Kirrweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Edelhoftheater: Wie aus alten Stücken ein neues wird

Kinder. Jugendliche und Erwachsene stehen im Jubiläumsstück gemeinsam auf der Bühne.
Kinder. Jugendliche und Erwachsene stehen im Jubiläumsstück gemeinsam auf der Bühne.

Mit dem Stück „Das Jubiläum“ feiert das Edelhoftheater sein eigenes 25-jähriges Bestehen. Figuren vergangener Produktionen werden in ein neues Szenario verwickelt.

2001 feierte das Edelhoftheater zum ersten Mal Premiere – auf Anregung des damaligen Ortsbürgermeisters Wolfgang Roth im Zusammenhang mit der 800-Jahrfeier Kirrweilers. Ensemble und Bühnentechnik werden exklusiv aus dem Weindorf rekrutiert. Unter dem Motto „Das Jubiläum“ hat das Team um Regisseur Bodo Redner einen besonderen „Nostalgie-Faktor“ eingebaut. In 21 Sprechrollen werden so viele Akteurinnen und Akteure wie nie zuvor in einer komplexen Handlung versammelt.

Während die Truppe, schon kostümiert, im Pfarrgarten den ersten Durchlauf probt, werden Requisiten und Akustik noch auf der Freilichtbühne justiert. Im Moment sei der Nachwuchs derartig „geschrumpft“, erklärt Bodo Redner. So habe man gemeinsam beschlossen, die Erwachsenen und die Kinder- und Jugendgruppe erstmals im selben Stück auftreten zu lassen. Schauplatz des Geschehens ist der „Archivraum“ des Edelhoftheaters. Ein Unbekannter hat heimlich geraucht und seine Kippe nicht anständig entsorgt. Schöne Bescherung: Der dadurch ausgelösten Feuersbrunst ist ein Großteil der hier aufbewahrten Stücke zum Opfer gefallen. Einige Figuren sind rechtzeitig geflohen, verstehen aber, ihrer Bestimmung entrissen, buchstäblich die Welt nicht mehr und machen sich zu allem Übel auch noch auf den Weg, die Realität jenseits der Vierten Wand zu erkunden. Auf diese Weise kommt Kirrweiler als Umgebung selbst zur Geltung.

Durch den Wolf gedreht

Liebevoll und augenzwinkernd dreht das Edelhoftheater seine eigenen Schöpfungen durch den Wolf. Zwei ihrer Projekte, enthüllt Redner, seien in ihren Augen weniger vorteilhaft gealtert als die anderen. „Die haben wir im Stück gleich ganz dem Feuer übergeben“, erklärt er schmunzelnd. Die Figuren bieten etwas für alle Geschmäcker, von scheu bis schrill. Auffällig gibt etwa Königin Krimhild aus der Komödie „Helden und Jungfrauen“ vom vergangenen Jahr den Ton an, im unentwegten Zank mit ihre Gegenspielerin Königin Antoinette, der Regentin „mit einer Schwäche für Schweineschnitzel“. Einige skurrile Paare entstehen. So sieht man Sonja, die „schusselige Elfe“ (die einzige, zum Ersatz aus Bornheim besetzte Rolle) aus der Produktion „Das Spiel“ (2023) im Verbund mit dem Clown aus dem Stück „August, August, August“ von Pavel Kohout, das in Kirrweiler 2007 zu sehen war. Aus „Schwanensee“ (2022) sind die Enten Nino und Tino (zwei Jugendrollen) und die weiße Schwänin „Odette“ mit von der Partie. Auch das Monster aus „Frankenstein“ nach Mary Shelley gehört in diese Gruppe, hier als eine Art Schwerenöter in Nadelstreif, für den manches Frauenherz höher schlägt. Elwood, der „in sich gekehrte“ Held aus „Mein Freund Harvey“ von Mary Chase, hat sogar einen unsichtbaren Begleiter. Der kiffende Zuhälter Udo aus „Das Spiel“ geht dafür Becci, der gepflegten Stewardess aus „Funny Landing“ von Bernd Spehling (aufgeführt 2008), auf die Nerven.

Wie aus Fragmenten eine Familie wird

Die Motive hat das Team so ausgesucht, dass sie diesen Konvent durch gezielte Wiedererkennungseffekte bereichern. Dem urkomischen Winzer Graf Riesling aus Wolfgang Roths „Graf Rieslings Tod im Weinberg“ (produziert 2001 unter der Regie von Irmtraud Degenhardt) gebührt ein Ehrenplatz, konzentriert in einem prägnanten Auftritt auf Pfälzisch, zuzüglich Weinflaschen. Aber auch der Teufel hat ein Wörtchen mitzureden – leibhaftig im Part des Deumus aus „Freischütz“ von 2019. Es liegt allein in seiner Macht, das Geschehen per imaginäre Pausentaste einzufrieren und durch Manipulation der Personen und ihre Gesten diskret umzuleiten. Dagegen muss sich Barbara, die „Archivarin des Edelhoftheaters“, mit dem um sie quirlenden Zirkus feinfühliger befassen. Allmählich raufen sich die Beteiligten dennoch zusammen.

Das wird auch Ansgar, der „Regisseur“, einsehen. Vorerst prahlt er noch von seinen eigenen Plänen fürs Jubiläumsjahr: „Künstlerisches Neuland – eine Mischung aus Minimalismus und Moderne!“ Nicht nur namhafte Darsteller, auch ein ganzes Orchester habe er dafür engagiert. Wie die heimatlosen Fragmente zu einer neuen „Familie“ zusammenwachsen, davon berichtet die neue Inszenierung. Dazu wird auch viel gesungen – alle Lieder hat das Ensemble selbst verfasst und vorab aufgenommen.

Termine

Vorstellungen am 12., 13., 19., 20., 26. und 27. Juni jeweils um 20 Uhr auf der Freilichtbühne im Pfarrgarten des Edelhoftheaters in Kirrweiler. Einlass eine Stunde vor Beginn durch den Eingang im Edelhof, Kirchstraße 20. Karten (15/10 Euro) unter https://edelhoftheater.de und bei der Beauty Lounge im Soderweg 7 in Kirrweiler, Telefon 06321 5790067, und an der Abendkasse.

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