Weintipp RHEINPFALZ Plus Artikel Drei Esel für ein Halleluja

dfebb334-9de8-4167-b308-79dc5af96253

Pinot oder nicht, Hauptsache er schmeckt, der Sankt Laurent, findet unser Weinfinder.

Sprache weckt Assoziationen. Das nutzen die Menschen zur Selbstdarstellung und Journalisten für Überschriften. Manche Genossenschaften nennen sich inzwischen „Weinmanufaktur“. Wir hinterfragen das mal nicht. Oder die schöne alte Sorte Sankt Laurent, die vermutlich aus Österreich stammt: Gerne wird sie französelnd als „Saint Laurent“ verkauft, obwohl in Frankreich keine einzige Rebe davon steht.

Nicht gezielter Semantik, sondern einem Irrtum ist geschuldet, dass man die Laurenztraube zuweilen als Pinot-Sorte bezeichnet. Dahinter steckt der Irrglaube, es handele sich um die nicht mehr angebaute Sorte Pinot Saint-Laurent. Stimmt aber nicht, wie ein DNA-Vergleich bewies.

Eine Lage namens Eselshaut

Manufaktur? Sankt Laurent? Esel? In Mußbach, im Herzen der Pfalz, fließen die Fäden zusammen. Die wichtigste Lage der dortigen Weinmanufaktur Weinbiet heißt Eselshaut. Ihre Weine klassifizieren die Genossen mit einem, zwei oder drei Eselsköpfen, je mehr Esel, desto besser. Mit Patrick Öttl als Kellermeister und Bastian Klohr als Geschäftsführer haben die Mußbacher zuletzt kräftig Gas gegeben und der Vorstellung von „Manufaktur“-Weinen in Handwerkerqualität ordentliche Taten folgen lassen. Mit ihren besten Weinen spielen sie inzwischen in der Liga der sehr guten Weingüter. Das fanden im vergangenen Jahr auch die Verkoster des Wettbewerbs „Die junge Pfalz“ und setzten sie unter 62 teilnehmenden Weingütern auf den zweiten Platz. Einfach so aus der Lamäng schafft man das nicht.

Verblüffend preiswert

Seine drei Esel hat sich ein 2017er Sankt Laurent der Genossen redlich verdient. Er erschien uns (neben einem duftig-mineralischen Riesling vom Schloßberg) verblüffend preiswert: weich, samtig mit einer zarten Röstnote und tatsächlich burgundigem Schmelz – obwohl es sich, wie wir jetzt wissen, nicht um einen Pinot handelt. Ein kräftiger Roter mit verhaltenen Gerbstoffen, der sommerliche Grillgerichte ebenso gut begleitet wie Pizza oder Geflügel. Ein Halleluja für das feine Schnäppchen.

Der Wein

2017 St. Laurent „Meerspinne“ trocken, Weinmanufaktur Weinbiet, Mußbach, Telefon 06321/67970, www.weinbiet.de, 6 Euro ab Weingut

Der Autor

Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

x