Neustadt Du sollst dir ein Bildnis machen
Vier eigene Ausstellungen und ein Kooperationsprojekt mit der Stadt hat sich der Neustadter Kunstverein für 2018 in der Villa Böhm vorgenommen, wie der Vorsitzende Wolfgang Glass berichtet. Los geht es schon am 6. Januar mit der Schau für Manfred E. Plathe, mit der Stadt und Verein gemeinsam einen Künstler ehren, der die Neustadter Kunstszene und den Kunstverein in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich geprägt hat – Anlass ist der 70. Geburtstag, den Plathe am 3. Dezember feiern konnte (wir berichteten). Auch im weiteren Verlauf des Jahren bestimmen Einzelausstellungen das Bild: Als erstes ist von 16. Februar an Konstantin Voit an der Reihe, der in seiner Mannheimer „Malfabrik“ seit 1993 die vielleicht weltgrößte Schablonen-Sammlung zusammengetragen hat und mit seinen daraus entwickelten Motiven, etwa verfremdeten Marken-Logos, den Originalitäts-Topos der modernen Kunst auf hintersinnige Weise an seine Grenze führt (bis 4. März). Am 18. Mai folgt der junge Berliner Fotograf Jakob Ganslmeier, der 2015 für seine Serie „Trigger“, eine dokumentarische Langzeitbeobachtung von Soldaten der Bundeswehr, die nach Auslandseinsätzen unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, mit dem „European Photo Exhibition Award“ ausgezeichnet wurde. Ob er auch in Neustadt Fotos dieser Serie zeigen werde, stehe noch nicht fest, so der Künstler auf Nachfrage. Sicher mit dabei ist aber eine andere Serie, „Lovely Planet: Polen“, in der er das Genre Reiseführer aufgreift und die sieben Hauptkategorien der „Lonely Planet“-Guides wie Schlafen, Essen, Entertainment oder Sightseeing auf vom Strukturwandel gezeichnete Orte in Polen anwendet, an die bestimmt niemand reisen möchte (bis 3. Juni). Nach den Sommerferien, von 24. August bis 9. September, steht dann wieder die „Junge Künstler in der Villa“-Ausstellung auf dem Programm, für die die Bewerbung im April beginnt, und ab 24. November schließt eine Schau mit dem Ludwigshafener Veit Schmidleitner, dem Sieger bei der letzten Nachwuchsausstellung 2016, das Jahresprogramm ab (bis 9. Dezember). Der Airbrusher überzeugte die Jury des Kunstvereins 2016 mit einem seiner großformatigen Lackbilder auf Edelstahl, macht aber auch skulpturale Objekte. Sonderveranstaltungen hat sich der Kunstverein für 2018 nicht vorgenommen. „Wir haben 2017 geklotzt“, erinnert Glass an Aktionen wie das Japan-Fest im Park der Villa Böhm im Sommer, „jetzt müssen wir mal ein bisschen durchatmen.“ Fünf Kunstausstellung plant die Fördergemeinschaft Herrenhof im neuen Jahr in ihrer Kunsthalle im Kelterhaus, „und eine sechste schwirrt mir noch im Kopf herum“, sagt Hermann Bleiholder, der Schatzmeister der FGH. Die erste Ausstellung im Februar ist dabei eine Hommage an eine große Neustadter Künstlerin, die inzwischen 76-jährige Hambacher Malerin und Bildhauerin Christiane Maether (4. bis 25. Februar). Ab 29. April folgt eine Schau mit Künstlern der „Pfälzischen Sezession“, einer von mehreren Künstlervereinigen der Region, für die der Herrenhof seit einigen Jahren zum bevorzugten Ausstellungsort geworden ist. Zuletzt war er 2016 Schauplatz des ersten Jugendkunstsymposiums der „Sezession“, und auch diesmal soll die Nachwuchsförderung wieder eine gewichtige Rolle spielen, denn, wie Bleiholder ausführt, ist jeder der etablierten Teilnehmer aufgefordert, einen jungen Gastkünstler seiner Wahl einzuladen. Neben Malerei sollen dabei auch Skulpturen gezeigt werden – erstmals übrigens in größerer Zahl auch im Außengelände. „Die Mischung Malerei und Bildhauerei kommt beim Publikum immer sehr gut an“, sagt Bleiholder (bis 27. Mai). Nach der