Herz-Kreislauf-Probleme, häusliche Unfälle oder Verkehrsunfälle. Bis zu zehn Dienste pro Monat übernimmt jedes Mitglied der Gruppe, neben dem eigentlichen Job. „Wir sind eine bunte Mischung aus jungen und älteren Menschen, Frauen und Männern, und uns eint die Überzeugung für unsere Arbeit“, sagt Dornbusch und fügt hinzu, dass die Gruppe sich über weitere ehrenamtliche Mitstreiter freut. „Durch die Erweiterung unseres Einsatzgebietes kommt die B39 hinzu, deshalb erwarten wir mehr Einsätze im Hinblick auf Verkehrsunfälle, da es sich beim Bereich der Bundesstraße um einen gefährlichen Abschnitt handelt.“ Aber auch generell sei eine steigende Einsatzzahl zu verzeichnen, im Jahr 2018 rückte das Fahrzeug der Ersthelfer 102-mal aus.

Angst nehmen und Vertrauen schenken

Die First Responder sind eine Gruppe der Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes in Gommersheim und finanzieren sich nur über Spenden. Der Förderverein mit 50 Mitgliedern kümmert sich um Beschaffungen für die Einheit und Einnahmen durch Zuwendungen und Spenden, auch die Ortsgemeinden beteiligen sich durch Spenden. „Oft kommen die Angehörigen oder die Patienten selbst nach einem Einsatz zu uns, um sich mit einer Spende erkenntlich zu zeigen“, erzählt Dornbusch, für den neben medizinischen Kenntnissen die Psychologie eine wichtige Rolle spielt. „Man muss dem Patienten die Angst nehmen und ihm Vertrauen schenken, dass er gut versorgt wird. Und sich natürlich auch um die besorgten Angehörigen kümmern. Wenn die Betroffenen das wertschätzen, ist es eine schöne Belohnung für unseren Einsatz. Und genau das motiviert uns.“ Online sind die First Responder zu finden unter www.firstresponder-gommersheim.de.

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