Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel DRK übt: Wenn beim Weinfest ein Messer gezückt wird

Auf geht’s: Verletzte werden zum Behandlungsplatz gebracht.
Auf geht’s: Verletzte werden zum Behandlungsplatz gebracht.

Viele Verletzte, aber nicht genug Sanitäter und Ärzte, um allen sofort zu helfen: Dieses Problem hatte das Neustadter Deutsche Rote Kreuz am Samstagvormittag.

Auf einem Fest hat ein psychisch auffälliger Besucher mit einer Schusswaffe und einem Messer andere Besucher verletzt. Das war das Szenario einer Großübung des Stadtverbands Neustadt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Kooperation mit dem DRK-Rettungsdienst auf dem Gelände des Technischen Hilfswerks (THW) in Lachen-Speyerdorf.

Über 100 Leute werden bald hier sein, sagt Ausbildungsleiterin Theresa Uloth, die mit dem stellvertretenden Bereitschaftsleiter Michael Rihlmann die Übung vorbereitet hat. Vom Stadtverband Neustadt sind die Schnelleinsatzgruppen Führung, Behandlung und Transport mit ehrenamtlichen Sanitätern und Rettungssanitätern bei der Übung. Der Rettungsdienst Vorderpfalz ist mit acht Auszubildenden dabei. Außerdem fünf Notärzte, zwei Polizisten, sechs Feuerwehrleute und DRK-Mitglieder, die 25 Verletzte mimen.

Zehn Verletzte gleichzeitig?

Auf einer Seite des großen Areals kümmern sich Sanitäter und Notärzte um die beiden ersten Patienten. „Ich habe keine Informationen, wann die nächsten kommen“, sagt ein Polizist zu Christoph Hormuth, auf dessen Jacke Organisatorischer Leiter steht. Die Sanitäter dürfen nicht auf das Festgelände, der Angreifer ist wahrscheinlich noch dort. Feuerwehrmänner bringen die Verletzten, wann und wie viele, das wissen nur Rihlmann und Uloth. „Für uns ist das ein dynamisches Geschehen, es kann sein, dass zehn gleichzeitig kommen“, sagt Hormuth. Auch bei einem Großeinsatz in der Realität wisse man erst einmal nicht, was auf einen zukommt. Einen Einsatz in dieser Größenordnung habe er in der Realität aber noch nie erlebt, sagt Leitender Notarzt Juri Rabinstein.

Eine Mitleid erregende Gruppe kommt aus Richtung des Festgeländes: Es sind weitere Patienten, die teils auf Tragen liegen, teils nur mit Hilfe laufen können. Inzwischen haben Sanitäter damit begonnen, einen provisorischen Behandlungsplatz herzurichten. Die ersten Patienten werden auf Matten auf den Boden gelegt, dann kommen Tragen. „Das muss weiter auseinander, damit wir an den Patienten arbeiten können“, ruft ein Arzt.

Alles wird notiert

Beobachter, die durch die Farbe ihrer Westen gekennzeichnet sind, notieren, was nicht so gut läuft. Im Anschluss an den praktischen Teil werde erst in Gruppen und dann gemeinsam besprochen, wo es Probleme gab, was falsch gemacht wurde, was geändert werden könnte, erklärt Uloth. So würden alle lernen, um möglichst optimal vorbereitet zu sein, wenn wirklich mal ein Großeinsatz notwendig ist.

Auf dem Behandlungsplatz liegen inzwischen mehrere Patienten. Daneben wird ein Zelt aufgebaut, in das die Patienten gebracht werden sollen, weil sie hier vor der Sonne geschützt sind. „Ihr müsst erst einen Bodycheck machen“, sagt ein Notarzt zu zwei Sanitäterinnen. „Wir müssen Ihr Bein etwas anheben, damit wir einen Verband machen können“, erklärt ein Sanitäter einer Patientin, die wohl starke Schmerzen hat. Patientin 17 liegt an der Seite, ruft leise immer wieder Hilfe, keiner beachtet sie. „Ich fühle mich allein gelassen“, sagt Vanessa Reppert, die die Patientin mimt. Der Leitende Notarzt kommt: „Was haben Sie?“ Rabinstein holt zwei Sanitäterinnen von anderen Patienten weg, sie sollen sich um die Frau, die zwei Schussverletzungen hat, kümmern.

Keine Atmung mehr

Uloth deutet auf einen Patienten: „Er hat keinen Puls und keine Atmung mehr. Normalerweise müsste man Reanimation machen, obwohl das mit großer Wahrscheinlichkeit nichts mehr nutzt. Da hier aber zu wenige Helfer für die vielen Patienten sind, kümmern wir uns um die, die Überlebenschancen haben“. Dem Patienten ist das egal – es ist eine Puppe.

Christopher Munschauer hatte bei dem Fest Sanitätsdienst. Der Besucher, der Messer und Waffe gezogen hat, war zuvor in der Sanitätsstation. Jetzt kümmert sich Munschauer mit anderen Sanitätern um Patienten mit leichten Verletzungen, einige stehen unter Schock. Man warte nun auf die Helfer der psychosozialen Notfallversorgung, die mit allen sprechen sollen. Victoria Schüdzig ist eine der Patientinnen: „So sieht man das Ganze aus Patientensicht, merkt, wie die sich fühlen und kann diese Erfahrung nutzen, wenn man selbst bei einem Einsatz dabei ist.“

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