Sommerpause folgt eine Ausstellung mit dem Titel „Dreimal 80“, die Werke des Neustadter Grafikers Werner Korb, des Malers Klaus Heinrich Keller aus Rodalben und des Bildhauers Jochen Winkler aus Königsfeld im Schwarzwald vereint, die alle im nächsten Jahr 80 Jahre alt werden (23. September-14. Oktober), bevor ab Ende Oktober dann eine Neuauflage der „Art imaginär“ ansteht, der regelmäßig im Herrenhof beheimateten großen Gruppenausstellung zur phantastischen Kunst, die wieder von Otfried Culmann kuratiert wird (28. Oktober-25. November). Die Jahresausstellung der „Vereinigung Pfälzer Kunstfreunde“ am zweiten und dritten Adventswochenende komplettiert das Jahresprogramm, das allerdings nach Bleiholders Wunsch noch um eine weitere Schau im August ergänzt werden soll: ein Kooperationsprojekt mit der Kunstfakultät der Uni Landau, wie es das zuletzt 2009 im Herrenhof gab. Das ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. Klar ist dagegen, dass auch 2018 wieder die von Tine Duffing geleiteten Keck-Kunst-Erlebnisführungen und Workshops für Kinder und Jugendliche angeboten werden (die erste am 17. Februar zur Maether-Schau), und dass am 8./9. September wieder der Kunsthandwerkermarkt „Design + Gestaltung“ nach Mußbach kommt. Außerdem werde ja auch bei den Lesungen in der „Literaturvilla“ regelmäßig junge Kunst präsentiert, so Bleiholder. Kunst in Haßloch ist eine steinige Angelegenheit“, lautet das Fazit von Wolfgang Merkel, dem Vorsitzenden des erst im August gegründeten neuen Kunstvereins Haßloch. Die bisherigen drei Ausstellungen in einem ehemaligen Ladengeschäft in der Langgasse 117, das Merkel angemietet hat, seien ganz unterschiedlich angenommen worden – am besten lief das Debüt „Bronco and friends“ im September. Nun wolle man sich erst einmal eine Pause bis Ende Januar gönnen und erst dann festlegen, was für Ausstellungsprojekte 2018 verfolgt werden sollen. „Durchaus möglich, dass es erst im März/April weitergehen wird“, so Merkel, „wir haben da keinen Druck“. In jedem Fall weitergeführt werde die Aktion „Malen für Kids“ für Kinder von 5 bis 11 Jahren, denn die sei sehr gut angenommen worden. Otto Dill – politisch ja oder nein?“, lautet der Arbeitstitel für die Neuhängung im Neustadter Otto-Dill-Museum, die für 16. März geplant ist und wie jedes Jahr um diese Zeit die Sammlungsbestände des dem 1884 in Neustadt geborenen Spätimpressionisten gewidmeten Museums nach neuen Gesichtspunkten arrangiert. Ansonsten plant die Trägerin, die „Manfred Vetter-Stiftung für Kunst und Kultur“, nach Angaben von Juliane B. Vetter 2018 eine Teilrenovierung des Museums und eine Sonderausstellung im Sommer. Bei ersterer gehe es vor allem darum, den Eingang optisch aufzuwerten. „Man sieht ihn einfach so schlecht“, sagt Vetter. Gespräche mit der Stadt liefen, denn es sei geplant, einen Teil des Gehwegs, der ohnehin zum Gebäude gehöre, miteinzubeziehen. Auch die Beleuchtung solle erneuert, „und die technischen Anlagen insgesamt ein bisschen moderner“ gestaltet werden, so Vetter. Die Sonderausstellung ist dem Stillleben-Maler Gerd Stühl gewidmet, der in Zülpich, dem Sitz der Vetter-Stiftung, lebt und im nächsten Jahr 80 wird. „Ich besitze selbst einige Werke von ihm“, sagt Juliane B. Vetter. Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum könnte das Motto beim Weinstraßenatelier in Königsbach heißen, denn nachdem in diesem Jahr der 100. Geburtstag des Malers Ludwig Fellner gefeiert wurde – unter anderem mit einer Ausstellung in der Villa Böhm, die rund 600 Menschen besuchten –, steht 2018 erneut ein Gedenkjahr an. „Wir stellen unsere Angebote im nächsten Jahr unter das Motto ,Weinstraßenatelier – ein Jahrzehnt Kultur vor Ort’“, sagt Ulrike Fellner, die Nichte des 2006 verstorbenen Künstlers und erinnert damit daran, dass das ehemalige Atelier 2008 als Galerie und Kulturtreffpunkt wiedereröffnet wurde. Wie bisher wird das kleine Museum auch 2018 in der warmen Jahreszeit immer am Wochenende geöffnet sein, von Ostersamstag bis 28. Oktober, und wechselnde Werken des Malers zeigen. Von 9. Juni bis 12. August ist außerdem das Fotoforum Neustadt zu Gast und präsentiert Fotografien zum Thema Rost. Auch sieben „Wohnzimmerkonzerte“ sind nach Fellners Worten wieder geplant, jeweils am ersten Samstag im Monat – das erste am 7. April mit dem Songpoeten Michael Raeder aus Niedersachsen. Außerdem ist auch noch eine Lesung aus dem Tagebuch in Vorbereitung, das Ludwig Fellner in den Jahren 1944–1947 in der Kriegsgefangenschaft in Ägypten angelegt hat. „Es wird eine tolle Saison werden“, verspricht Ulrike Fellner, die mit ihrem Team aus ehrenamtlichen Helfern 2017 exakt 1517 Besucher an 59 Öffnungstagen registrierte – eine Steigerung von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwei Projekte verfolgt das Gimmeldinger Künstlernetz im neuen Jahr, wie der Vorsitzende Karl Hoffmann erläutert: zum einen die Jahresausstellung Ende November in der Meerspinnhalle, zum anderen die Veröffentlichung von Band 3 der Kunstbuchserie „Kulturelles Erbe Gimmeldingen“, die dem 1987 verstorbenen Maler und Bildhauer Fritz Wiedemann gewidmet sein wird. „Wir fangen ja gerade erst an“, kann Hoffmann zwar noch nicht sagen, wann das Buch genau fertig sein wird, doch er gehe davon aus, dass es 2018 zu schaffen sei. Ganz auf die „Intonation“, das Keramikkünstler-Symposium, das sie seit 2005 alljährlich in Deidesheim organisiert, will sich Friederike Zeit im kommenden Jahr konzentrieren. Die „Intonation XIV“ findet von 13. April bis 22. April in ihrem Galerie-Atelier auf dem Areal des Deidesheimer Schlosses und in der ehemaligen Synagoge statt – falls diese, wie erhofft, dann bereits wieder zur Verfügung steht. Letzter Stand der Dinge ist, dass die Sanierung des 2016 durch einen Brand beschädigten Gebäudes am 8. Januar beginnt und bis Mitte März abgeschlossen ist. „Ich mache meinen Gegen-Brexit“, sagt Zeit über die Künstler, die sie diesmal eingeladen hat, denn mit Dylan Bowen und Henry Pim sind gleich zwei englische Kollegen dabei. Das sei auch als politisches Statement zu verstehen, so die Künstlerin. Außerdem hat sie den Iren Michael Moore und den Ukrainer Yuriy Musatov eingeladen, die beide schon Deidesheim-Erfahrung haben, sowie eine junge Deutsche, Sarah Bartmann aus Halle. Zeit selbst und ihr Partner Svein Narum wirken natürlich auch wieder mit. Ansonsten plant Zeit 2018 keine Ausstellungen in der nach ihr benannten Galerie in Deidesheim. Stattdessen wolle sie lieber reisen: bereits sicher nach Nigeria, wenn alles klappt, auch noch nach Mexiko. Zwei Projekte plant Olaf Bergmann, Künstler aus Lachen-Speyerdorf, 2018 in der von ihm und dem „Projekt 51“ initiierten „Kultur-Kantine“ am Neustadter Hauptbahnhof – doch ob diese auch zustande kommen, hänge davon ab, wie die Fördermittel fließen. Das eine ist ein Theater-Gastspiel des „Neuen Ensembles“ aus Mannheim, das nach Bergmanns Plänen im Juni/Juli in der ehemaligen Eisenbahner-Kantine viermal das Stück „Je suis Fassbinder“ von Falk Richter aufführen könnte, das andere ein Kurzfilmprojekt aus Landau, das er gerne nach Neustadt einladen würde – mit Aufführungen im Roxy-Kino und in der „Kantine“. Auch eine erneute Kooperation mit der Kunstakademie Karlsruhe wie gerade erst bei „Get in the van“ sei denkbar, aber noch nicht konkretisiert. Schon etwas sicherer scheine dagegen, dass