Neustadt Dschingis Khans Erben stellen sich vor

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Neustadt-Hambach. Ein außergewöhnliches Musikerlebnis bot am Sonntagabend der Auftritt des Chinesischen Folkloreorchesters der Inneren Mongolei im Festsaal des Hambacher Schlosses. Besonders beeindruckend waren die Gesangstechniken: der Oberton-, Kehlgesang der Männer und der Urtin-Duu-Gesang einer Sängerin.

Musiker in farbigen Kostümen betreten die Bühne. Die Männer tragen eine Art Kutte, teils mit Applikationen besetzt, um den Leib einen kräftigen Ledergürtel, alle haben Hüte oder Mützen auf. Die Frauen sind in golden schimmernde Kostüme gewandet, auch sie tragen Kopfbedeckungen, eine Art Haube. Unter den Instrumenten stechen die Pferdekopfgeigen hervor, die es offenbar in verschiedenen Größen gibt. Zudem sieht man verschiedene Zupfinstrumente in Form von Langhals-Lauten und Zithern. Dirigent Yeerda gibt den Einsatz für eine Art Ouvertüre, in der dann auch gleich verschiedene Instrumente vorgestellt werden. Bei dem groß angelegten Stück soll es sich laut Programm um traditionelle höfische Musik handeln, die der Dirigent arrangiert habe. Dabei hat er sich aber sicher von romantischer Orchestermusik Europas inspirieren lassen. Es gibt zum Beispiel volltönende Streicher-akkorde und darüber eine Flötenmelodie. Die Flöte spielt eine einfache pentatonische Melodie. Die greifen weitere Instrumente auf. Solche Tonleitern aus fünf Tönen sind in vielen fernöstlichen Musikkulturen verbreitet. Vermutlich ist diese Melodie das traditionelle mongolische Element, denn die begleitenden Harmonien bewegen sich durch Modulationen, die nur mit allen zwölf Halbtönen und einer gleichschwebenden, europäischen Stimmung zu erreichen sind. Ähnliches begegnet auch in weiteren Arrangements. Vermutlich sind die alten Melodien in ein modernes Arrangement eingebettet. Das kann man auch als Brücke zu den Hörgewohnheiten eines europäischen Publikums auffassen. Es gibt viel Wohlklang, „schmachtende“ Geigen, aber gegen Ende auch energische und effektvolle Stücke, in denen galoppierende Pferdeherden sehr anschaulich vertont werden. Moderatorin Lei Wang unterhält sich mit dem Dirigenten zwischen den Stücken über Instrumente und Musik. Vom Pferd kamen früher Schweifhaare für Saiten und Bogen. Der Kopf des Pferdes ist Verzierung und steht für die Bedeutung dieses Tiers in der mongolischen Kultur. Wir erfahren, dass im Orchester die Pferdekopfgeigen in verschiedenen Registern vorkommen. Es gibt offenbar eine Sopran-, Tenor- und Baritonlage, was etwa Violine, Viola und Cello entspricht. Laut Yeerda ist dies aber eine neuere Entwicklung. Neuer ist sicher auch das Akkordeon im Orchester. Das Instrument ist in Ostasien beliebt, wurde aber im 19. Jahrhundert in Österreich entwickelt. Zithern, deren Töne auf fest gespannten Saiten gezupft werden, haben in Ostasien dagegen eine sehr lange Tradition. Die mongolische Zitherform heißt Yatug. Ein gitarrenähnliches Instrument ist die Huobosi, die aus China stammt. Mongolisch und wie die Pferdekopfgeige mit nur zwei Saiten versehen ist die Tovshuur. Auf dieser entwickelte Solist Ounier eine erstaunliche Virtuosität. Er wird später noch den Kehlgesang demonstrieren. Die Sängerin Chaolumeng wird irrtümlich mit Obertongesang angekündigt. Was sie gesungen hat, nennt sich Langton-Gesang oder Urtin Duu. Dabei werden einzelne Silben sehr lange gesungen und verziert. Dafür gibt es viele Techniken, die die Sängerin eindrucksvoll beherrscht: Man hörte an diesem Abend große, schnelle Intervallsprünge von Brust- in Kopfstimme, das stufenlose Ziehen von Tonhöhen und, besonders verblüffend, eine pulsierende Modulation, die eine Art Tremolo ergibt. Vier Männer ließen Kehl-, Unter- und Obertongesang erklingen. Ounier beherrscht den Untertongesang, bei dem durch eine besondere Technik Töne hörbar werden, die eine Oktave unter dem eigentlichen Sington liegen. Das ergibt einen beeindruckend tiefen, rauen Ton. Seine Kollegen schaffen es, die Obertöne eines gesungenen Tons so zu verstärken, dass sie über einen tiefen Pedalton in der Obertonreihe Melodien erklingen lassen. Als Solist auf der Flöte spielt Kou Yajun neue Kompositionen, die sich auf alte Stile aus dem mongolischen Grasland beziehen. Die Querflöte, die er spielt, ist unter verschiedenen Namen in ganz Asien und dem Mittleren Osten verbreitet. Auch hier hören wir wieder virtuose Verzierungen in Form von Trillern, Schleifern und Sprüngen. Die Musiker sind alle Profis, haben Ausbildungen an chinesischen und russischen Musikhochschulen. Dirigent Yeerda hat in Shanghai und Moskau Komposition und Orchesterleitung studiert und auch bereits sinfonische Orchesterwerke und Klavierkompositionen veröffentlicht. Am Ende des Konzerts sind die Zuhörer begeistert, es gibt viel Jubel und Applaus. Das Ensemble und die Solisten haben an diesem Abend eindrucksvoll gezeigt, dass die Musik der Inneren Mongolei einen großen Reichtum an Klangfarben, Melodien und Stilen bietet und auch europäischen Zuhörern spannende Hörerlebnisse bescheren kann.

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