er zum „Tag des offenen Ateliers“ im September zusammen mit befreundeten Künstlern wieder ein eigenes Kunstprojekt in der „Kantine“ realisiere. Und bei dem historischen Fachwerkhaus in der Theodor-Heuss-Straße 51 in Lachen-Speyerdorf, das dem „Projekt 51“ den Namen gegeben hat, stehen 2018 entscheidende Bauarbeiten an: die Sanierung der Holzträger, die teilweise völlig verfault sind. Die Neustadter Galerie Upart kann 2018 ihren 20. Geburtstag feiern – und das will Galeristin Ingrid Bürgy-de Ruijter auch tun: mit einem großen Sommerfest im Park der Villa Knoeckel, seit März 2015 Upart-Stammsitz. Zeitgleich wird sie dann eine große Gruppenausstellung mit dem Titel „Menschenbild“ zeigen mit figurativen Arbeiten u. a. von Cora Volz und Bettina Pradella. Zuvor sind noch zwei Doppelausstellungen fest eingeplant: eine mit neuen Erdschollen-Bildern von Betty Beier und Papierarbeiten von Sophie Casado, die am 4. März eröffnet werden soll, und eine weitere mit neuen Perlenkunstwerken von Lea Lenhart und Malerei von Andrej Henze im Mai. Für die zweite Jahreshälfte hat Bürgy-de Ruijter viele Ideen, aber noch keinen festen Plan: „Zwei Ausstellungen wird es aber bis Jahresende auf jeden Fall noch geben.“ Noch bis 25. Februar läuft außerdem die aktuelle Schau „Wolkenmacht und Tiergeflüster“, die erst letztes Wochenende eröffnet wurde. Sehr zufrieden mit ihren ersten neun Monaten als Galeristin zeigt sich Christa Wessa, die im April die Galerie Backhaus in Deidesheim eröffnete. „Sie trägt sich selbst, und sie wird immer bekannter“, freut sich die frühere Inhaberin einer Werbeagentur in Neustadt. Bis 18. Februar läuft nun noch die am 1. Dezember eröffnete Ausstellung mit dem Mannheimer Fotografen Christian Dammert als Hauptkünstler. Was danach kommt, ist noch nicht in Stein gemeißelt, doch ein Gerüst steht schon: Angedacht ist im Vorfrühling eine Doppelausstellung mit der Heidelbergerin Eva Clemens, die vor allem Frauenportraits malt, und der Luxemburgerin Noemie Reichert, die für ihre filigranen Papierkleider bekannt ist. Ab 24. März folgt dann Kim-Britt Eigenberger, die schon in der aktuellen Schau mit sieben Werken vertreten ist, mit einer Einzelausstellung. Aquarelle des Neustadters Arved Zeuner, Kunstpädagoge an der Internationalen Schule, und Papierkunstwerke von Josef Walch, der einen Teil seiner Kindheit in Deidesheim verbrachte und später Professor an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle wurde, folgen im weiteren Jahresverlauf. Auch Werke aus ihrer eigenen Sammlung, etwa von Udo Lindenberg und Wolfgang Loesche, wolle sie irgendwann zeigen, so Wessa, die von der Kreativität der Galeristentätigkeit begeistert ist und versichert: „Ich mache nur das, was mir gefällt.“ Die Werke seiner eigenen Sammlung möchte auch Hermann Josef Hormes, der Inhaber der Galerie Ermità in Haßloch, am Jahresende 2018 endlich einmal ausstellen – vor allem, um sie auch selbst wieder sehen zu können, denn vieles sei schon seit Jahren verpackt. „Ich fürchte, dass ich manches finde, was ich schon vergessen habe“, lacht er. Doch zunächst wird bei ihm erst einmal die im November eröffnete Ausstellung mit Landschaftsbildern von Barbara Schauß in den Februar hinein verlängert und um neue Werke der Monsheimerin ergänzt. Hormes selbst fliegt im Januar für einen Monat in den Senegal, um sich dort in Ateliers und Künstlerdörfern umzuschauen. „Afrika lohnt sich“, zeigt er sich überzeugt, eine Ausstellung mit westafrikanischer Kunst ist deshalb bei ihm für 2018 fest eingeplant. Daneben will er noch zweimal regionale Kunst zeigen, einmal Skulpturen, einmal Bilder – die Reihenfolge stehe aber noch nicht fest, so Hormes.